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Kanaren: Geschlechtskrankheiten breiten sich explosionsartig aus


Die Zahl der Geschlechtskrankheiten hat sich auf den Kanarischen Inseln innerhalb von acht Jahren verfünffacht. Besonders eine Personengruppe sticht dabei heraus.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 3 Minuten

Junge Menschen auf den Kanarischen Inseln verlieren die Angst vor den Konsequenzen von ungeschütztem Sex. Diesen Schluss legen aktuelle Infektions-Zahlen mit Geschlechtskrankheiten nah. Denn auf den Kanaren nehmen entsprechende Infektionen signifikant zu. Und junge Leute machen dabei die meisten Fälle aus.

Die Angst vor HIV und anderen Krankheiten ist bei jungen Menschen weniger präsent, meinen Mediziner. Sie stellen auf den Kanaren insbesondere bei jungen Menschen mehr Geschlechtskrankheiten fest. Doch die Zahl der Infektionen steigt über alle Altersgruppen.

Im Jahr 2022 wurden auf den Kanarischen Inseln mehr als 2000 Fälle verschiedener sexuell übertragbarer Infektionen festgestellt. Am häufigsten kommen dabei Chlamydien vor. Innerhalb eines Jahres stiegen die Infektionen mit Geschlechtskrankheiten um 45 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2016 haben sie sich sogar verfünffacht.

Deutlich mehr Geschlechtskrankheiten auf den Kanarischen Inseln

Während Chlamydien die meisten absoluten Fälle ausmachen, ist die relative Zunahme bei Gonorrhoe am stärksten. Nach Angaben der Direktion für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Kanarischen Inseln haben die bestätigten Gonorrhoe-Fälle um 55 Prozent zugenommen.

304 Infektionen waren im Jahr 2021 gezählt worden. 2022 waren es bereits 474. Es folgen Syphilis-Infektionen mit 697 Fällen. Dabei gab es 41 Prozent mehr Infektionen als im Jahr 2021.

Mit 710 Fällen ist die am stärksten verbreitete Geschlechtskrankheit allerdings eine Infektion mit Chlamydien. Immerhin das relative Wachstum war dabei mit 31,9 Prozent etwas niedriger. Vergleichen mit 2016 liegt der Zuwachs allerdings etwa beim elffachen Wert.

Kanaren: Sechs von zehn jungen Menschen verzichten auf Kondome

Wurden im Jahr 2022 noch 193 HIV-Neuinfektionen festgestellt, seien laut Experten-Schätzung inzwischen wieder 200 bis 250 jährliche Fälle realistisch. Forscher glauben, dass medizinische Erfolge und ein sinkendes Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken, zu nachlassender Vorsicht grade bei jungen Menschen führe.

Studien zeigen, dass Personen zwischen 18 und 26 Jahren auf den Kanarischen Inseln deutlich seltener Kondome benutzen. Im Jahr 2019 gaben 89 Prozent der befragten Inselbewohner an, in all ihren sexuellen Beziehungen Kondome zu verwenden. Inzwischen liegt dieser Wert noch bei 39 Prozent. Sechs von zehn jungen Leuten verzichten also auf “Safer Sex”.

Kliniken auf Teneriffa starten Kanaren-weites Pilot-Projekt

Auf Teneriffa wurde nun ein Pilot-Projekt für die Kanarischen Inseln gestartet. Es soll dabei helfen, Geschlechtskrankheiten frühzeitig zu erkennen. Vier Ambulanzen – in Puerto de la Cruz, La Cuesta, San Isidro und Añaza – wollen damit Daten und Erkenntnisse sammeln.

Außerdem “hilft es Patienten, sich einfach und ohne Stigmatisierung testen zu lassen”, sagt Projektleiterin Marta Gómez. Seit Projekt-Start im Februar 2023 wurden bereits 4000 Tests durchgeführt. 1500 davon waren positiv.

Kanaren: Männer stecken sich öfter mit HIV an, Frauen mit Chlamydien

Die Zahlen der festgestellten Infektionen entsprechend dabei im Wesentlichen den allgemeinen Wachstumsraten der Infektionen auf den Kanarischen Inseln:  Bei 158 der festgestellten Infektionen handelte es sich um Syphilis, bei 185 um Gonorrhö und bei 237 um Chlamydien.

“Die meisten der von uns diagnostizierten Patienten sind zwischen 18 und 28 Jahre alt”, sagt Gómez. In dieser Gruppe würden Männer häufiger mit HIV, Gonorrhoe und Syphilis infiziert. Frauen leiden am häufigsten unter Chlamydien.

Über das Pilot-Projekt erhalten Betroffene diskrete Hilfe. Die Gesundheitsbehörden hoffen, auf diese Weise eine Trendumkehr bei den Wachstumsraten mit Geschlechtskrankheiten erwirken zu können.


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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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