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46,2 Grad: Hitzewelle bringt Kanaren 40 Rekorde – und Diskussionen


Die Kanaren haben eine historische Hitzewelle mit gleich 40 Rekorden überstanden. Einer davon: Die absolute Höchsttemperatur von 46,2 Grad. Wissenschaftler interpretieren das unterschiedlich.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

Die Hitzewelle verabschiedet sich von den Kanarischen Inseln. Was sie zurück lässt, sind 40 Rekorde. Und ratlose Meteorologen. Für einige der Phänomene müssen neue Namen gefunden werden. Oder neue Obergrenzen.

Die Extrem-Temperaturen der vergangenen Tage haben an den Mess-Stationen für 21 neue Höchstwerte gesorgt. Hinzu kommen 19 Tiefstwerte, die nie zuvor so hoch lagen wie diesmal.

Wissenschaftler auf den Kanaren sind sich uneinig. Während einer die Hitzewelle auf den Klimawandel zurück führt, ist sich ein anderer sicher, dass die Hitzewelle nichts damit zu tun hat. Einig sind sie sich dennoch in einem entscheidenden Punkt.

Mehr als 40 Hitze-Rekorde auf den Kanaren

Abel López ist Geograph am Lehrstuhl für Katastrophenrisiken und resiliente Städte an der Universität La Laguna (ULL). Er sagt, dass Hitzewellen auf den Kanarischen Inseln zunehmen – “sowohl in ihrer Dauer als auch in ihrer Intensität”. Victor Quintero ist Delegierter des spanischen Wetteramts Aemet. Er schränkt diese These ein.

Laut Quintero seien Hitzewellen wie die jüngste nicht direkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Sie würden nicht durch die globale Erwärmung ausgelöst. Für den Meteorologen steht fest: Hitzewellen gehören zu den zahlreichen meteorologischen Phänomenen, denen die Kanarischen Inseln natürlicherweise ausgesetzt sind.

Kanaren: El Hierro meldet Hitze-Rekord von 46,2 Grad

Allerdings sind sich beide Forscher in einem Punkt einig: Quintero fügt an: “Es stimmt aber, dass die größere Häufigkeit und Intensität, mit der sie auftreten, ein Produkt des Klimawandels sind.” Ein Beleg dafür seien die 40 historischen Rekorde der jüngsten 40 Jahre.

Einer davon liegt in den 46,2 Grad, die in Tacorón auf El Hierro gemessen wurden. Die Wetterstation liegt 98 Meter vom Meer entfernt. Ihren Höchstwert zeigten die Messgeräte dort am Samstag an. Der Rekord an dieser Station hatte 2021 noch bei 44,7 Grad gelegen. Schon am Freitag war er mit 45,9 Grad eingestellt und dann am Samstag nochmals übertroffen worden.

Gran Canaria stellt Rekord bei der Durchschnittstemperatur auf

Grund für die enorme Hitze ist auch die Orografie der Region. Die heißen Luftmassen verbleiben daher in der Umgebung, anstatt sich zu verteilen. Ähnlich ist das auch in Tasarte auf Gran Canaria. An diesem Ort wurde in der jüngsten Hitzewelle zwar kein absoluter Temperaturrekord aufgestellt, dafür jedoch einer bei der durchschnittlichen Temperatur.

Diese lag bei 40,2 Grad. Denn das Maximum von 45,8 Grad konnte durch die niedrigste Temperatur von 34,6 Grad kaum abgekühlt werden. “Das ist die höchste Durchschnittstemperatur in der Geschichte der Kanarischen Inseln”, sagt Meteorologe Quintero.

“Wir sind uns noch nicht sicher, aber es könnte die höchste Durchschnittstemperatur sein, die an je einem Tag in ganz Spanien gemessen wurde”, sagte der Experte weiter. Womit er sich hingegen sicher ist: Von den zehn Höchsttemperaturen, die je auf den Kanarischen Inseln gemessen wurden, gab es in dieser Episode gleich fünf.

Meteorologen melden 95 “Glutnächte” und 20 “Höllennächte” auf den Kanaren

Und dazu trugen vor allem die Nächte bei. Denn nach Sonnenuntergang kühlte es sich wie in Tasarte auch in vielen anderen Regionen der Kanarischen Inseln kaum ab. López spricht von “ungewöhnlichen Rekorden bei den Mindesttemperaturen”. Diese Daten sollten seiner Meinung nach “zum Nachdenken anregen”.

Denn schon in den frühen Morgenstunden wurden 95 Mal Temperaturen von mehr als 25 Grad gemessen. Nächte wie diese werden vom Aemet als “Glutnächte” bezeichnet. In 20 der rund 100 Aufzeichnungen lagen die Werte bei mehr als 30 Grad, womit sie als “Höllennacht” bezeichnet werden.

Temperaturen sinken auf Gran Canaria nicht unter 35 Grad

In Aufzeichnungen an der Station in San Bartolomé de Tirajana wurden an zwei aufeinanderfolgenden Nächten sogar durchgehend mehr als 35 Grad gemessen. Für Phänomene wie dieses gibt es beim Aemet bislang keine Bezeichnung.

Da die Vorstufe bereits einen martialischen Namen trägt, brachte Rubén del Campo, ebenfalls beim Aemet beschäftigt, am Wochenende eine andere Idee auf: In Sozialen Netzwerken sprach der Meteorologe davon, die Werte zu verschieben. Mit Blick auf die Häufigkeit jüngster Hitzewellen sei es ratsam, sich auf andere Grenzwerte zu einigen.

67 Prozent mehr Hitzewellen auf den Kanarischen Inseln

Die Grenzwerte für Alarmstufe Rot wegen Hitze sind festgelegt. Damit gibt es keinen Ermessensspielraum. Und in dieser Wetter-Episode gab es auf gleich sechs Inseln parallel einen Roten Alarm wegen Hitze. Hinzu kommen die Rekorde bei Durchschnitts- und Höchsttemperaturen. Und dann ist da noch die Anzahl der Hitzewellen.

Seit 1976 haben die Kanarischen Inseln, die jüngste eingerechnet, 44 Hitzewellen erlebt. 16 davon gab es im Zeitraum bis 2000, also innerhalb von 24 Jahren. In den darauffolgenden 23 Jahren kamen 28 Hitzewellen hinzu.

Damit gab es in dieser zweiten Hälfte des Mess-Zeitraums rund 75 Prozent mehr Hitzewellen. Für López ist das Grund genug, “sich direkt mit der Bewältigung von Phänomenen dieser Art zu beschäftigen”.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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