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Teneriffa plant Retorten-Stadt auf einer Million Quadratmetern


Auf den Kanaren soll eine neue Stadt entstehen. Bei dem Großprojekt sollen eine Milliarde Euro auf einer Million Quadratmetern verbaut werden. Es geht um tausende Arbeitsplätze. Das Projekt wartet seit 30 Jahren auf seine Umsetzung.

Lesedauer: 4 Minuten

Rot-weiß gestreifte Betonblöcke verhindern die Fahrt nach El Mojón. Die Hauptstraße gibt es seit Jahren. Doch sie führt ins Nichts. Auf Teneriffa gibt es schon lange den Traum von einer neuen Stadt. Und wie bei so vielen Projekten auf den Kanaren, wurde längst mit dem Bau begonnen. Dann jedoch gerieten die Arbeiten ins Stocken – und endeten schließlich komplett.

Etwa eine Million Quadratmeter sollen auf Teneriffa für den Bau einer neuen Stadt freigegeben werden. Das Projekt im Süden der größten Kanaren-Insel besteht bereits seit den 1990er-Jahren. Erst jetzt bringt der akute Wohnungsmangel jedoch neue Anreize, “El Mojón” wirklich umzusetzen.

Etwa eine Milliarde Euro Investitionsvolumen sollen in eine Fläche von umgerechnet 140 Fußballfeldern gesteckt werden. Dabei entstehen nach bisherigen Schätzungen etwa 4000 Arbeitsplätze. Teneriffas Insel-Regierung hat viele Argumente, das gigantische Bau-Projekt auf den Kanaren Wirklichkeit werden zu lassen.

Teneriffa plant neues Viertel im Süden der Kanaren-Insel

Der Stadtrat von Arona hat nun mit dem Prozess zur endgültigen Freigabe des Areals begonnen. Das aktuell größte Bau-Grundstück der Kanarischen Inseln soll zwischen der Avenida Chayofita in Los Cristianos bis zum unteren Teil des Hospital del Sur, oberhalb der Autobahn TF-1, bebaut werden (siehe Grafik oben).

Dass das Areal erst noch freigegeben werden muss, obwohl längst Straßen und sogar Parks vorgebaut sind, ist der Bürokratie geschuldet. Seit 30 Jahren wird um die finale Baugenehmigung gestritten. Entsprechend haben sich mit der Zeit viele Meinungen gebildet. Und große Spekulationsvolumina.

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El Mojón Teneriffa Neubaugebiet

Das Gelände für die Retortenstadt El Mojón auf Teneriffa ist bereits teilweise erschlossen. Foto: Teneriffa News

Teneriffa: Arona beginnt Prozess zur Freigabe des größten Baulands der Kanaren

Geplant ist, mehr als 70 private Grundstücke freizugeben. Dort soll die Nutzung von Tourismus über Wohnen bis hin zu Gewerbe und Sport gehen. Das Stadtplanungsamt von Arona unter der Leitung von Luis García hat den Prozess dafür in der Vorwoche gestartet. Eine außerordentliche Informationskommission soll nun einberufen werden.

Das Ziel besteht in einer städtebaulichen Vereinbarung zwischen dem Stadtrat von Arona und dem Vergütungsausschuss. Er soll die Eigentümer des Grundstücks zusammenbringen. Und sie final von der Umsetzung überzeugen.

So soll der Weg für Teneriffas Mega-Bauprojekt geebnet werden

Damit wäre der erste von drei Schritten eingeleitet, die für die endgültige Genehmigung erforderlich sind. Unmittelbar danach sollen die nächsten beiden Schritte erfolgen. Sie bestehen in der Übergabe der Vereinbarung an einen Ausschuss mit Vertretern aller Fraktionen im Stadtrat. Und dann geht es um die finale Freigabe im Plenum.

Was in der Vergangenheit Raum für politische Spielchen bot, bekommt durch den akuten Wohnungsmangel auf den Kanarischen Inseln inzwischen eine ganz neue Dringlichkeit. Und entsprechend ist die Aufmerksamkeit längst keine rein lokale mehr. Auch Teneriffas Regierung hat Interesse an einem Baubeginn.

Teneriffas Süd: Neubaugebiet wartet auf Baugenehmigungen

Ist dieser formale Akt erledigt, kann der Stadtrat von Arona, der das Grundstück oberhalb von Los Cristianos verwaltet, das bereits errichtete Grundgerüst mit einer grundlegenden Infrastruktur versehen. Dazu gehören weitere Straßen, Elektrosysteme, eine Kanalisation, Pumpstationen und schließlich die Beleuchtung sowie viele weitere öffentliche Bauten.

Nachdem die lokalen Behörden die Verantwortung für die Instandhaltung des städtischen Raums übernommen haben, kann mit der Bearbeitung von Anträgen für Baugenehmigungen auf den verschiedenen Privatgrundstücken sowie für den öffentlichen Bereich begonnen werden. Der Stadtrat selbst hält die Grundstücke für verschiedene Kultur-, Sport- und Sozialbauten.

