Im Hafen von Las Palmas hat ein ungewöhnliches Forschungsprojekt Gestalt angenommen. Das Schiff „Dagon“ lag ohne großes Aufsehen gut anderthalb Jahre in den Anlagen der Werft Astican auf Gran Canaria. Es wurde dort von einem früheren Überwachungsschiff der US-Marine zu einer der modernsten privaten Plattformen für die Tiefseeforschung umgebaut.
Hinter dem Projekt steht Gabe Newell. Der Erfinder des weltweiten Computerspiel-Klassikers „Half-Life“ ließ das 68 Meter lange und 13 Meter breite Schiff für seine Meeresforschungsorganisation Inkfish neu ausstatten. Ziel des Milliardärs ist es, Wissenschaftlern das Schiff kostenlos für die Erforschung der Ozeane zur Verfügung zu stellen.
Von außen wirkt die „Dagon“ unscheinbar. Im Inneren steckt ein vollständiges Forschungszentrum für marine Einsätze. An Bord liegt auch die „Bakunawa“, ein Tauchboot mit Titan-Kugelkopf, das bis in 11.000 Meter Tiefe vordringen kann.
Forschungsschiff auf Gran Canaria: Vollautomatisiert und neu aufgeteilt
Der Umbau erfasste das Schiff bis ins Detail. Vor seiner Ankunft in Las Palmas arbeitete es noch weitgehend manuell. Dort erhielt es dann ein vollständig automatisiertes System: Schalttafeln, Energiemanagement und Motorenteile wurden erneuert.
Auch die Aufteilung der drei Decks und der Brücke gestaltete Astican neu. Grundlage waren die Vorgaben einer von Newells Organisation beauftragten Designerin, die die Räume sowohl auf den wissenschaftlichen Einsatz als auch auf die Komfortansprüche des Auftraggebers abstimmte.
Für den Betrieb des U-Boots baute Astican präzise Schienen auf dem Deck, über die die Bakunawa bewegt werden kann. Dazu kamen ein gelenkiger Aussetzrahmen für den Wassereinstieg und ein Hangar, in dem das Tauchboot geschützt untergebracht ist.
Gran Canaria für den Umbau: Auftrag begann in Tonga, Vorgaben kamen aus Zypern
Den Auftrag holte die Werft nicht auf den Kanarischen Inseln. Verantwortliche von Astican reisten zunächst nach Tonga in Ozeanien, um das seinerzeit dort liegende Schiff zu besichtigen. Sie trafen den Kunden später in Zypern. Dort nannte er zwei Leitlinien: Das Schiff solle den „Rolls-Royce“-Standard der Meere erreichen und zur „Nasa“ des Meeresbodens werden.
Für Astican war das Projekt zugleich ein Beleg für die eigenen technischen Möglichkeiten: Die Werft koordinierte eigenes Personal und externe Firmen auf engem Raum. Die gesamte Sonderkonstruktion entstand in den Hallen des Unternehmens im Hafen von Las Palmas.
Die „Bakunawa“ hieß zuvor „Triton“ und zählt zu den modernsten bemannten Tiefsee-U-Booten der Welt. Sie kann den „Challenger Deep“ im Marianengraben erreichen, den tiefsten bekannten Punkt der Erde.
Forschungs-U-Boot mit Rekordhalterin am Steuer
Gesteuert wird das zweisitzige Tauchboot von Kate Wawatai. Sie hält den Rekord als Frau, die ein U-Boot mit 10.800 Metern in die größte Tiefe geführt hat. Bei jedem Tauchgang entdeckte Wawatai bisher mindestens eine zuvor unbekannte Tier- oder Pflanzenart.
Inkfish will mit den Expeditionen einen Teil des Vermögens seines Gründers in wissenschaftliche Arbeit lenken. Die Organisation unterstützt Forscher beim Studium des Ozeansystems und trägt so zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei.
Für Las Palmas ist das Projekt eine seltene Premiere: Der Hafen von Gran Canaria soll mit dem Expeditionsschiff in die Geschichte eingehen. Die dortige Werft sorgte für eine Anlage, die als bisher modernste private Plattform für Tiefsee-Exploration der Welt gilt.
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Leserkommentare zu:
Ex-Marineschiff wird auf Gran Canaria zum modernsten Tiefseelabor der Welt
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