Spaniens höchster Berg kleiner als gedacht – Der Teide ist nicht 3718 Meter hoch


Der Teide ist Spaniens höchster Berg. Doch der Mittelpunkt Teneriffas ist nach Angaben von Forschern drei Meter kleiner als nahezu überall angegeben. Statt 3718 Meter misst der Berg demnach nur 3715 Meter. Auch offizielle Stellen bestätigen das.

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Die weltweit größte Suchmaschine ist sich sicher: Weit mehr als 100.000 Verweise bringen Google zu der Überzeugung, dass der Teide 3718 Meter hoch sei. Auch in der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird dieser Wert angegeben. Und auf Teneriffa nennt fast jedes Tourist diese Höhe für den mächtigen Vulkan im Zentrum der Insel. Doch er ist falsch. Das berichtet Juan Tous Meliá. Der ehemalige Topographie-Professor verweist dabei unter anderem auf offizielle Quellen und erläutert die Verwirrung in seinem Buch „La Medida del Teide“ (Die Vermessung des Teide).

Das nationale geographische Institut Spaniens (IGN) soll die Schuld an dem Missverständnis mittragen, erklärt Meliá. Demnach soll sich der Fehler in einer der vielen Veröffentlichungen des IGN eingeschlichen haben. Dann habe er sich verselbstständigt. Und tatsächlich: In allen aktuell offiziellen Dokumenten des IGN wird der Teide mit 3715 Metern Höhe geführt, beispielsweise hier oder hier auf Seite 60.

Messungen zeigen: Teide ist „nur“ 3715 statt 3718 Meter hoch

Im April 1983 hatte das Instituto Geográfico Nacional den Teide mit einer präzisen Höhenwinkel-Messtechnik vermessen. Für dieses Unterfangen wurde eine Säule auf dem höchsten Punkt, dem so genannten geodätischen Scheitelpunkt des Teide aufgebaut. Mit Hilfe dieser Säule und der Winkel-Messtechnik wurde eine Höhe von 3715 Metern errechnet.

Zwar variiere die Höhe laut IGN von Jahrzehnt zu Jahrzehnt im Zentimeterbereich, dennoch sei die Meterangabe korrekt, hieß es. Allerdings seien kontinuierliche Messungen wichtig, um dauerhaft korrekte Daten zu erheben. Kurz nach der ersten Messung war die nötige Säule jedoch zerstört worden. Daher wurde die Winkel-Berechnung seither nicht mehr durchgeführt.

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Zwischenzeitliche Mess-Ersuche von Meliá beim IGN wurden aufgrund des hohen Aufwandes abgelehnt. Daraufhin hatten unabhängige Forscher des „Grafcan“, einer der Regierung der Kanarischen Inseln unterstellten und mit der Kartographie der Inseln beauftragten Aktiengesellschaft, am 2. Dezember 2011 eine Messung via GPS vorgenommen. Diese bestätigte erneut die 3715 Meter.

Teide kleiner als gedacht – Missverständnis soll schuld sein

Beide offiziellen Stellen geben den Teide daher bereits seit Jahren mit 3715 Metern Höhe an. Doch woher stammt nun die falsche Angabe von 3718 Metern? Laut Meliá sei ein Missverständnis beim IGN aus dem Jahr 1994 verantwortlich. Das Institut bestreitet dies vehement, obwohl es laut Meliá eine Unterlage gebe, in der diese falsche Höhe angegeben wurde. Der Topographie-Spezialist kommt zu dem Schluss, dass sich die falsche Höhenangabe unabsichtlich und durch Zufall durchgesetzt habe. Da jedoch beide Institute den Teide offiziell mit 3715 Metern Höhe führen, sei es eine Frage der Zeit, bis sich die korrekte Höhe auch offiziell durchsetze.

Endgültiger Aufschluss soll in der Zukunft geschaffen werden. Zwar verweist das IGN auf die Schwierigkeit solcher Messungen und darauf, dass das Ergebnis maßgeblich von den handelnden Personen abhänge, doch eine neue Messung soll alle Zweifel final beseitigen – auch, um ausreichend Öffentlichkeit für eine dann sehr wahrscheinlich neue allgemein gültige Höhenangabe zu erlangen. In der Zwischenzeit gelten weiterhin die von beiden Institutionen gemessenen 3715 Meter.

Was bedeutet die korrigierte Höhe für den Teide?

Und was bedeutet die Korrektur nun für den Teide? Auch mit 3715 Metern bleibt der Pico del Teide Spaniens höchster Berg. Und er darf auch weiterhin den Titel des dritthöchsten Inselvulkans der Welt führen. Eine „Herabsetzung“ um drei Meter sorgt also lediglich für einen großen Korrekturaufwand. Während das bei Wikipedia zügig erledigt sein sollte, dauert es bei den Info-Tafeln und -Blättern der öffentlichen Stellen auf Teneriffa möglicherweise mehrere Jahre. Und wie lange Google noch falsche Ergebnisse im sechsstelligen Bereich ausliefert, steht in den offiziell nun drei Meter weiter entfernten Sternen…

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