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Montag, 3. August 2026
Meinung & Kommentar

Gier und falscher Applaus: Aena hat Kanaren-Flughäfen verlottern lassen

1,8 Milliarden Euro werden in die Flughäfen der Kanaren gesteckt. Die Politik jubelt. Stattdessen wäre Kritik an Aena angebracht. Ein Kommentar:

Aena investiert 1,8 Milliarden Euro in die Flughäfen der Kanarischen Inseln. Allein in den Umbau von Teneriffa-Süd fließen 550 Millionen davon. Der Flughafenbetreiber betont, die Kapazität dabei nicht erweitern zu wollen. Glaubwürdig ist das nicht.

Der spanische Staat ist Haupteigner von Aena. Dennoch wird Spaniens Flughafenbetreiber als Wirtschaftsunternehmen geführt. Damit ist die Geschäftsführung der Gewinnmaximierung verpflichtet. Bei jeder Investition steht ein „Return on Invest“ (ROI), also das Wiedereinspielen geleisteter Investitionen im Vordergrund. Die Faustregel lautet: Wird Geld investiert, muss die Änderung in den darauffolgenden Jahren mindestens das Doppelte wieder einspielen.

In den vergangenen zwei Jahren wurde Teneriffas Flughafen durch Warteschlangen international berühmt. Dennoch hat der Airport jede Krise überstanden. Das bedeutet: Hohe Millioneninvestitionen wären reines Marketinggeld, um weniger häufig in die Schlagzeilen zu geraten. Dem spanischen Tourismusministerium würde man Glauben schenken, dass es sich um den Ruf der Insel und ihrer Flughäfen sorgt. Ein Wirtschaftsunternehmen wie Aena hingegen verdient auch dann gut, wenn die Schlagzeilen negativ sind. Und diese zweifelhafte Zufriedenheit strahlte das Unternehmen über Jahre aus:

Flughafen Teneriffa Süd ist marode

Trotz großen Umbaus in den 2010er-Jahren ist der Flughafen Teneriffa Süd marode. Der Airport wirbt mit einer VIP-Lounge. Very important Persons, sehr wichtige Personen also, können sich dort die Wartezeit mit Getränken und Buffet zumindest gefühlt verkürzen. Wer davon auf die Toilette getrieben wird, fühlt sich sogleich deutlich weniger wichtig. Defekte Toiletten und fehlende Schlösser treiben alle Nutzer auf eine verbleibende Kabine. Die birgt entsprechendes.



Aena Teneriffa Süd Vip-LoungeFoto: Teneriffa News
Eine Toilette gesperrt, eine nicht abschließbar und die dritte Kabine sieht entsprechend aus: Am Flughafen Teneriffa-Süd darf sich das über Wochen VIP-Lounge nennen.

Auf Nachfrage von Teneriffa News, warum auch vier Wochen später noch immer alles aussieht wie vorher, verwies das Unternehmen über einen Sprecher auf alternative Sanitäranlagen. Ausschilderung? Fehlanzeige! Wie lange Schlösser und Toiletten defekt bleiben und ob Betroffene eine Erstattung erwarten dürfen, ließ das Unternehmen wiederholt unbeantwortet.

Kanaren: Aena stilisiert sich als Retter, das steht dem Unternehmen jedoch nicht

Trotz langer Warteschlangen vor dem Terminal führte Aena jüngst eine Zufahrtsbeschränkung ein. Das Unternehmen handelte sich mächtig Ärger mit der Insel-Politik ein. Einsicht? Wieder Fehlanzeige! Als die weltweite Pandemie die Geschäftsleute an den abgeriegelten Flughäfen traf und diese um Nachlass bei den horrenden Mieten baten, stellte das Unternehmen zunächst auf Durchzug. Beispiele wie diese gibt es zuhauf. All das passt ins Bild eines Unternehmens, das in erster Linie an den Profit denkt und sich erst dann bewegt, wenn es nicht mehr anders geht. Oder wenn Subventionen winken.

Das Unternehmen hat die Preise pro Passagier und Flugbewegung um 68 Cent erhöht, was Ryanair von den meisten Flughäfen des Landes nach Italien, Kroatien und in andere Destinationen vertrieb. 2025 kam der Flughafen Teneriffa Süd auf rund 14 Millionen Passagiere und war damit der siebtgrößte Spaniens. Allein die Preiserhöhung sorgt entsprechend für mehr als 9,5 Millionen Euro Mehreinnahmen.

Aena legt keine genauen Daten vor. Auf den Kanaren wurden vor der Preiserhöhung Pro-Passagier-Einnahmen von etwa 6,10 Euro abgenommen. Damit wären die Passagiere allein auf dem Süd-Flughafen der Insel mutmaßlich rund 95 Millionen Euro wert – jedes Jahr.

Hinzu kommen erhebliche Mieteinnahmen durch Geschäftsflächen, Parkplatzumsätze, Pacht für Mietwagen-Stellplätze, Provisionen aus der Flughafen-Gastronomie, die VIP-Lounge und viele weitere Möglichkeiten, Umsatz zu erzeugen. Der ROI am Süd-Flughafen ist entsprechend gewaltig und ein Umbau, der mehr Lounges, mehr Geschäfte und mehr Parkplätze bringen soll, ist vor allem ein Investment in den eigenen Profit.

Aena hat sich in der Vergangenheit dann bewegt, wenn es wirtschaftlich vorteilhaft war oder nicht mehr anders ging. Die Politik wäre gut beraten, all das und die Verfehlungen der Vergangenheit zu betonen, damit sich diese nicht wiederholen. Dass sie stattdessen für profitorientierte Umbauten applaudiert, wirkt so fehlgeleitet, als beklatschte man eine Bürokraft dafür, morgens ganz allein an ihren Schreibtisch zu finden.

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