Der Sommer steht in den Startlöchern und auf Gran Canaria startet die Badesaison. Doch dem „Roten Kreuz“ laufen die Rettungsschwimmer davon. Ersatz kann sich auch ohne Nachweis von Erfahrung bewerben. Darin sehen Experten ein gefährliches Spiel.
Im April quittierten gleich mehrere der Bademeister ihren Dienst an den Stränden von Las Palmas de Gran Canaria. Der Dienstleister „Cruz Roja“ muss Ersatz suchen. Da sich das als schwierig erweist, wurden die Eintrittsbarrieren niedrig angesetzt.
An der Playa de Las Canteras, einem der meistbesuchten Strände der Stadt, fiel zuletzt eine besonders hohe Zahl erfahrener Rettungskräfte weg. Die Gründe sind ebenso nachvollziehbar wie verwunderlich:
Gran Canaria laufen erfahrene Rettungsschwimmer davon
Die Rettungsschwimmer der Kanaren helfen jedes Jahr Hunderten Menschen aus den Fluten. Die aktuellen Abgänge fallen in einen Zeitraum, in dem seit mehr als sechs Monaten Streiks den Betrieb belasten. Hintergrund sind Konflikte um die Arbeitsbedingungen. Löhne von rund 1200 Euro brutto pro Monat und im Gegenzug marode Infrastruktur sowie mangelnde Hygienebedingungen vermiesen vielen Bademeistern den Spaß am Job.
Carlos Más ist einer dieser Rettungsschwimmer. Er berichtet: „Ich habe Leben am selben Strand gerettet, an dem ich aufgewachsen bin.“ Más ist anzumerken, dass er den Schritt wohl überlegt geht. Er sagt dazu: „Ich verlasse den Strand, als größten Akt der Selbstliebe in meinem Leben.“
Der Rettungsschwimmer zieht Bilanz. Viele Einsätze, bei denen er sich selbst verletzte oder in Gefahr brachte gehörten zu einem Leben in diesem Job. Más sagt: „Ich habe es für die Liebe zum Job getan, aber Liebe zahlt keine Rechnungen oder stellt die Würde wieder her.“
Die sei verloren gegangen, als „Kakerlaken in der Mikrowelle“ aufkamen oder der Geruch von „Urin den Arbeitsplatz“ belastete. Unterm Strich gehe es um „unmenschliche Bedingungen“ und dadurch eine „stille Vertreibung“ aus dem Beruf.
Rettungsschwimmer auf Gran Canaria schlecht ausgebildet?
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Die Gewerkschaft „USIC“ ergänzt, dass die technischen Bedingungen unzureichend seien. Sprecher David Molina hat den Schritt, den Más nun geht, bereits hinter sich. Er sagt, dass viele Nachrücker unzureichend ausgebildet seien und nicht über alle benötigten Lizenzen verfügen, beispielsweise als Schiffsführer. Molina verließ seinen Arbeitgeber nach einem Rechtsstreit. Er spricht von Mobbing und Behinderung der Gewerkschaft.
Im Rathaus der Hauptstadt Gran Canarias sieht man das hingegen ganz anders. Der in Las Palmas zuständige Pedro Quevedo sagte bereits im September, dass es keine größeren Probleme gebe. Das „Cruz Roja“ sei ein privater Dienstleister, in dessen Angelegenheiten sich die Stadt nicht einmische. Trotz Berichten über baufällige Rettungstürme, marode sanitäre Einrichtungen und anhaltende Streiks sieht die Stadt alle Sicherheitsstandards als erfüllt an.
360 Rettungseinsätze in Las Palmas de Gran Canaria pro Jahr
Erfahrene Rettungsschwimmer und Gewerkschaften verweisen auf die Strömungen vor den Stränden der Kanaren. Erfahrung sei bei 360 Rettungseinsätzen und mehr als 500 medizinischen Behandlungen pro Jahr essentiell. Die Stellengesuche verlangen von Nachrückern dennoch keine explizite Berufserfahrung.
Wie die Sicherheit an de Stränden der Hauptstadt ohne Erfahrung gewährleistet werden soll, ist Más und Molina ein Rätsel. Die Stadtverwaltung sieht die Besucher ihrer beliebtesten Strände unterdessen nicht in Gefahr.














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„Unmenschlich“: Gran Canaria laufen die Rettungsschwimmer davon
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