Die Familie eines 89-Jährigen hat wegen einer verzögerten Behandlung Anzeige gegen das Hospital Nuestra Señora de la Candelaria auf Teneriffa erstattet. Nach Angaben der Angehörigen steht nun eine Amputation des linken Beins bevor.
Der Mann kam am 17. Juni mit einer Ischämie, also einer Durchblutungsstörung, im linken Bein in die Klinik. Zuvor hatte eine Untersuchung in einer Privatklinik Verstopfungen in zwei Arterien unterhalb des Knies gezeigt. Eine dringende Überweisung der Hausärztin an die Gefäßchirurgie sei zunächst ohne Erfolg geblieben.
In der Notaufnahme bestätigte ein Arzt eine schwere Ischämie und erklärte, eine Operation sei nötig, um den Fuß möglicherweise retten zu können. Zugleich verwies der Mediziner auf die hohe Belastung: „Man weiß nicht, wann die Operation stattfinden kann, weil wir sehr überlastet sind“, habe es geheißen. Auf den Kanaren lag die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin zuletzt bei 162 Tagen (mehr dazu lesen Sie im Bericht hier). Auch der Patient musste zunächst ausharren – mit Folgen.
21 Tage im Wartebereich der Klinik auf Teneriffa
Nach der Aufnahme brachten die Mitarbeitenden den Patienten stationär in einen Bereich für Menschen, die noch auf ein Bett in der zuständigen Abteilung warten. Dort lag der Mann 21 Tage lang mit bis zu 14 weiteren Patienten, darunter nach Angaben der Familie rund zehn aus der Gefäßchirurgie, bei nur einem gemeinsamen Badezimmer.
Fast zwei Wochen lang erklärten Ärzte bei den Visiten wiederholt, der Mann sei nicht operationsbereit. Einmal, so heißt es seitens der Familie, bereiteten sie ihn bereits für den Eingriff vor. Dann sei er aus dem Operationsbereich wieder aufs Zimmer gebracht worden. Erst am 8. Juli verlegten sie ihn auf die reguläre Station.
Der Chirurg operierte den Patienten schließlich am 14. Juli. Der Familie sei mitgeteilt worden, dass beide Arterien verschlossen gewesen seien. Nur eine sei teilweise gerettet worden. Bei einem ungünstigen Verlauf drohe eine Amputation auf Knöchelhöhe, habe es geheißen.
Teneriffa: Gefäßchirurgie mit nur fünf Fachärzten
Nach zunächst positiver Entwicklung nahmen die Schmerzen wieder zu. Die Ärzte erhöhten die Medikation. Dann sei dem Patienten mitgeteilt worden, die Operation sei schlecht verlaufen. Sollte die Behandlung nicht anschlagen, müsse das Bein auf Oberschenkelhöhe amputiert werden.
Die Gefäßchirurgie verfügt nach Angaben der Familie über nur fünf Fachärzte. Zwei davon stehen dienstags und donnerstags im Operationssaal, drei weitere teilen sich Visiten, Ambulanz, Wartebereich und Bereitschaft. Der Sohn des Patienten sagte, möglicherweise wäre das Ergebnis dasselbe gewesen, „aber wir werden immer Zweifel haben“, ob das Bein wegen der Erkrankung oder der späten Behandlung amputiert werde.
Der stationäre Aufenthalt dauert bereits mehr als einen Monat. Bei günstiger Entwicklung soll der Mann noch in dieser Woche die Klinik verlassen können. Diese äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
















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