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- Die Reederei Fred. Olsen schützt nur Sitze ihrer Kanaren-Fähren, die von Migranten genutzt werden, mit Plastiküberzügen.
- Kanaren-Migranten müssen zudem über Fahrzeugzugang ein- und aussteigen. Eine Juristin kritisiert die Praxis als "Entmenschlichung".
- Fred. Olsen rechtfertigt die Maßnahme als Absprache und "gängige Sicherheitspraxis". Das Rote Kreuz dementiert entsprechende Übereinkünfte.
Fred. Olsen steht in der Kritik. Die Reederei hat Sitze einer Kanaren-Fähre mit Einmal-Überzügen versehen. Diese Maßnahme betraf ausschließlich Sitze, die von Migranten genutzt wurden.
„Ein einfacher Plastiküberzug markiert die Grenze ihrer Entmenschlichung. Ihre Sitze sind im Gegensatz zu denen der anderen mit Plastik überzogen“, schreibt die Juristin Loueila Sid Ahmed Ndiaye auf ihrem Instagram-Account. Dazu kritisiert sie die Reederei scharf.
Die Überfahrt fand bereits am Sonntag statt. Die Bilder wurden erst jetzt veröffentlicht. Die Migranten waren auf El Hierro angekommen. Mit der Fähre wurden sie nach Teneriffa überführt, wo deutlich mehr Kapazitäten zur Verfügung stehen. Überfahrten wie diese sind keine Seltenheit. Der Schutz der Sitze ist für Außenstehende hingegen neu.
Kritik an Fred. Olsen für Abfertigung von Kanaren-Migranten
Loueila Sid Ahmed Ndiaye kritisiert, dass die Passagiere die Fähre nur über den für Fahrzeuge vorgesehenen Bereich betreten und verlassen durften. Die Rechtsanwältin schreibt dazu: „Als wären sie Abfall.“ Alle anderen zu Fuß Reisenden betraten die Fähre ganz normal über den Fußgänger-Zuweg.
Die Augenzeugin bekommt für ihren Instagram-Post viel Zuspruch. Schnell sammelten sich mehr als 100 Kommentare, die Zahl lag am Donnerstagmittag bereits bei 135. In ihrem Begleittext schreibt Loueila Sid Ahmed Ndiaye: „Ich weiß, dass es schwierig ist, Ankünfte auf dem Seeweg zu organisieren, aber die Menschen auf El Hierro sind der Situation gewachsen: Sie nehmen auf, weinen, begraben und humanisieren. Diese Szene auf einer Fähre repräsentiert nicht die Bevölkerung von El Hierro. Ein Bild reicht aus, um die Entmenschlichung zu verstehen.“
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Die Reederei teilte inzwischen mit, dass es sich um ein Sicherheitsprotokoll handle. Es werde „seit Jahren im Seeverkehr angewendet, wenn Personen transportiert werden, die kürzlich aus dem Meer gerettet wurden“, heißt es.
Weiter verweist Fred. Olsen auf das Rote Kreuz. Man habe diese Sicherung in Rücksprache vorgenommen. Das Rote Kreuz will unterdessen ausdrücklich nichts von einer solchen Absprache wissen.
Kanaren-Reederei sieht keine Fehler
Nach ihrer Ankunft müssen Migranten die Kleidung, die sie während der Überfahrt trugen, ablegen. Sie bekommen neue Kleidung übergeben. Dazu duschen alle Ankömmlinge. Auch medizinische Untersuchungen sind obligatorisch. Wer krank ist, wird nicht für die Überfahrt freigegeben.
Die Reederei besteht dennoch weiter auf die Kunststoff-Überzüge. Außerdem sollen die Kanaren-Migranten auch weiterhin in einem „gesonderten Bereich des Schiffes“ transportiert werden. Dort stünden auch eigene Toiletten zur Verfügung, heißt es.
Für Fred. Olsen gehe es um „die Privatsphäre“ sowie eine „angemessene Betreuung durch das Rote Kreuz und die Guardia Civil“. Auch der gesonderte Weg für den Ein- und Ausstieg auf die Fähren sei „eine gängige Praxis“. Argumentiert wird mit „einer bequemeren, schnelleren und sichereren Abwicklung“.















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Kanaren-Fähre schützt Sitze für Migranten mit Plastikbezügen
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