Wer auf den Kanarischen Inseln einen Facharzt-Termin benötigt, braucht Geduld. Doch auch allgemeinmedizinische Termine können mitunter mehrere Wochen auf sich warten lassen. Gesundheitsverbände kritisieren auch das aktuelle System.
Kanaren-Präsident Fernando Clavijo hatte noch im Juli gesagt: «Wenn Sie morgen ohne Termin zu Ihrem Hausarzt gehen, werden Sie noch am selben Tag behandelt». Die Erklärung: «Mir und Angehörigen von mir ist das passiert», sagte Clavijo.
Dabei scheint der Politiker übersehen zu haben, dass für ihn und seine Familie möglicherweise ein gewisser Prominenten-Bonus greifen könnte. Denn die Daten sprechen eine andere Sprache. Wir haben sie uns angesehen:
Arzttermine auf den Kanaren weiter mit Wartezeit verbunden
Auf der Suche nach konkreten Antworten ist entscheidend, in welchem Gebiet sich ein Patient aufhält. Die Daten zeigen: Je ländlicher die Region, desto eher gibt es Arzttermine. Allerdings ist dabei entscheidend, dass es abseits der größeren Gemeinden oft weniger Ärzte gibt. Mindestens Fahrzeit sollte also eingerechnet werden. Dann jedoch sind Termine am selben Tag absolut möglich.
In Ballungsgebieten sieht die Lage anders aus. Das Centro de Salud de Guanarteme ist ein öffentliches Gesundheitszentrum in Las Palmas de Gran Canaria. Es wird vom Servicio Canario de la Salud betrieben. Dort gibt es laut Inforcasa einen dokumentierten Fall, in dem eine Patientin 17 Tage warten musste. Passieren könne so etwas insbesondere während der Ferienzeit, heißt es aus Medizinerkreisen, da dan die Vertretungen fehlen und die Personaldecke dünn werde.
Der Gesundheitsverband «Intersindical Canaria» hat eine weitere Erklärung. Zwar ist der gemeldete Fall in einer öffentliche Gesundheitseinrichtung geschehen, doch IC sieht einen weiteren Grund: Die «fortschreitende Verschlechterung der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur» des Archipels. Es sei problematisch, dass Gesundheitszentren von privaten Gesundheitsdienstleistern permanent modernisiert würden, öffentliche hingegen nicht.
Ärzte der Kanaren unter Druck
Die Gewerkschaft sieht große «Nachlässigkeit der für das Gesundheitsmanagement der Regierung zuständigen Teams». Dies gelte «für die Bauphase der Zentren und auch für die anschließende Instandhaltung der Einrichtungen». Außerdem würden viele Aufträge für öffentliche Gesundheitseinrichtungen an insolvenzgeplagte Unternehmen vergeben. Am Ende werde alles teurer als zuvor geplant und nicht fristgerecht freigestellt. Oft leide auch die Qualität, kritisiert IC.
Ärzte berichten hingegen von ganz anderen Probleme. Bis zu 600 Patienten würden in Extremsituationen innerhalb eines Tages in einer Ambulanz behandelt. Die Ärztegewerkschaft sieht darin einen zu großen Druck für die vertretenen Mediziner. Die einfachste Lösung sei es, mehr Personal einzustellen. In öffentlichen Einrichtungen gilt die Chance darauf jedoch als eher gering.















«Kanaren-Ärzte: Hier ist die Chance auf schnelle Behandlung am größten»
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.