Los Cristianos auf Teneriffa wartet seit 30 Jahren auf Bau-Start

Für die konservative PP ist es die Möglichkeit, sich mit der Umsetzung eines Projekts zu brüsten, das seit 30 Jahren mehr oder weniger brach liegt. Experten zufolge handelt es sich immerhin um das strategisch wichtigste Gebiet der Kanarischen Inseln.

Entsprechend gilt das Projekt auch als eines “von öffentlichem Interesse”, das “die Lebensqualität und die den Bürgern angebotenen Dienstleistungen erheblich verbessern” werde. Bereits seit dem 1. Oktober 1996 wird an der Umsetzung gearbeitet. Damals gab es die Zustimmung der Stadtplanungs- und Umweltkommission der Kanarischen Inseln (Cumac). Am 29. Juni 1998 gab es schließlich die Genehmigung des Bürgermeisteramtes von Arona.

Teneriffa: Lokal-Politik beendete Pläne für El Mojón bereits

Im Januar 2015 unterzeichneten der Stadtrat und der Vergütungsausschuss eine städtebauliche Vereinbarung. Doch fünf Monate später wurde die Stadtplanung aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofs annulliert. Am 17. August 2020 unterzeichnete der damalige Bürgermeister José Julián Mena eine Resolution, in der El Mojón abgelehnt wurde.

2021 übernahm dann Miguel Villarroya, Generaldirektor von Spring Hotels, die Präsidentschaft des Interessenverbandes El Mojón. Als kurze Zeit später auch in der lokalen Politik ein Wechsel vollzogen wurde, änderte sich die Situation grundlegend. Seither wird wieder an einer Aufnahme des Projekts gearbeitet.

Inzwischen ist die Mehrheit aus Politik und Wirtschaft von Arona der Meinung, das Projekt müsse fortgesetzt werden. Warum die einzelnen Schritte 30 Jahre benötigten, versteht aus heutiger Sicht kaum noch ein Projektteilnehmer. Entsprechend groß sei das Interesse, nun mit den Arbeiten zu beginnen.

Teneriffas neue Stadt: Strategisch wichtig für die Kanaren

Um Geschwindigkeit aufzunehmen, hat der Stadtrat nun eine Trennung von öffentlichem und privatem Raum in dem Gebiet vorgenommen. So sollen Abhängigkeiten gelöst und Geschwindigkeit aufgenommen werden.

In der Folge könnten die Grundstücke bald auf den Markt gebracht werden. Außerdem können dann die Ausschreibungen für öffentliche Einrichtungen vorgenommen werden. Sie sollen das Stadtbild von Los Cristianos, immerhin das wichtigste Touristenzentrum der viertgrößten Gemeinde der Kanarischen Inseln, maßgeblich prägen.

In dem Viertel sollen zwei große Parks entstehen sowie ein Stadion und ein Auditorium. Für den Wohnungsbau sind rund 300.000 Quadratmeter bebaubare Fläche vorgesehen. El Mojón wird mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt damit zum strategisch wichtigen Projekt für Teneriffa und die Kanarischen Inseln.



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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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Kommentare zu:

Teneriffa plant Retorten-Stadt auf einer Million Quadratmetern

  1. Frank Kasprusch schrieb am

    Mit großer Befremdung habe ich (als praktizierender Architekt) diesen Artikel gelesen. Vorab: vielen Dank für diese wichtige Information.
    Solche Projekte auf “dem platten Land” in heutiger Zeit des Klimawandels, der existentiellen Wasser- und Ressourcenverknappung (vor allem im Süden der Insel) anzugehen, muss als anachronistisch oder sogar naiv bezeichnet werden.
    Ein 30 Jahre altes Vorhaben in der Doktrin der autogerechten Stadt führt zu weiteren extremen Versiegelungen, solaren Aufheizungen und noch mehr Überhitzungstagen und damit zu noch weniger Wasserhaltung, natürlicher Verdunstungskühle und Biodiversität. Der heutige, weltweite Fachdiskurs geht auf Grund der Klimaziele in entgegengesetzte Richtung.
    Es sollte vielmehr das Ziel sein, bestehende und/oder sowieso versiegelte Flächen in den zersiedelten Ballungsräumen nachzuverdichten – und da gibt es, wenn man offenen Auges über die Insel fährt, unzählige, teilweise großflächige, versiegelte und mindergenutzte Potentialflächen: Dazu gehören unter anderem auch Umbauten, Erweiterungen und Aufbauten bestehender Areale.
    Weiterer Vorteil einer angemessenen Nachverdichtung in bestehenden Siedlungen wäre, dass man nicht nur neue “Ghettos” für ein gewisses Käuferklientel schafft, sondern bestehende Strukturen und Quartiere aufwertet.
    Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Wohnraumschaffung ist ein drängendes Problem. Ich denke jedoch zu wissen, dass man ausreichend Flächen findet, ohne weitere naturnahe Räume und Landschaften zu zerstören. Es wäre vielmehr zeitgeistig gegeben, diese gegebenenfalls zu richtigen mikro- und makroklimatisch wirksamen Biotopen zu qualifizieren – dann würden wir auch weniger über selbstgemachte Wasseverknappung und -qualität jammern.
    Ich hoffe sehr, dass es zu diesem Vorhaben einer längst vergangenen Doktrin ausreichend Widerstand gibt.

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