Kanaren schließen umstrittenes Flüchtlingslager auf Gran Canaria – das ist der neue Plan


Das umstrittene Flüchtlingslager im Hafen von Mogán auf Gran Canaria ist geschlossen worden. Die Migranten werden nun zwischenzeitlich in Behelfsunterkünfte gebracht. Schon in Kürze soll die Umsiedlung in eigens eingerichtete Zeltstädte beginnen, die dann auch Mindeststandards erfüllen.

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Menschenrechtsorganisationen haben über Wochen gegen die Zustände im Auffanglager am Arguineguín-Dock protestiert. Nun endlich wurde das provisorische Flüchtlingslager auf Gran Canaria geräumt. Alle 830 Bewohnerinnen und Bewohner wurden umgesiedelt.

Warum Hilfsorganisationen das Lager anprangerten, macht schon ein Blick auf die sanitären Anlagen deutlich. In der zwischenzeitlich sengenden Hitze – vor rund drei Wochen war auf Gran Canaria der wärmste Novembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf den Kanarischen Inseln registriert worden – standen grade einmal ein Dutzend provisorische Toilettenhäuschen. Gedacht war das Lager für bis zu 500 Personen, tatsächlich bewohnt hatten es zwischenzeitlich 2600. Sie alle teilten sich diese sanitären Anlagen. Duschen gab es nicht.

Das Lager mit seinen rund 400 Metern Länge war knapp dreieinhalb Monate in Betrieb gewesen. Geplant war es für die ersten 72 Stunden nach Ankunft von Hilfesuchenden. Doch in der Realität blieben viele von ihnen deutlich länger. Die Hilfsorganisation CEAR ließ durch ihren Sprecher José María Santana mitteilten, dass „die sanitären und hygienischen Verhältnisse sowie die Unterbringung der Menschen eine Schande für Spanien und Europa“ gewesen seien.

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In Kürze soll eine Lösung für die Unterbringung gefunden werden. Schon seit Wochen protestieren Anwohner gegen die aktuelle Vorgehensweise. Sie fürchten um den Ruf ihrer Städte bei Touristen. Kritik an derlei Demonstrationen gab es von der kanarischen Regierung. Sie nahm sich insbesondere die Bürgermeisterin von Mogán vor, die nach Meinung der politischen Führung Öl ins Feuer gieße und Fremdenfeindlichkeit anfache.

Onalia Bueno hatte zuletzt erneut gefordert, dass die Hotels umgehend geräumt werden sollten. Sie verwies auf das provisorische Krankenhaus, das in der Corona-Krise binnen weniger Wochen gebaut worden war. Dafür kritisierte sie der Delegierte der spanischen Zentralregierung, Anselmo Pestana, scharf. Er sprach von einem „menschlich verabscheuungswürdigen“ Ton der Bürgermeisterin.

Er gab zu Protokoll, dass die spanische Regierung mit der gefundenen Lösung selbst nicht glücklich sei, es in der Notsituation jedoch keine Alternative gegeben habe, als auf die ohnehin Corona-bedingt leerstehenden Hotels zurückzugreifen.

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Dennoch versprach Pestana, dass diese Art der Unterbringung „in ein paar Wochen oder sogar Tagen“ beendet würde. Die Hoteliers und Gastronomen der Stadt wollen ihre Arbeit wieder aufnehmen, wenn ab Mittwoch der zweite Lockdown in Großbritannien endet und allmählich wieder mit mehr Urlaubern auf der von der Corona-Pandemie stark gebeutelten Inselgruppe gerechnet wird.

Die derzeitige Planung der Zentralregierung sieht vor, dass die Migranten schon in den kommenden Tagen an die León-Schule in Las Palmas de Gran Canaria umgesiedelt werden. Dort sind bereits Zelte für etwa 300 Personen installiert worden. Das Lager ist Teil des Plans, den der spanische Migrationsminister José Luis Escrivá kürzlich vorlegte.

Dieser sieht im Wesentlichen Zeltstädte wie an der León-Schule vor. Ein weiteres dieser Lager soll eine Kapazität von 500 Personen haben und Anfang Dezember in Betrieb genommen werden. Zudem plant Madrid mit rund 650 Plätzen an der Canarias-50-Kaserne in La Isleta sowie mit etwa 1450 Plätzen in Las Raices auf Teneriffa.

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Bis Ende November sind bereits mehr als 20.000 Flüchtlinge in 672 Booten auf dem kanarischen Archipel angekommen, davon rund 12.000 allein in Mogán. Internationale Menschenrechtsorganisationen sprechen zudem von mindestens 500 Personen, die bei der gefährlichen Überfahrt in den nicht hochseetauglichen Booten ums Leben kamen.

Diese Zahlen werden lediglich von denen des Jahres 2006 übertroffen, als während der später als „Cayuco-Krise“ in die spanische Geschichte eingegangenen Zeit binnen eines Jahres 31.678 Hilfesuchende auf den Kanarischen Inseln angekommen waren. In den dann folgenden zwölf Jahren waren zusammen 18.605 Migranten gezählt worden.

Im Oktober und November dieses Jahres waren es dann rund 14.000. Pestana sagte, dass „der November der extremste Monat der Einwanderung in der Geschichte der Kanarischen Inseln“ sein werde. Zur Einordnung erklärte er, dass an nur drei Tagen im November genauso viele Einwanderer auf dem Archipel ankamen, wie im gesamten vergangenen Jahr zusammen.

Unterdessen erteilte Innenminister Fernando Grande-Marlaska einer Weiterleitung Hilfesuchender auf das spanische Festland erneut eine Absage. Die Strategie der spanischen Regierung sieht derzeit vor, dass die Migranten bis zu einer Entscheidung für ein Asylverfahren oder die Abschiebung auf den Kanarischen Inseln verbleiben sollen. Auch daher sollen dauerhaft bis zu 7000 Plätze in Einrichtungen für Hilfesuchende entstehen.

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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