Betancuria, Artenara und Tejeda haben nicht nur mehr Autos als Einwohner. Während die Zahl der Menschen in den drei Orten im Osten der Kanaren sinkt, steigt die Zahl der gemeldeten Fahrzeuge sogar stetig.
Betancuria liegt auf Fuerteventura. Der kleine Ort hat 812 Einwohner. Laut Straßenverkehrsbehörde der Kanaren gibt es dort allerdings 1200 Fahrzeuge. Einer der Gründe: Der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ist so schlecht ausgebaut, dass jede Familie über mehrere Autos verfügt.
Auch auf Gran Canaria leben örtlich viele Menschen, zumindest bezogen auf die Anbindung, stark isoliert. Artenara verfügt über rund 1000 Einwohner. Gemeldete Autos gibt es dort etwa 1500. Unwegsames Gelände, Abgeschiedenheit und kaum Jobs vor Ort zwingen die Menschen zu mehreren eigenen Fahrzeugen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden propagiert, doch einige Orte der Kanaren sind von einer Verkehrswende weit entfernt. Und das ist längst nicht alles:
Diese Kanaren-Orte haben mehr Autos als Einwohner
Einer der Gründe für die steigende Anzahl von Fahrzeugen bei zugleich sinkender Bevölkerungsdichte liegt im Alter der Autos und der Einwohner begründet. Abgelegene Orte haben oft einen höheren Altersschnitt. Ältere Einwohner gehen den Weg allen Irdischens, während die Wagen oft in den Familien verbleiben.
Wesentlich extremer ist das in Tejeda. Dort besitzen 1800 Einwohner mehr als 32.000 Autos. Jeder Einwohner von Tejedas hat damit im Durchschnitt knapp 18 Autos. Zum Vergleich: In San Bartolomé, eine typische Touristen-Gemeinde im Süden Gran Canarias, kommt auf jeden Einwohner nichtmal ein Fahrzeug.
In Tejeda liegt der Grund allerdings nicht in unendlichem Reichtum, Sammelwut oder ganz besonderer Notwendigkeit mehrerer Autos, sondern in der lokalen Wirtschaft.
Kanaren: Verkehrswende auf dem Land oft unmöglich
Der Ort schloss 2018 eine Vereinbarung mit Autovermietungen. Diese lassen neue Fahrzeuge seither in Tejedas zu. Laut Bürgermeister sei die Stadtverwaltung an manchen Tagen mit bis zu 200 Fahrzeug-Meldeangelegenheiten beschäftigt. Doch die Arbeit lohnt sich. Allein im Jahr 2023 wurden 350.000 Euro an KFZ-Steuern eingenommen.
Die drei am dünnsten besiedelten Gemeinden der östlichen Kanaren zeigen damit ein Phänomen auf: Schlechte Verkehrspolitik und kaum Anbindungen zwingen die Menschen entweder dazu, ländliche Gebiete zu verlassen, oder komplett autark zu agieren. Dazu gehören dann auch mehrere Fahrzeuge pro Familie. Eine flächendeckende Verkehrswende bleibt so vorerst unmöglich.
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Mehr Autos als Einwohner: Das Kanaren-Paradoxon
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