Besonders Meeresschildkröten leiden unter Fischerei-Abfällen. Doch rund um die Kanaren gefährden die alten Netze und Taue auch Wale und Delfine. Eine Studie zeigt, woher der Müll stammt, der die Tiere in den geschützten Meeresgebieten vor den Kanarischen Inseln gefährdet.
Das „Marine Pollution Bulletin“ untersucht die Verschmutzung der Meere. Eine in dem Magazin veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass Fischernetze, Taue und ähnliche Materialien über Meeresströmungen und Wind bis in die Meeres-Schutzgebiete der Kanaren treiben.
Die Macher der Erhebung untersuchten dazu drei Bereiche: das Gebiet Teno-Rasca vor Teneriffa, die Meereszone von Mogán vor Gran Canaria und Los Sebadales de Corralejo vor Fuerteventura. Alle drei Areale dienen dem Erhalt der Artenvielfalt, werden jedoch zugleich überdurchschnittlich stark von Abfall belastet. Und viel Müll stammt nicht von den Inseln selbst, wie die Untersuchung zeigt:
Fischerei-Müll gefährdet Meer vor den Kanaren
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Netze und weiteren Materialien vor allem aus dem nordwestafrikanischen Raum bis zu den Kanarischen Inseln treiben. Und die Belastung variiert dabei nach Inseln.
Fuerteventura ist demnach am stärksten betroffen: In Herbst- und Wintermonaten zeigten Simulationsmodelle, dass bis zu 98 Prozent der ankommenden Abfallströme vor allem mit Nordwestafrika in Verbindung stehen. Auf Gran Canaria steigt der Anteil externer Abfallquellen im Herbst auf knapp 52 Prozent, im Sommer liegt er laut Modellrechnungen bei null.
Für Teneriffa spielt hingegen die lokale Verschmutzung eine Rolle: Dort verbleiben mehr Abfälle aus dem eigenen Umfeld in den umliegenden Gewässern.
Meeresschildkröten besonders von Fischereiabfällen betroffen
Die Auswirkungen belasten insbesondere Meeresschildkröten vor den Kanarischen Inseln. Diese leiden aufgrund ihrer Bewegungsmuster verstärkt unter Hinterlassenschaften der Fischerei.
45 Prozent der dokumentierten ungewollten Verstrickungen in alten Netzen betrafen Schildkröten, bei Walen und Delfinen lag der Anteil bei 15 Prozent. Bei Meeressäugern sind die Gefahren anders gelagert. Dort gelten Beifang und Kollisionen mit Schiffen als Hauptprobleme.
Nicht alle Abfälle wirken dabei gleichermaßen schädlich. Fischereibezogene Materialien sind laut Studie besonders gefährlich, da sie zum Fang von Tieren unter der Wasseroberfläche konzipiert sind. Form, Haltbarkeit und lange Verweildauer im Wasser verstärken die Gefahren für die Tiere.
Fischereiabfälle: Keine Kanaren-spezifisches Herausforderung
Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass sich das Problem nicht allein durch lokale Beseitigung lösen lässt. Meeresströmungen, Wind und internationale Fischereiaktivität erschweren die Kontrolle. Schutzgebiete sind damit kaum rein lokal zu schützen.
Auch einfache Küstenreinigungen reichen nach Einschätzung der Forschenden nicht aus. Maßnahmen müssten schon an den Quellen, also global ergriffen werden, um die Artenvielfalt der Weltmeere langfristig zu sichern. Die größte Gefahr entsteht dennoch in den Schutzgebieten, wie sie vor den Kanarischen Inseln liegen, und gefährdeten Arten wie Schildkröten und Walen als Lebensraum dienen.














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Kanaren-Schutzgebiete: Fischernetze aus Afrika bedrohen Schildkröten und Wale
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