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Bis zu 40 Prozent von Teneriffas Trinkwasser versickern im Boden


Undichte Leitungen sorgen auf Teneriffa für bis zu 40 Prozent des Wasser-"Verbrauchs". Was der Geschäftsführer des Wasserrats der Kanaren-Insel dazu - und zur touristischen Wassernutzung sagt.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 3 Minuten

Für Javier Davara steht fest: Touristen haben mit dem Dürre-Problem auf Teneriffa wenig zu tun. Die Verantwortung liege an einer ganz anderen Stelle: Der Geschäftsführer des Consejo Insular de Aguas (CIATF), also des Wasserrats der Kanaren-Insel, sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Infrastruktur.

Laut Davara verbrauchen Touristen nur etwa zehn Prozent des auf Teneriffa produzierten Wassers. Hauptabnehmer ist der Agrarsektor mit 43 Prozent. Knapp dahinter folgt bereits ein anderer Aspekt. Denn laut Wasserbehörde verschwinden bis zu 40 von 100 Litern Wasser – unter anderem durch undichte Leitungen – im Boden.

Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben hingegen kaum zur Verbesserung der Dürre-Situation beigetragen. Davara bestätigte die Angaben der Regierung, nach denen die Stauseen trotz des Regens nur unwesentlich mehr Wasser führen als Ende Februar. Allerdings sieht er beim Thema Wasserverlust deutlich größere Hebel als sich die Kanaren-Politik eingestehen will.

Zu viel Trinkwasser versickert auf Teneriffa einfach im Boden

Valentín González ist auf Teneriffa für den Primärsektor zuständig. Der Politiker betonte im März ebenfalls, dass der Tourismus vergleichsweise wenig Trinkwasser verbrauche. Allerdings gab González an, dass sich Urlaubssektor und Verbrauch durch Wasserverlust in etwa die Waage hielten.

Davara sieht das gegenüber Prensa Iberica anders. Er spricht von rund zehn Prozent touristischen Verbrauchs, während die Verluste bis zu 40 Prozent erreichen. Und auch dabei lohnt ein genauer Blick. Denn laut Davara seien die öffentliche Netze besonders marode.

Wasserverluste auf Teneriffa: Öffentliches Netz ist besonders marode

Während Gemeinden, die an einem privatisierten Wassernetz hängen, nur etwa 20 Prozent Leitungsverluste aufweisen, erreichen die öffentlichen Netze bis zu 40 Prozent. 18 Gemeinden mit privatisiertem Anschluss stehen 13 mit öffentlicher Versorgung gegenüber.

Entsprechend sieht der CIATF-Geschäftsführer deutliches Einsparpotenzial. Zwar sei es nahezu unmöglich, eine Versorgung ganz ohne Wasserverluste zu gewährleisten. Doch die Branche schaffe es andernorts, die Verluste auf zehn Prozent zu senken.

Teneriffa nutzt vor allem Grundwasser

Während die Dürre insbesondere in den Stauseen sichtbar wird, hängt Teneriffas Verbrauch vor allem am Grundwasser. Bis zu drei Viertel des benötigten Wassers werden aus Stollen und Brunnen gewonnen. Entsprechend wird auch in Zukunft verstärkt auf diese Quellen gesetzt.

Allerdings weist Grundwasser in der Regel höhere Konzentrationen von Natrium oder Fluor auf. Das liegt am Vulkangestein der Kanaren-Insel. Entsprechend muss es behandelt werden, bevor es in den Verbrauch gehen kann.

Gleiches gilt für Meerwasser. Dessen Entsalzung ist auf Teneriffa seit mehr als 20 Jahren normal. Und die Kosten hängen signifikant an den Energiepreisen. Auch wenn in diesem Jahr mehr als die Hälfte und 2025 die gesamte benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen kommen soll, ist die Förderung unterm Strich teuer.

Auf der anderen Seite gilt Grundwasser als noch kostspieliger. Denn entsalztes Meerwasser sorgt im Durchschnitt für geringere Kosten als zunächst gefördertes und dann nochmals nachbehandeltes Grundwasser. Dafür fallen bei der Meerwasserentsalzung deutlich mehr Abfallstoffe an. Bisher landet diese Lake wieder im Meer.

Teneriffas Stauseen laufen langsam leer

Damit bleibt aufgefangenes Regenwasser die umweltverträglichste Quelle. Und die Seen weisen nach den jüngsten Regenfällen nur etwa sechs Prozent mehr Füllstand auf als zuvor. Am 1. April 2023 lag dieser bei 67,4 Prozent. Ein Jahr später, in der vergangenen Woche, erreichte er grade mal 46,7 Prozent.

Der von der Regional-Regierung ausgerufene Wassernotstand bleibt also vorerst bestehen. Politisch werde angestrebt, anfallendes Abwasser besser zu reinigen und zu verwerten, um zumindest Teile des Bedarfs effizienter abzudecken.

“Durch den Bau und die Erweiterung von zehn Kläranlagen sowie den Einsatz neuer Technologien ist es möglich, das gereinigte Abwasser, das bisher ins Meer geleitet wird, sicher und mit einer garantierten agronomischen Qualität zu nutzen”, sagt Davara. Heißt: Die Landwirtschaft könnte mit Brauchwasser direkt aus den Kläranlagen bedient werden. Und das für nur etwa die Hälfte der Kosten, die für entsalztes oder Grundwasser entstehen.

Wasserversorgung auf Teneriffa ist wohl gesichert

Die größte Einsparmöglichkeit bleibt unterdessen die Abdichtung von Lecks. Dafür wären umfangreiche Maßnahmen nötig. Davara betont das Optimierungspotenzial auf Teneriffa. Auch seitens des CIATF arbeite man an einem Plan zur Beseitigung von Leckagen.

Davara zeigt sich optimistisch, dass sowohl Löcher beseitigt als auch Kosten gesenkt werden können. Mit Blick auf den Sommer sieht der CITAF-Chef dennoch örtliche Wasserknappheit. In einigen Gebieten könne es zu Engpässen kommen. Mit flächendeckenden Ausfällen sei allerdings ausdrücklich nicht zu rechnen.


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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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