Für viele Urlauber ist eine Strandsperrung eine Art Empfehlung. Ein Hinweis, den man zu Kenntnis, jedoch nicht unbedingt ernst nimmt. Gestern war der Atlantik wild, heute liegt er ruhig da, also muss das Schild veraltet sein. Ein Überbleibsel des Sturms, das einfach noch nicht weggeräumt wurde.
Diese Interpretation ist bequem, doch sie ist falsch. Und sie ignoriert eine Gefahr, die von der Oberfläche aus nicht sichtbar ist. Eine Strandsperrung hat nicht immer etwas mit hohen Wellen oder Strömungen zu tun. Es gibt Situationen, in denen das Meer äußerlich harmlos wirkt, die Sonne scheint und die Bedingungen perfekt aussehen.
Dennoch bleibt der Strand geschlossen. Der Grund dafür kann ein Organismus sein, der aussieht wie eine weggeworfene Plastiktüte im Wasser:
Eine stille Gefahr des Atlantiks vor den Kanaren
Die Portugiesische Galeere ist keine Qualle, sondern eine Kolonie aus spezialisierten Einzelorganismen. Ihr Gift ist stark genug, um selbst im getrockneten Zustand noch gefährlich zu sein. Die Tentakel können mehrere Meter lang werden und ihre Nesselzellen funktionieren wie mikroskopisch kleine Harpunen: Sie dringen bei Kontakt in die Haut ein und injizieren ein starkes Toxin.
Das führt zu heftigen Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und teils tiefgehenden Hautreaktionen. Für Menschen mit einer entsprechenden Überempfindlichkeit kann der Kontakt schwerwiegende Folgen haben, bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen.
Nach stürmischen Tagen, wenn das Meer sich beruhigt hat, werden diese Organismen häufig an die Küsten gespült. Die Gefahr beginnt also oft erst dann, wenn der Atlantik wieder friedlich aussieht. Und sie liegt nicht nur im Wasser, sondern auch am Strand: Selbst abgerissene, ausgetrocknete Tentakel können noch aktiv sein.
Strand-Sperrungen auf den Kanaren sind keine Empfehlung
Touristen wissen das nicht. Sie sehen ruhiges Wasser und schließen daraus, dass die Sperrung übertrieben oder veraltet ist. Dass die Behörden den Strand vielleicht wegen eines hochgiftigen Organismus gesperrt lassen, der schlecht sichtbar an der Oberfläche treibt oder bereits am Ufer liegt, kommt ihnen nicht in den Sinn. Die Gefahr ist nicht spektakulär. Sie ist nicht laut. Sie ist einfach da.
Auch ein anderer Punkt gerät leicht aus dem Blick: Nicht jede Sperrung hat überhaupt etwas mit dem Meer zu tun. An vielen Stränden der Kanaren verlaufen steile Klippen direkt hinter dem Strand. Nach Regen, Hitzeperioden oder ganz ohne erkennbaren Anlass können sich dort Felsbrocken lösen. Ein einziger herabfallender Stein kann ausreichen, um tödlich zu sein. Wenn die Behörden einen Strand wegen Steinschlaggefahr schließen, dann nicht aus Vorsicht, sondern weil die Gefahr real ist, auch wenn sie für Besucher unsichtbar bleibt.
Und noch etwas wird oft übersehen: Die Kanaren leben vom Tourismus. Jeder Kanario weiß das. Die Behörden wissen es erst recht. Niemand hier sperrt einen Strand aus Bequemlichkeit, niemand will den Urlaubern mutwillig den Badespaß verderben.
Eine Sperrung bedeutet nicht Schlendrian, sondern Verantwortung. Sie bedeutet: Hier gibt es etwas, das Sie nicht sehen und nicht einschätzen können. Entsprechend sind Strandsperrungen keine Dekoration und auch keine Empfehlung. Sie sind eine Entscheidung, die getroffen wurde, um Menschen zu schützen, auch jene, die glauben, sie bräuchten diesen Schutz nicht.















Leserkommentare zu:
Ruhiges Meer, gesperrter Strand: Was Kanaren-Touristen oft nicht wissen
Danke für dieses eindringliche Statement! Ich habe es bereits im Freundeskreis gestreut.
Fröhliche Ostern wünsche ich Ihnen allen trotz der schlechten Nachrichten über eine hohe Anzahl an Todesfällen.
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