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Kanaren: Wetter-Experten sehen rasanten Klimawandel am Teide


Das Wetter am Teide ändert sich gewaltig. Und das immer schneller. Es wird wärmer und es gibt weniger Schnee. Experten sprechen von einem rasanten Klimawandel auf Teneriffas höchstem Punkt.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

Komplett mit Schnee bedeckt, wie auf unserem Foto, ist der Teide auf Teneriffa nur noch selten. Das zeigen Daten des staatlichen Wetteramts Aemet. Demnach gibt es seit etwa 20 Jahren einen merklichen Rückgang des Schneefalls.

Die Daten des Aemet sind umfassend. Seit mehr als 100 Jahren werden die Informationen zu Wetter und Klima rund um den Teide gesammelt. Die ersten strukturierten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1916.

Und diese Wetterdaten zeigen einen beunruhigenden Trend. Denn weniger Schneefall und schnellere Schneeschmelze sind darin abzulesen. Genau wie weitere Klima-Trends.

Klimawandel auf Teneriffa seit den 90er-Jahren absehbar

Laut den Daten der Meteorologen wird ein allgemeiner Temperaturanstieg auf dem Teide verzeichnet. Vor allem nachts liegen die Temperaturen über denen früherer Jahre. Das, zusammen mit ausbleibendem Schneefall, sorgt für das heutige Bild eines immer seltener schneebedeckten Berges auf Teneriffa.

Laut den Wetterdaten ist seit Mitte der 90er-Jahre ein Klimawandel auf Teneriffa absehbar. Denn seit 1994 ging der Schneefall auf Teneriffa sukzessive zurück. Auch das aktuelle hydrologische Jahr, das stets im Oktober beginnt, bestätigt das.

Weniger als die Hälfte des üblichen Schneefalls am Teide auf Teneriffa

An drei Daten wurde wesentlicher Schneefall verzeichnet. Am zweiten Weihnachtstag, zwischen dem 5. und 7. Februar und nochmal zwischen dem 15. und 17. Februar gab es Schneefall auf Spaniens höchstem Berg. Im Dezember wurde dabei der stärkste Niederschlag registriert.

Allerdings wurden an den drei Daten zusammen kaum 45 Prozent der erwarteten Schnee-Menge gemessen. Diese bezieht sich auf die Durchschnittswerte der Jahre 1991 bis 2000. Und auch im Jahr 2022 fielen die Niederschläge am Teide geringer aus. Es gab nur 71 Prozent der erwarteten 100 Liter pro Quadratmeter.

Klimawandel? Sieben Jahre fast ohne Schnee auf Teneriffa

Der Median der vergangenen 100 Jahre, also der mittlere Wert dieses Zeitraums, zeigt den Rückgang deutlich. “Seit dem Jahr 2000 gab es nur ein Jahr, in dem der Median von 200 Litern pro Quadratmeter Niederschlag im Laufe des Jahres erreicht wurde”, sagt David Suárez. Der Delegierte des Aemet auf den Kanarischen Inseln verzeichnete nur 2005 einen entsprechenden Wert.

Für den Wetter-Experten sind die Daten “Robust”, da sie aus der Analyse einer “Jahrhundertreihe” hervorgehen. Suárez erklärt, dass in den Jahren 2002 und 2006 immerhin mit Blick auf die Mittelwerte so grade noch ein vertretbarer Wert erreicht worden sei. In sieben weiteren Jahren habe der jährliche Schneefall hingegen fast bei Null gelegen. Das sei 1994, 1998, 2001, 2003, 2010, 2012 und 2016 gewesen.

Doch nicht nur im Winter wird weniger Schnee auf dem Teide gemessen. Auch im Frühling ist der Niederschlag rückläufig. Das Jahr 2023 war das siebte von 106 Jahren, in dem keine Flocke auf den Gipfel fiel. Andere Frühlingsschneefälle blieben laut Aemet “minimal”, also bei weniger als einem Millimeter. Gemessen wurden diese Werte in den Jahren 1998, 2000, 2010, 2012 und 2021. Über alle Jahre gesehen, gab es in nur vier Prozent aller Frühlinge weniger als 10 Millimeter Schnee. Normalerweise müsste es also regelmäßig schneien.

Steigende Temperaturen verändern das Klima auf den Kanaren

Tamara Jorge Cubas hat in ihrem Abschlussprojekt als Studentin der Meereswissenschaften an der Universität Las Palmas de Gran Canaria zum Thema geforscht. Auch sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Rückgang des Schneefalls auf dem Gipfel Teneriffas mit zwei wesentlichen Indikatoren einhergeht. Denn nicht nur weniger Niederschlag, sondern auch steigende Temperaturen würden dort gemessen.

Laut Cubas wurde an der Wetterstation Izaña seit 1970 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur gemessen. Diese sei seither um 0,7 Grad gestiegen. Und dieser Umstand habe signifikante Auswirkungen auf die Anzahl der Tage, an denen die Gipfelthermometer Werte unterhalb des Gefrierpunkts anzeigen. Zugleich sei die Anzahl der Tropennächte an den Hochgebirgsstationen gestiegen. Und dazu komme, dass es weniger Niederschläge gebe.

Laut Cubas seien die Gipfel der Kanarischen Inseln perfekt, um den Klimawandel zu beobachten. “In dieser Höhe wehen die Passatwinde nicht. Die Atmosphäre ist also frei und zeigt uns, wie sich das globale Klima verändert”, sagte sie El Dia.

Frühere Entdecker berichten von monatelangen Schneedecken auf Teneriffa

Demgegenüber steht eine Aufzeichnung des Schotten George Glass aus dem 16. Jahrhundert. In seiner Beschreibung Teneriffas habe der Teide mindestens sieben bis achte Monate des Jahres einen stolzen Mantel aus weißem Schnee getragen. Auch weitere Forscher früherer Zeiten beschreiben den Kontrast zwischen dem weißen Schnee auf dem Gipfel und der üppigen, grünen Vegetation in der Wärme der Kanarischen Inseln darunter. Aus heutiger Sicht ist das undenkbar.

Angesprochen auf viel Schneefall, erinnern sich Anwohner inzwischen an das Jahr 1979 zurück. Damals sorgten verschiedene Wetterkapriolen für den höchsten, jemals gemessenen Wert. Der erste Schneetag wurde am Dreikönigstag gemessen. Dann folgten weitere Schneetage in der Monatsmitte sowie zwischen dem 20. und 22. Januar.

Am 6. Januar erreichten die Schneefälle eine Höhe von 2,27 Metern. “In nur zwei Tagen” hatten sich die Schneemengen angesammelt, sagt Suárez. Schließlich sei der Teide von 18 aufeinanderfolgenden Tagen mit Schneefall heimgesucht worden. Die monatliche Schneemenge habe rund zehn Meter erreicht.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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