Ein Softwarefehler bei der britischen Flugsicherung NATS hat für Chaos im Flugplan der Kanaren gesorgt. Flüge zwischen den Inseln und Großbritannien fielen aus oder starteten verspätet. Betroffen waren unter anderem Verbindungen nach London Gatwick, Luton, Manchester, Birmingham, Edinburgh, Newcastle, Bristol und Glasgow.
Auf den Kanaren-Strecken fehlten Flugzeuge und Besatzungen, da sie durch die Störung außerhalb ihrer Heimatbasen festsaßen. Techniker stellten den Fehler im Flugverarbeitungssystem von NATS am Dienstag fest. Um 17 Uhr britischer Zeit zählte FlightRadar24 landesweit mindestens 425 annullierte Flüge, davon 137 bei easyJet, 111 bei British Airways, 26 bei KLM, 22 bei Eurowings und 21 bei Ryanair.
Andere Auswertungen kamen auf deutlich höhere Werte: Nach Angaben des Analysehauses Cirium habe es sogar mehr als 2000 ausgesetzte Flüge gegeben. Davon wurden demnach mehr als 1750 annulliert. Am Mittwoch fielen dann mindestens 250 weitere Flüge aus, allein Heathrow meldete am frühen Morgen 246 Annullierungen.
Flug-Chaos wegen Großbritannien: Ryanair fordert Konsequenzen
Der Anbieter «AirNav Radar» registrierte am Dienstag 1012 verspätete Flüge, am Mittwoch 1226 Verspätungen und 293 Annullierungen. NATS erklärte am Mittwoch, dass das Problem im eigenen System mittlerweile gelöst sei und der Betrieb normal laufe. Zudem arbeite man am Abbau des Flugstaus. Der Betreiber schloss einen Cyberangriff vorerst aus und leitete eine Untersuchung zur Ursache ein. Verkehrsministerin Heidi Alexander berief eine Krisensitzung mit dem Chef des Flugsicherungsbetreibers ein.
Der irische Billigflieger Ryanair sprach von 65.000 betroffenen Passagieren. In einer weiteren Angabe nannte die Gesellschaft rund 150.000 betroffene Fluggäste nach der Annullierung von mehr als 200 Flügen. Betriebschef Neal McMahon forderte den Rücktritt von NATS-Generaldirektor Martin Rolfe und begründete das mit wiederholtem Missmanagement. Rolfe wiederum entschuldigte sich für die Folgen der Störung. Verkehrsministerin Alexander sagte: «Ich weiß, dass das für die Passagiere frustrierend sein wird und es tut mir leid.»
EasyJet bot betroffenen Passagieren eine kostenlose Umbuchung oder eine Rückerstattung an. Dazu gab es kostenlose Mahlzeiten und ein Hotelzimmer. British Airways annullierte oder leitete rund 100 Flüge um.
Wiederholte Probleme bei britischer Flugsicherung
Heathrow ist mit mehr als 84 Millionen Passagieren der verkehrsreichste Flughafen Europas. Von dort wurden weitere Störungen angekündigt, solange die Airlines Maschinen und Crews neu positionieren müssten. Zudem wurde Reisenden dazu geraten, erst nach Bestätigung ihres Flugs zum Terminal zu gehen. Aus Gatwick hieß es, die vollständige Rückkehr zur Normalität werde Zeit benötigen.
NATS führt die Flugsicherung an 15 britischen Flughäfen. 50 Prozent des Kapitals hält der britische Staat. Im Juli 2025 löste ein technischer Fehler in einem Kontrollzentrum nahe London Dutzende Verspätungen und Annullierungen aus, im August 2023 kollabierte das System großflächig.
Kanaren-Flugausfälle: Betreuung und Umbuchung bleiben Pflicht
Nach den EU-Fluggastrechten muss die Airline bei einer Annullierung eine Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug zum Zielort anbieten. Zudem muss ausreichend Verpflegung während der Wartezeit zur Verfügung gestellt werden. Bei einer nötigen Übernachtung muss zudem für Unterkunft und Transport sowie für laufende Informationen zum Stand der Störung gesorgt werden.
Der Service darf sich ausdrücklich nicht auf eine reine Ticketerstattung beschränken, sollten alternative Möglichkeiten eines Transports bestehen. Bei außergewöhnlichen Umständen wie Flugsicherungsproblemen kann die Entschädigungspflicht entfallen, die Ansprüche auf Betreuung und Umbuchung bleiben davon jedoch ausdrücklich unberührt. Passagiere sollten den Flugstatus bei der Airline prüfen und Tickets, Schriftwechsel sowie Belege über zusätzliche Ausgaben aufbewahren.
Großbritannien ist der wichtigste Herkunftsmarkt im Kanaren-Tourismus. Es folgt Deutschland auf Rang zwei.














«Kanaren: Flughafen-Chaos nach Softwarefehler in Großbritannien»
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