Zum Inhalt springen
Mittwoch, 29. Juli 2026
Teneriffa

„Vier Kilo Müll in 45 Minuten“: So sieht es im Meer vor Teneriffa wirklich aus

Teneriffas beeindruckende Unterwasserwelt fasziniert auch Alice Glenda Bianchi. Sie ist Meeresbiologin aus Italien. Bianchi hat in Los Cristianos auf Teneriffa eine Tauchschule eröffnet. Sie gibt Teneriffa News einen Einblick in ihre Welt.

„Ich denke, jeder Tauchgang hat eine Auswirkung auf die eigene Entwicklung und ich liebe jedes Mal den Ozean ein bisschen mehr.“ Alice Glenda Bianchi ist Meeresbiologin aus Italien. Die 31-Jährige hatte während ihres Studiums die Idee, eine Tauchschule auf Teneriffa zu eröffnen, die Unterwasserproben mit Tauchaktivitäten für Anfänger und Ozeanliebhaber verbindet. Im Interview erzählt sie von ihrem Werdegang, über die Auswirkung des Klimawandels und informiert darüber, was jeder Einzelne tun kann, um unsere Meere zu schützen.

Ihr Werdegang führte Sie über Deutschland nach Teneriffa. Wie kam es dazu?

„Ich habe an der Universität Genova Meeresbiologie studiert und meine Thesis geschrieben. Ich hatte die Möglichkeit, die Ergebnisse mit dem Meeresbiologischen Institut der Uni Bremen zu veröffentlichen. Daraufhin haben wir uns dazu entschieden, nach Teneriffa auszuwandern und eine Tauchschule zu eröffnen.“

Wie kommt eine studierte Meeresbiologin auf die Idee, eine Tauchschule auf Teneriffa zu eröffnen?



„Die Idee der Tauchschule ist an ein Praktikum geknüpft. Ich hatte sie in meinem zweiten Master-Jahr. Weil ich zu dieser Zeit ein Praktikum im Ausland gemacht habe und es mir sehr gefallen hat. Ich fand die Idee sehr gut, den Austausch zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu schaffen und natürlich auch durch meine Liebe zum Tauchen.“

Wie passt die Tauchschule ansonsten mit Ihrem Beruf zusammen?

„Ziel der Tauchschule ist es, Proben für eine Langzeitanalyse von Daten an demselben Ort zu sammeln. Es wäre schön, wenn wir in fünf bis zehn Jahren eine abgeschlossene Datenanalyse hätten, auf die man zurückgreifen kann, um zu sehen, wie sich eine Seegraswiese oder eine Lebensgemeinschaft auf dem harten Meeresboden im Laufe der Jahre verändert. Dabei liegt der Fokus auf Tauchen und Probenentnahme unter Wasser und dabei vor allem auf den wirbellosen Tieren, dem Seegras und auf Algen.“

Warum haben Sie als Standort Teneriffa gewählt?

„Wir haben Teneriffa gewählt, weil hier immer Sommer ist. Also mehr aus geschäftlichen Gründen. Durch das Wetter können wir das ganze Jahr arbeiten und haben die Möglichkeit, zwei Zeiten für Praktika anzubieten. So können Studierende von verschiedenen Universitäten besser ihr Praktikum bei uns planen.“

Haben Sie in den vergangenen Jahren Veränderungen im Meer wahrgenommen?

„Ja, ich habe Veränderungen im Meer gesehen, noch nicht so viele, weil wir die Tauchschule erst seit 2022 haben. Aber jedes Mal, wenn ich ins Wasser gehe, bemerke ich Änderungen, die durch die Algenblüte verursacht werden.“

Sie haben Algen angesprochen: Auch Besucher nehmen sie zuletzt vermehrt wahr.

