Jet2 und Tui steigen aus: Britische Corona-Quarantäne stürzt Kanaren in die Krise


Die Gespräche sind vorerst gescheitert: Auch die Kanarischen Inseln werden von Großbritannien als nicht sicher eingestuft. Die Empfehlung, auf „alle vermeidbaren Reisen nach Spanien zu verzichten“, hat damit auch für die Kanarischen Inseln Bestand. Jet2 und Tui kündigten daraufhin Stornierungen an. Die kanarische Politik zeigt sich ebenso wie die lokale Wirtschaft ängstlich.

„Wenn wir keinen Tourismus haben, wird der Hunger die Kanaren auffressen“, sagte der Präsident der Regierung des Archipels. Für Ángel Víctor Torres ist die aktualisierte Reisewarnung Großbritanniens ein herber Schlag – und eine Farce. Noch am Montag hatte der Politiker angekündigt, britischen Urlaubern die Corona-Quarantäne bei der Rückkehr von den Inseln ersparen zu wollen. Doch auch mit „intensiver diplomatischer Arbeit“ war nichts zu machen.

Am Montag wurde die Reisewarnung der britischen Regierung aktualisiert. Und mit dem Update wurden auch die Kanarischen Inseln implizit als nicht sicher eingestuft. Fast trotzig wirkt die Reaktion des Politikers, der sagt: „Kohärenz und gesunder Menschenverstand müssen sich durchsetzen: Wir haben eine günstigere Entwicklung der Pandemie als die meisten Länder der Europäischen Union. Wir sind 2000 Kilometer weit entfernt. Ich sehe keinen Sinn darin, die Quarantäne aufrechtzuerhalten“, sagte Torres.

Jet2 und Tui-UK ziehen sich vorerst auch aus Kanaren-Geschäft zurück

Die finale Ausdehnung der Reisewarnung auch auf die Kanarischen Inseln und die Balearen wurde von den britischen Behörden mit den „Risiken“ begründet, die von der Coronavirus-Situation in ganz Spanien ausgingen. Zwar heißt es in der Erklärung lediglich: „Dieser Rat basiert auf den Erkenntnissen über die Zunahme von Covid-19-Fällen in vielen Regionen, insbesondere in Aragonien, Navarra und Katalonien, zu denen die Städte Saragossa, Pamplona und Barcelona gehören.“ Auf der Website des Auswärtigen Amts wir dann dennoch von Reisen in „das gesamte Land“ gewarnt – und damit auch vor den Kanaren und Balearen.

Die Gespräche über mögliche sichere Lufthygienekorridore sind somit gescheitert. Jet2 gab daraufhin bekannt, Flüge vom Festland auf die Kanarischen Inseln stornieren zu wollen. Und auch der britische Ableger der Tui kündigte die Rolle rückwärts der Rolle rückwärts an. Denn nachdem Samstag zunächst bekanntgegeben wurde, Flüge auf den Archipel zu streichen, wurden nach dem Update der britischen Behörden am Sonntag doch wieder Flüge ab Montag angekündigt. Am Montag haben die neuerlichen Entwicklungen dann jedoch auch die Tui dazu bewogen, ab Dienstag zum ursprünglichen Plan zurückzukehren und viele der Flüge doch wieder zu streichen.

Der temporäre Ausstieg des zweiten Anbieters aus dem regulären Reiseplan ist für die Kanaren ein herber Schlag. Denn nun sollen vorerst nur Gäste abgeholt, jedoch keine neuen gebracht werden. Da Großbritannien seit Jahren die meisten Urlauber stellt, sorgen sich regionale Politik, Hotellerie und Gastronomie gleichermaßen um die lokale Wirtschaft.

Kanaren in Sorge, Briten rätseln über Durchführbarkeit der Corona-Quarantäne

„Alle Bemühungen Spaniens und der Kanarischen Inseln müssen sich darauf konzentrieren, das Vereinigte Königreich davon zu überzeugen, die Quarantäne aufzuheben. Wenn dies so weitergeht, werden die Touristenpakete massiv storniert“, sagte der Präsident der Föderation der Unternehmer aus dem Gastgewerbe und des Tourismus (FEHT) von Las Palmas, José María Mañaricua. „Diese Einschränkungen“ seien „fatal“ für das Gastgewerbe und die Inseln.

In Großbritannien selbst wird derweil gerätselt, wie die verhängte Quarantäne überwacht werden soll. Schätzungsweise rund 600.000 Briten befinden sich derzeit in Spanien. Der überwiegende Teil davon wird in den kommenden Wochen in die Heimat zurückkehren. Doch für eine flächendeckende Überwachung der Maßnahme steht den Behörden nicht ansatzweise ausreichend Personal zur Verfügung.

Für die Verantwortlichen ist auch das ein letzter Hoffnungsschimmer. Noch wird gehofft, dass bestimmte Regionen wieder aus der Maßnahme ausgenommen werden. Nicht zuletzt, da die Kanaren eine deutlich geringere Corona-Rate pro 100.000 Einwohner aufweisen (5,6%) als das vereinigte Königreich selbst (13,9%). Vorerst jedoch werden gebuchte Pauschalreisen von Großbritannien auf das gesamte spanische Staatsgebiet flächendeckend storniert.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Mehr Infos zum Autor gibt es hier.