Die Staatsanwaltschaft hat den obersten kanarischen Küstenschutzbeamten Antonio Manuel Acosta Felipe ins Visier genommen. Der Generaldirektor für Küsten und Management des Meeresraums der Kanarischen Inseln muss im September als Beschuldigter vor dem Instanzgericht in Arona aussagen. Acosta gehört der Coalición Canaria an.
Die Vorladung geht auf eine Verfügung von Richterin Sandra Peraza San Nicolás zurück. Die Magistratin erließ das Schriftstück am 8. Juli. Bereits im April hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, Acosta als Beschuldigten zu führen.
Der Vorwurf betrifft eine Baugenehmigung im Puertito de Adeje im Süden Teneriffas. Acosta soll die Bebauung der küstennahen Schutzzone mit einem Restaurant, einem Swimmingpool und einem Parkplatz erlaubt haben, obwohl es sich um öffentlichen Küstenraum handelt. Filip Andreas Hoste beantragte das Vorhaben für die Gesellschaft Segunda Casa Adeje, S.L. Es ist Teil der umstrittenen Tourismusanlage Cuna del Alma, die als ein Grund für die Anti-Massentourismus-Bewegung auf den Kanaren gilt.
Küstenschutz-Streit auf den Kanaren
Auf dem betroffenen Grundstück steht das Lager der Familie Galindo, eine ehemalige Tomatenpackerei direkt am Strand. Es soll für das Projekt enteignet werden, damit dort ein Strandklub entstehen kann. Das Enteignungsverfahren gilt als besonders strittig, da die vorgesehene Entschädigung als äußerst gering angesehen wird.
Im Juni des Vorjahres erstatteten mehrere Naturschutz-Verbände Anzeige und forderten die sofortige Aussetzung des gesamten Projekts. Die Anzeige listet acht mutmaßliche Straftaten auf, darunter auch Amtsmissbrauch, Einflussnahme, Urkundenfälschung und Delikte gegen Naturerbe und Umwelt.
Bau in Schutzgebiet auf Teneriffa: Richterin lehnt Baustopp ab
Die Richterin wies den beantragten vorläufigen Baustopp für das gesamte Projekt zurück. Das Verfahren betreffe nur die in der Schutzzone genehmigten Arbeiten, einen kleinen Teil der geplanten Luxusanlage, wo die Bauarbeiten ohnehin bereits ausgesetzt worden seien. Ein Sachverständigengutachten schätzt, dass die Bauarbeiten von Cuna del Alma bereits zwei Drittel des Puertito de Adeje beschädigt hätten.
Die klagenden Parteien äußerten ihre Sorge über den Baufortschritt. „Wir können unsere tiefe Besorgnis nicht verbergen, dass die Arbeiten in großem Tempo weitergehen, während die gerichtliche Untersuchung noch läuft“, hieß es seitens der Kläger. Jeder vergehende Tag setze die Zerstörung von Umwelt-, archäologischen und geologischen Werten fort, deren Schutz eigentlich Gegenstand des Verfahrens sei.
Dass sich der Prozess bereits seit Monaten hinzieht und die jüngste Vorladung erst im September greift, liegt auch an der hohen Verfahrensquote auf den Kanarischen Inseln: Dort gingen im vierten Quartal 2025 laut dem Statistikamt ISTAC 101.506 neue Gerichtsverfahren ein.
















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