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“Kein Bewusstsein”: 203 Menschen sterben auf den Kanaren durch Hitze


Die enorme Hitze auf den Kanarischen Inseln hat im vergangenen Sommer 203 Todesopfer gefordert. Warum ein Bewusstsein dafür so wichtig ist.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

203 Menschen sind im vergangenen Jahr auf den Kanarischen Inseln aufgrund von Hitze gestorben. Jeder einzelne dieser Fälle “war vermeidbar”, sagt Pedro Cabrera, Präsident der Ärztekammer von Las Palmas de Gran Canaria.

“Das zeigt, wie wichtig es ist, das Bewusstsein dafür zu schärfen”, fährt der Mediziner fort. Denn nicht nur Kranke und alte Menschen können Opfer eines Hitzetods werden. Insbesondere Kleinkinder seien stark gefährdet.

Für Cabrera steht fest, dass mangelndes Wissen Hauptgrund für Hitzetode, wie zuletzt bei einem Kleinkind, ist. Daher müsse “die Bevölkerung wissen, was es bedeutet und was mitten in einer Hitzewelle zu tun ist”.

Kanaren: 89 Prozent aller Hitzetode auf Teneriffa und Gran Canaria

Nach Inseln sind auf Teneriffa die meisten Todesfälle aufgrund starker Hitze registriert worden. Dort gab es zwischen dem 30. Mai und dem 4. September 100 Todesfälle. Es folgt Gran Canaria mit 81 Hitze-Todesfällen. Damit kommen die beiden zentralen Inseln auf 89 Prozent aller Todesfälle durch extreme Hitze – auch da sie am stärksten bewohnt sind.

Zudem wurden acht Todesfälle durch Hitze auf Lanzarote mit La Graciosa, sechs auf La Palma, fünf auf Fuerteventura und drei auf La Gomera registriert. Nur auf El Hierro gab es im vergangenen Jahr keinen hitzebedingten Todesfall.

Hitze-Tode: Warum die Kanaren weniger betroffen sind als das Festland

Die Zahlen erscheinen im Artikel “Hitzebedingte Sterblichkeit in Europa im Sommer 2022”. Veröffentlicht wurde der Beitrag im Fachmagazin “Nature Medicine”. Untersucht wurde darin die hitzebedingte Sterblichkeit in 35 Ländern Europas. Insgesamt gab es dort 61.672 Todesfälle. Davon entfielen 11.324 auf Spanien. Das Land hat damit die zweithöchste Hitze-Sterblichkeit nach Italien.

“Die Sterblichkeit ist auf den Kanarischen Inseln viel geringer als auf der Halbinsel”, sagt Cabrera. Dies gelte auch im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte. Der Mediziner führt das vor allem auf die Tatsache zurück, dass der Großteil der kanarischen Bevölkerung in den Nordteilen der Inseln wohne.

“Wenn wir alle in Tirajana leben würden, hätten wir die gleiche Sterblichkeit”, sagt Cabrera. Dort war in der jüngsten Hitzewelle die höchste Temperatur des gesamten Archipels vorhergesagt worden.

Ab wann wird Hitze für Menschen gefährlich?

Dennoch sei ein stärkeres Bewusstsein für diese Gefahr wichtig, sagt der Präsident der medizinischen Fakultät. Insbesondere wenn, wie in verschiedenen Hitzewellen im Sommer, in einigen Gegenden Temperaturen von mehr als 40 Grad erwartet werden. “Dem wird keine ausreichende Bedeutung beigemessen. Doch es ist ein sehr wichtiges Thema.”

Denn bereits ab 35 Grad kann Hitze gefährlich werden. Der genaue Punkt “ist variabel”, sagt Cabrera. Bei hoher Luftfeuchtigkeit genügt bereits weniger Wärme. Das liegt an der Art, wie sich der menschliche Körper abkühlt.

Sobald der Körper zu überhitzen droht, beginnt er damit, zu schwitzen. Durch das Verdunsten der Flüssigkeit auf der Haut, entsteht ein kühlender Effekt. Doch das ändert sich ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent.

“Wenn wir eine höhere Luftfeuchtigkeit haben, verdunstet der Schweiß kaum noch und das Schwitzen wird ineffizient”, sagt der Mediziner. Aus diesem Grund wird feuchte Hitze auch anders wahrgenommen als trockene Hitze.

Kanaren-Arzt erklärt: Es gibt zwei Arten von Tod durch Hitze

Pedro Cabrera sagt, es gebe grundsätzlich “zwei Arten eines Hitzetods”. In neun von zehn Fällen tritt dieser “bei Risikopatienten oder in gefährdeten Bevölkerungsgruppen auf”. Dies liege “grundsätzlich in den extremen Lebensaltern: In der frühen Kindheit, wie zum Beispiel beim Tod eines Kindes vor ein paar Tagen in einem Auto.”

Sowohl Kinder in solchen Extremsituationen als auch ältere Menschen seien besonders gefährdet. Doch auch chronisch kranke Menschen, hauptsächlich bei Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen oder stark übergewichtige Menschen und Schwangere seien Teil der Risikogruppe. Und Personen, die Alkohol und andere Drogen bei enormer Hitze konsumieren. 90 Prozent aller Todesfälle durch Hitze fielen in dieses Raster.

Die anderen zehn Prozent sterben an einem sogenannten “Hitzschlag”, sagt der Mediziner. Dies passiere auch gesunden Menschen, “die übermäßiger Hitze ausgesetzt sind. Wie Landwirte”. Einige von ihnen seien auf dem Festland zuletzt bei der Arbeit gestorben.

Erreicht der Körper eine Temperatur von 40,5 Grad Celsius, treten Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems auf. Die Folge sind Schwindel, Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Sprechen. “Wenn wir eine solche Person sehen, handelt es sich um einen medizinischen Notfall ersten Grades”, sagt Cabrera. Der “Hitzschlag ist dann bereits eingetreten.”

Kanaren-Hitze: Jeder zweite Mensch mit Hitzschlag stirbt

Laut dem Arzt gebe es “drei Phasen. Und wenn man in die zweite und dritte Phase eintritt, beginnen die inneren Organe des Körpers, zu versagen” Laut Cabrera würden mehr als die Hälfte der Betroffenen diesen Hitzschlag nicht überleben.

Daher sei Aufklärung das einzige Mittel. Bei besonders hohen Temperaturen, wie sie seit wenigen Jahren immer normaler werden, sollten Menschen mindestens die Mittagshitze meiden, den Schatten suchen, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und die Luftfeuchtigkeit im Auge halten. Zudem sei es wichtig, auf typische Symptome zu achten und rechtzeitig kühle Umgebungen zu suchen.

Wie sich das Wetter genau entwickelt, sehen Sie in unserer stets aktuellen Wettervorhersage für die Kanarischen Inseln. Nachfolgend geht es direkt zum…


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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