Forscher haben auf Gran Canaria Unterwasser-Glasfaserkabel zu Sensoren für die Beobachtung des Ozeans gemacht. Professor John R. Potter arbeitet dort mit der Ozeanplattform der Kanarischen Inseln (Plocan) und der Universität Las Palmas de Gran Canaria an der Distributed Acoustic Sensing (verteilte akustische Sensorik), kurz DAS.
Potter, Professor der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU), verbringt derzeit auf Gran Canaria ein Sabbatical. Für die Forschungsarbeit kam der Spezialist nach Gran Canaria. Bei dem Verfahren schließt das Team ein Abfragegerät an ein Ende eines Glasfaserkabels an und verwandelt bestehende Telekommunikationsleitungen auf diese Weise in ein weitreichendes Netz akustischer Sensoren.
Die seit Jahrzehnten am Meeresboden liegenden Kabel können Erdbeben erfassen sowie Temperatur und Druck messen. Potter bezeichnete die bisherigen Resultate als äußerst vielversprechend. Welche weiteren Anwendungen das System ermöglicht, erforschen die Wissenschaftler noch.
Unterwasserkabel: Schall erschließt die weitgehend unbekannte Meereswelt
Schall spielt im Meer eine zentrale Rolle. Licht dringt in Salzwasser nur wenige Meter tief ein, Wellen verlieren dort an Stärke. Anders als in der Luft stehen damit weder Radiowellen noch umfangreiche visuelle Informationen zur Verfügung. Fast alle Meereslebewesen nutzen deshalb Geräusche, um sich zu verständigen und ihre Umgebung wahrzunehmen. Bislang fehlten die Mittel, diese akustische Welt umfassend zu untersuchen.
Nur zehn Prozent der im Ozean lebenden Arten sind nach Schätzungen bekannt. Die Oberfläche des Mars ist laut Potter besser kartiert als der Meeresboden der Erde. Dieser sei der am wenigsten erforschte, verstandene und untersuchte Teil des Planeten, obwohl er die Lebensgrundlage aller Lebewesen mitträgt.
Die Ozeane erzeugen die Hälfte des vom Menschen eingeatmeten Sauerstoffs und liefern einen großen Teil seiner Nahrung. Kenntnisse über ihre Funktionsweise seien nötig, um sie verantwortungsvoll zu bewirtschaften und den Klimawandel zu bekämpfen, sagte Potter. Bei einem Zusammenbruch des marinen Ökosystems könne die Menschheit nicht überleben.
Meeressäuger-Kommunikation könnte komplexer sein als bislang angenommen
DAS soll auch neue Erkenntnisse über die Kommunikation von Meerestieren liefern. Deren akustische Fähigkeiten, Verständnis und Abstufungen könnten weit über jene des vorwiegend visuell orientierten Menschen hinausgehen. Besonders die Verständigung von Meeressäugern enthalte vermutlich mehr Informationen und Nuancen als bislang angenommen.
Solche Erkenntnisse könnten nach Potters Einschätzung den menschlichen Blick auf andere Arten und die Umwelt grundlegend verändern. Ein Teil der Schwierigkeit, dem Klimawandel gemeinsam zu begegnen, liege in der fehlenden Verbindung der Menschheit zur Natur.
Kanaren bieten strategischen Teststandort für DAS
Für die weitere Entwicklung hält Potter die Kanaren für einen strategisch wichtigen Standort. Der Archipel liegt mitten im Ozean, besitzt saubere und artenreiche Gewässer sowie eine große Walpopulation. Zugleich treffen dort ein hohes Schiffsverkehrsaufkommen, Hochgeschwindigkeitsfähren und technologische Infrastruktur aufeinander.
Damit vereinen die Inseln jene Faktoren, die viele aktuelle Herausforderungen im Umgang mit dem Meer bestimmen. Die Plocan entwickelte dafür federführend Systeme zur Meeresbeobachtung und knüpfte internationale Partnerschaften, um die Bedürfnisse der Ozeane besser zu verstehen. Potter sieht die Kanaren deshalb als geeigneten Teststandort, um DAS zu einem wichtigen Instrument des Meeresschutzes zu entwickeln und notwendige Maßnahmen sowie künftige Forschungsschwerpunkte zu bestimmen.
















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