Der Stadtrat von El Pinar hat Bagger nach Tacorón geschickt. Sie zerstören Lavafelder und schütten Kies auf den Vulkansand. Die Arbeiter bereiten den Boden für 80 Sonnenliegen aus Beton vor. Bürgerinitiativen laufen Sturm.
Das Gebiet steht unter europäischem Schutz. Tacorón gehört zum Vogelschutzgebiet „ES0000103“ und damit zum Natura-2000-Netzwerk. El Hierro selbst trägt den Titel eines Biosphärenreservats und ist als Geopark anerkannt. Beides verpflichtet. Beides wird hier ignoriert.
Auf der Küstenplattform brütet die Kolonie der Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris borealis). Die Vögel befinden sich mitten in der Brutsaison. Gleichzeitig wächst dort der Schlangenzungenfarn, Ophioglossum polyphyllum. Er steht auf der spanischen und auf der kanarischen Roten Liste. Tacorón ist eines seiner letzten Rückzugsgebiete auf der ganzen Insel. Die Bauarbeiten greifen in beide Lebensräume ein.
El Hierro: Bürger laufen gegen Beton-Liegen im Schutzgebiet Sturm
Mehr als 8100 Menschen haben die Petition der Initiative „Save Tacorón“ bereits unterzeichnet. Sie fordern einen sofortigen Baustopp. Podemos Canarias schließt sich an. Die Partei verlangt zusätzlich, dass alle bereits installierten Elemente wieder entfernt werden. Und sie verlangt eine vollständige Neuprüfung des Projekts.
Dabei steckt der Widerspruch bereits in den Projektunterlagen selbst: Die Ausschreibungsdokumente erkennen ausdrücklich an, dass die Maßnahme in einem Schutzgebiet stattfindet. Wenige Absätze später behaupten dieselben Dokumente, eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht nötig. Begründung: Das Vorhaben tauche in den Anhängen der einschlägigen Verordnung nicht auf. Podemos Canarias nennt das einen Widerspruch. Er ist schwer zu widerlegen.
Finanziert wird das Projekt aus europäischen Fördermitteln. Gabriel González, Sekretär für Territorialverteidigung und Tourismus bei Podemos Canarias, sieht darin einen Missbrauch: „Es ist inakzeptabel, von Nachhaltigkeit zu sprechen und gleichzeitig einzigartige Lebensräume zu zerstören“, sagt er und fordert einen öffentlichen Beteiligungsprozess. Die Bevölkerung solle selbst über die Zukunft des Gebiets entscheiden.
Noemí Santana, Generalsekretärin von Podemos Canarias, wählt klarere Worte: „Tacorón braucht keinen Beton, sondern Schutz.“ Die bestehende Infrastruktur, Picknickplätze, Parkplätze und ein Naturschwimmbecken, hätten repariert werden können. Das wäre nach Einschätzung von Naturschützern vertretbar gewesen. Stattdessen entstand neues Bauwerk in einem Bereich, der bis dahin frei von jeder Bebauung war.
El Hierro galt lange Zeit als Gegenentwurf zum Massentourismus der Kanaren. Tacorón war Teil dieses Rufs. Ob er zu halten ist, entscheidet sich gerade im Süden der Insel.
Wer sich an der Petiton beteiligen möchte, findet sie hier bei change.org.
















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