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Neue EU-Vorgabe gefährdet Kanaren-Fischerei

Eine neue Regelung aus Brüssel bringt die Fischer der Kanarischen Inseln auf die Palme. Was die EU künftig fordert.

Von Thomas Koch – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Eine neue EU‑Kontrollverordnung soll illegale Fischerei eindämmen. Auf den Kanaren jedoch sorgt sie für Unverständnis und Protest. Die Fischergilden der Kanarischen Inseln warnen, dass die Vorgaben völlig an der Realität der lokalen Fischerei vorbeigehen und ein Problem adressieren, das es auf den Kanaren gar nicht gibt.

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Pflicht, die Rückkehr eines Bootes spätestens vier Stunden vor dem Einlaufen in den Hafen zu melden. Was für große Hochseeflotten sinnvoll erscheinen mag, führt auf den Kanaren zu Situationen, die die Fischer als nicht praktikabel beschreiben.

Die meisten Boote der Inseln sind klein, sechs bis acht Meter lang. Darauf kann der Fang nicht gekühlt werden. Zudem verbringen sie nur wenige Stunden auf See. Viele Ausfahrten sind kürzer als der vorgeschriebene Anmeldevorlauf der Rückkehr. Viele Fischer könnten also gar nicht mehr auslaufen oder müssten auf See bleiben, um dort auf ihren Rückkehr-Slot zu warten.

Kanaren-Fischer kritisieren die EU

Wenn Fischer auf den Kanaren ihre Reusen einholen und sich darin empfindlicher Fang befindet, beispielsweise Camarones, müssen sie schnell zurück zum Hafen. Ohne Kühlung und ohne Schatten beginnt der Fang nach kurzer Zeit zu verderben. Doch die neue Regelung zwingt sie dazu, mehrere Stunden auf See zu verweilen, nur um die Meldefrist einzuhalten. Aus Sicht der Gilden führt das zu einer Situation, in der die Qualität des Fangs gefährdet wird. Das führe zu wirtschaftlichen Verlusten.

Zusätzlich verlangt die EU‑Verordnung, dass jedes Fanggewicht gemeldet werden muss. Diese Pflicht zur „Erfassung ab dem ersten Gramm“ erhöht nach Ansicht der Fischer den bürokratischen Aufwand erheblich und führt zu weiterer Rechtsunsicherheit, da selbst minimale Beifänge und Kleinstmengen dokumentiert werden müssen.

Viele Kanaren-Häfen erfüllen neue EU-Vorgaben nicht

Hinzu kommt die fehlende Infrastruktur in vielen kleinen Häfen der Kanarischen Inseln. Nicht jeder Hafen verfügt über eine durchgehende Funkabdeckung, digitale Meldesysteme oder Personal, das rund um die Uhr erreichbar ist.

Die EU‑Regelung setzt ein Kontrollsystem voraus, das in der Realität vieler Küstengemeinden schlicht nicht existiert. Die Fischer warnen, dass dadurch nicht nur Bürokratie entsteht, sondern auch Unsicherheit: Wer eine Meldung nicht rechtzeitig abgeben kann, riskiert Sanktionen sogar dann, wenn der Fang legal und die Ausfahrt ordnungsgemäß war.

Die Gilden betonen zudem, dass illegale Fischerei auf den Kanaren kein strukturelles Problem darstelle. Die lokalen Flotten würden seit Jahren streng kontrolliert, Verstöße seien selten. Große Trawler, die tagelang auf See sind und tatsächlich ein höheres Risiko für ungemeldete Fänge darstellen können, melden sich schon aus organisatorischen Gründen ohnehin rechtzeitig an. Die neue Meldepflicht schafft daher keine zusätzliche Sicherheit, sondern trifft vor allem jene, die am wenigsten Anlass zur Überwachung geben.

Aus Sicht der Fischergilden auf den Kanaren löst die EU damit ein nicht vorhandenes Problem und schafft gleichzeitig ein neues: die Gefährdung einer kleinteiligen, regional verankerten Fischereikultur, die seit Generationen mit begrenzten Fangmengen und enger Bindung an die Küste arbeitet. Die Regelung wird als Beispiel für eine Politik gesehen, die zentrale Vorgaben durchsetzt, ohne regionale Besonderheiten ausreichend zu berücksichtigen.

Kanaren-Fischer streiken wegen EU-Verordnung

Am Montag haben die kanarischen Cofradías gestreikt. Kein einziges Boot sollte auslaufen. Der gemeinsame Ausfahrtsstopp sollte ein Signal an Madrid und Brüssel senden: Die neue Verordnung ist aus Sicht der Fischer nicht nur unpraktikabel, sondern gefährdet unmittelbar die wirtschaftliche Existenz vieler Fischereifamilien. Die Aktion fiel dabei bewusst auf den Zeitpunkt einer Sitzung in Madrid, bei der Vertreter des Sektors ihre Kritik vortragen wollten.

Fischereiexperten auf den Kanaren fürchten, dass die Kluft zwischen europäischer Regulierung und lokaler Praxis weiter wächst. Eine differenzierte Fischereipolitik müsse die spezifischen Bedingungen der Kanaren anerkennen: kurze Ausfahrten, fehlende Kühlung, empfindliche Fänge und eine Infrastruktur, die nicht mit großen europäischen Häfen vergleichbar ist.


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Über den Autor

Neue EU-Vorgabe gefährdet Kanaren-Fischerei

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Thomas Koch

Thomas Koch ist seit mehr als 50 Jahren Fotograf. Für Teneriffa News ist er mit der Kamera, aber auch mit Block und Stift unterwegs. Zum Autorenprofil von Thomas Koch.

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