Die Blutbank der Kanarischen Inseln hat rund 3500 Plasma-Beutel vernichtet. Der Grund: die nötigen Qualitätsbedingungen bei Lagerung und Verwaltung werden nicht eingehalten. Das entspricht 1050 Litern Plasma und damit einem Drittel der Jahresproduktion. Der sozialistische Abgeordnete Miguel Ángel Pérez del Pino schätzte den Schaden im Plenum des Regionalparlaments auf jährlich 5,5 Millionen Euro.
Der Verlust trifft ein System, das sich ohnehin nicht selbst versorgt. Nur 35 Prozent des benötigten Plasmas stammen aus eigenen Spenden, 65 Prozent müssen importiert werden, vor allem aus den USA und Europa. Die Verarbeitung des lokal gesammelten Bluts kostet 15 Millionen Euro, für den Import kommen knapp 29 Millionen Euro hinzu.
„Wir geben 15 Millionen für die Verarbeitung des hier gesammelten Blutes aus, dazu kommen fast 29 Millionen Euro zusätzlich, um zu kaufen, was uns fehlt. Die Zahl der Spenden ist Jahr für Jahr gesunken, der Aufwand wird also immer größer“, sagte Pérez del Pino im Parlament. Und das hat Konsequenzen für die Versorgung:
Kanaren: Blutplasma-Verlust führt zu 180 verschobenen OPs
Auch die Spenden selbst gehen weiter zurück. In drei Jahren sanken sie um 10,3 Prozent, von 65.942 Beuteln im Jahr 2022 auf zuletzt 59.106. Damit fiel die Zahl erstmals unter die Schwelle von 60.000 Spenden. In den vergangenen zwei Jahren mussten deshalb mehr als 180 chirurgische Eingriffe wegen Blutmangels neu terminiert werden.
Von dem gespendeten Blut werden nur 23 Prozent direkt transfundiert. Aus den übrigen 77 Prozent gewinnt die Blutbank durchschnittlich 3300 Liter Plasma pro Jahr. Plasma entsteht auf zwei Wegen: durch konventionelle Blutspenden und durch die Apherese, ein Verfahren, das Plasma direkt abtrennt.
Das zur Verarbeitung gesendete Plasmavolumen sank ebenfalls. Von 11.535 Beuteln im Jahr 2023 ging es auf 10.998 Beutel im Jahr 2024 zurück, ein Minus von 4,65 Prozent. Pérez del Pino führt den Rückgang der Reserven auf die Regierung der Kanaren zurück: „Seit ihr an der Macht seid, sind die Blutreserven abgestürzt und verbleiben im Ampelsystem auf Rot und Orange.“
Plasma-Krise der Kanaren begann mit Umbau der Blutbank
Was nach einem parteipolitischen Vorwurf klingt, hat tatsächlich einen wahren Kern: Das frühere Institut für Blutspende und Bluttherapie (ICHH) wurde im Januar 2025 in den Kanarischen Gesundheitsdienst (SCS) eingegliedert. Nach der Integration verlor die Blutbank mehr als 50 Mitarbeitende. Verbliebene Angestellte klagen über lange Arbeitszeiten und teils nicht ausgezahlte Überstunden. In nur sechs Monaten gingen infolge der Krise 1300 Blutbeutel verloren, zahlreiche Spendenaktionen wurden ausgesetzt oder umorganisiert.
An der Spitze der Einrichtung herrscht zudem Unruhe: In knapp zwei Jahren wechselte dreimal der Direktor. Gemma Torres wurde abgelöst, nachdem bekannt geworden war, dass sie ihren Lebenslauf gefälscht hatte. Ihr Nachfolger Iván Santiago Falcón trat nach knapp zehn Monaten zurück. Seit Oktober 2025 leitet der frühere Krankenpfleger Francisco Javier Rodríguez die Blutbank.
Gesundheitsrätin weist Vorwürfe zur Plasma-Bilanz zurück
Esther Monzón warf dem Abgeordneten vor, Zahlen zu einem Zeitpunkt herangezogen zu haben, an dem die Blutbestandteile gerade für die Krankenhausversorgung entnommen worden waren: „Im Wissen, dass sich diese Daten je nach Ein- und Ausgängen ständig ändern.“ Monzón beschuldigt Pérez del Pino, die Bevölkerung zu desinformieren und Blut als Werkzeug für politischen Profit zu nutzen.
Die für Gesundheit zuständige Ministerin meldete zugleich eine Erholung. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 stiegen die Blutspenden um 2,14 Prozent auf insgesamt 25.609 Spenden in mobilen Einheiten und Krankenhäusern.















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