„Im Moment gibt es Probleme mit der Alge ‚Rugulopteryx‘, einer invasiven Braunalge aus Asien. Ich sehe, wie sie sich in verschiedenen Tauchspots ausbreitet, an denen sie zuvor nicht war.“

Was hat Sie zu Ihrer Arbeit im Meer inspiriert?

„Seit ich denken kann, habe ich es schon immer geliebt, im Meer zu sein. Ich habe mein erstes Taucherlevel gemacht, als ich zehn Jahre alt war und als Jugendliche habe ich den Tauchmaster absolviert. Daher war ich mir schon früh sehr sicher mit der Wahl dieses Arbeitsfeldes.“

Hatten Sie einen besonders eindrucksvollen Moment im Meer, der Sie geprägt hat?

„Ich habe so viele Tauchgänge absolviert, dass ich mich nicht spezifisch auf einen festlegen kann. Ich denke, jeder Tauchgang hat eine Auswirkung auf die eigene Entwicklung und ich liebe jedes Mal den Ozean ein bisschen mehr.
Mein Vater hatte wahrscheinlich auch einen sehr großen Einfluss, weil er mich immer zum Tauchen mitgenommen und mich, als ich ein Kind war, mit dem Wasser in Verbindung gebracht hat. Daher hat mein Vater meine Tauchgänge und mein Leben unter Wasser sehr geprägt.“

Haben Sie bestimmte Bedenken im Hinblick auf die Umwelt und das Meer?

„Die Temperatur. Der Klimawandel ist etwas, das existiert und worum wir uns kümmern müssen. Wir können sehen, nicht nur ich, sondern alle Taucher, wie sich die Umwelt verändert. Man sieht es an den Tieren und der Strömung. Daher ist es natürlich ein Thema, das mich sehr beschäftigt und über das ich mir Gedanken mache.“

Sie sagten, dass Sie die Temperatur erst kurz erleben. Was sehen Sie konkret im Alltag?

„Ein anderes Thema, das mich beschäftigt, ist der Müll, den wir produzieren und im Meer lassen. In Bezug darauf haben wir ein bestimmtes Vorgehen: ‚Dive Against Debris‘, also Tauchen gegen Meeresmüll, wobei wir einmal im Monat während des Praktikums im Meer Müll sammeln. Es kommen oft mehrere Kilo Müll zusammen. Das ist schön, weil wir somit etwas für die Umwelt tun können. Es ist gleichzeitig auch sehr traurig, weil wir sehen, wie viel Müll es wirklich gibt. Vergangenen Monat haben wir mit acht Leuten ungefähr vier Kilo in 45 Minuten gesammelt.“

Wozu möchten Sie die Menschen animieren? Was können sie für den Schutz der Meere tun?

„Ich habe einige Tipps, die ich teilen kann. Nehmt immer euren Müll mit. Lasst nichts liegen und selbst wenn ihr Müll seht und es nicht eurer ist, nehmt ihn mit. Lasst die Tiere in Ruhe, nehmt bitte keine Muscheln oder Steine mit. Es ist nicht euers, das sind Bestandteile der Umwelt. Jedes Material, das es in der Welt gibt, wird von den Tieren und der Erde gebraucht, um neues Leben zu kreieren.“

Haben Sie weitere Hinweise?

„Ja. Jetzt, wo es Sommer ist, möchten die Menschen sich gerne bräunen und nutzen Sonnencreme. Daher ein weiterer Tipp: Nutzt nur Sonnencreme, die umweltfreundlich und nicht chemisch ist. Achtet darauf, dass die Inhaltsstoffe nicht schädlich sind für die Korallen und das Riff. Des Weiteren ist es wichtig, zu beachten, dass Sonnencreme einige Zeit vor dem Betreten des Wassers benutzt wird. Am besten eine halbe Stunde vorher oder je nach Vorgabe auf der Packung. Sonst verteilt sie sich im Wasser und wird Teil davon.“

Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Kommentieren ist Teneriffa-News-Mitgliedern vorbehalten. Jetzt anmelden oder Mitglied werden.