Nur 11,8 Prozent der Patienten ergattern innerhalb von 24 Stunden einen Hausarzttermin. Der Rest wartet im Schnitt 8,7 Tage und damit einen Tag länger als im Vorjahr. Diese Zahlen nennt die erste Welle des Gesundheitsbarometers, das vom spanischen Gesundheitsministerium zusammen mit dem staatlichen spanischen Forschungsinstitut mit Sitz in Madrid (CIS) erstellt wird.
Die Wartezeit auf einen Hausarzttermin markiert damit einen Rekordwert. Sie hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Damals lag die Verzögerung noch bei 3,5 Tagen. Die Umfrage stützt sich auf 2602 Interviews in ganz Spanien, davon 104 auf den Kanaren, geführt im März 2026.
Die Bewertung des öffentlichen Gesundheitswesens fiel entsprechend aus: 5,8 von 10 Punkten vergaben die Befragten, der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Fast die Hälfte der Kanarios, 49,4 Prozent, hält grundlegende Veränderungen für nötig oder wünscht sich das System vollständig neu aufgebaut. Noch schwerer wiegt die Zahl aus derselben Erhebung zu Facharztterminen.
Kanaren: Fünfeinhalb Monate Wartezeit auf den Facharzt
Auf den Kanaren warten derzeit mehr als 143.700 Menschen auf einen Termin bei einem Facharzt. Die durchschnittliche Wartezeit dafür beträgt 162 Tage, umgerechnet rund fünfeinhalb Monate. Es ist die längste Verzögerung in ganz Spanien. Mehr als 5500 Überweisungsanfragen von Patienten warten bereits in der Urologie des Hospital Universitario de Canarias (HUC) auf Bearbeitung.
Die langen Zeiten schlagen auf das Vertrauen in die öffentliche Versorgung durch. Beim Hausarzt oder Kinderarzt sank der Anteil derer, die das öffentliche System bevorzugen, binnen eines Jahres von 68 auf 62 Prozent. Der Anteil, der die private Versorgung wählt, stieg im selben Zeitraum von 27,9 auf 32,1 Prozent. Für den Facharzt würden nur noch 49 Prozent im öffentlichen System warten, der niedrigste Wert Spaniens. 49,3 Prozent wären bereit, für einen schnelleren Facharzt-Termin privat zu bezahlen.
Gesundheitskrise auf den Kanaren: Notaufnahmen und Streik als Hintergrund
Im Notfall bevorzugen 62,1 Prozent der Kanarios öffentliche Krankenhäuser oder Gesundheitszentren, ein seit drei Jahren fallender Wert. 35,3 Prozent würden dagegen eher eine private Notaufnahme aufsuchen, der höchste Anteil in ganz Spanien. In der Praxis mussten 24 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben mehr als eine Stunde über die vereinbarte Uhrzeit hinaus warten.
Die Wartezeiten treffen auf ein Gesundheitswesen unter Druck. Wegen des laufenden Ärztestreiks auf den Kanaren wurden nach Angaben des SCS-Direktors Adasat Goya bereits mehr als 45.000 Termine abgesagt sowie 1200 Operationen verschoben oder gestrichen. Auf der OP-Warteliste standen im Dezember 2025 laut dem Statistikamt Istac 32.131 Menschen, ein Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Kanaren: Verbesserungen bei Arztterminen nur zögerlich
Die Wahrnehmung der Bevölkerung folgt den Verbesserungen nur zögerlich: Nur 10,5 Prozent der Insulaner nehmen bei den Wartelisten eine gewisse Besserung wahr, obwohl diese sich laut den quantitativen Daten binnen eines Jahres um 817 Personen und 16 Tage verkürzt haben. 38,1 Prozent empfinden die Lage schlechter als zuvor, fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 45,3 Prozent sehen keine Veränderung.
Das Gesundheitsministerium mahnt zur Vorsicht bei der Deutung. Die Zahlen stammen erst aus der ersten von drei geplanten Erhebungswellen, mit denen die repräsentative Stichprobe vervollständigt werden soll. Die endgültige Bewertung folgt nach Abschluss aller Wellen.














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