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Meeres-Schildkröten verfangen sich in Wetterballons der Kanaren


Sie dienen der besseren Wettervorhersage. Doch für die Umwelt sind Wetterballons eine große Belastung. Und das, obwohl es Alternativen geben könnte.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Zwei Hobby-Fischer haben eine Meeresschildkröte aus den Überresten eines Wetterballons freigeschnitten. Das Tier wäre ohne die Hilfe verendet. Es ist der dritte bekannte Fund dieser Art vor den Kanaren.

Die Fischer waren mit einem Kajak in den Gewässern von Castillo del Romeral im Süden Gran Canarias unterwegs. Plötzlich entdeckten sie im Wasser eine Schildkröte. Das Tier trieb an der Oberfläche und hatte sich ofensichtlich in etwas verfangen,

Die beiden Männer bargen das Tier und schnitten es frei. Den Müll nahmen sie mit, um ihn an Land zu entsorgen. Erst dabei stellten sie fest, dass es sich bei der Todesfalle des Tieres um einen Wetterballon handelte.

In der Vergangenheit waren bereits zwei weitere Tiere vor der Küste Teneriffas aus ähnlichen Situationen gerettet worden. Die Schildkröten wurden daraufhin in das La Laguna Wildlife Recovery Center gebracht, wo sie wieder aufgepäppelt worden sind.

Kanaren schicken 15 Wetterballons pro Woche in die Atmosphäre

Das wiederholte Vorkommen dieses Schicksals hat Tierschützer auf den Plan gerufen. Sie fordern eine Neu-Konzeptionierung der Wetterballons. Abwegig ist dies nicht. Denn jede Woche werden allein von den Kanarischen Inseln aus 15 solcher Ballons in die Atmosphäre geschickt.

Dabei handelt es sich um zwei Wetter-Ballons die täglich um 10 und um 22 Uhr steigen gelassen werden. Der 15. Ballon dient der wöchentlichen Überwachung des Ozeans.

Wetterballons der Kanaren platzen und stürzen meist ins Meer

Die Wetterballons wiegen rund 500 Gramm. Sie starten in Güímar auf Teneriffa und erreichen eine Höhe von 30 bis 32 Kilometern. Die Helium-Ballons führen verschiedene Messungen durch, deren Daten als Grundlage für die Wetter-Vorhersagen dienen. Der Ozean-Ballon wiegt sogar zwei Kilogramm. Er startet aus Puerto de la Cruz im Norden Teneriffas.

Nachdem die Ballons ihre maximale Höhe erreicht haben, platzen sie und fallen zu Boden. Meist landen die Überreste, vom Wind getrieben, im Meer. Sie einzuholen ist nach Angaben des spanischen Wetteramts Aemet unwirtschaftlich. “Eine sehr genaue Geolokalisierung und ein Schiff, das nichts anderes macht, wären erforderlich”, heißt es aus dem Aemet knapp.

Wetterballons auf den Kanaren könnten biologisch abbaubar sein

Allerdings gebe es eine andere Lösung für das Problem. Denn mit Blick auf die Nachhaltigkeit gibt es bereits Bestrebungen, die Fäden der Wetterballons nicht länger aus Latex, sondern aus biologisch abbaubarem Material zu fertigen.

Dass Hilfsmittel, die “grundlegend für die Erstellung von Wettervorhersagen auf den Kanarischen Inseln” sind, “in die Natur eingreifen, ist ein Widerspruch”, heißt es auch aus der Wetterstation auf Teneriffa.

Trotz dieser Erkenntnis und dem grundlegenden Wunsch nach abbaubaren Materialien steigen weiterhin zweimal täglich Sonden von den Kanaren aus in die Atmosphäre, die Umwelt und Meeresbewohner gefährden.

Kanaren: Schildkröten halten Fäden von Wetterballons für Quallen-Tentakel

Wasserschildkröten halten die Fäden der Ballons für die Tentakel einer Qualle. Diese stehen weit oben auf dem Speiseplan. Beißen sie zu, verheddern sie sich in den Fäden. Meist bedeutet dies das Todesurteil. Denn so viel Glück wie die Schildkröte vor Gran Canaria haben viele ihrer Artgenossen, die sich in menschlichem Müll verheddern, nicht.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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