Der Indianos-Karneval gedenkt der Rückkehr palmerischer Auswanderer, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Kuba gingen und in eleganten weißen Kleidern und Anzügen auf die Insel zurückkehrten. So entstand eine besondere Tradition. Rund 60.000 Menschen strömten erneut zum kubanischen Karneval "Los Indianos" in die Inselhauptstadt von La Palma. Wir zeigen die Bilder:
Kathrin Lucia Meyer ist freie Journalistin. Sie berichtet über verschiedene Themen von den Kanarischen Inseln, am liebsten von La Palma sowie über Themen rund um Landwirtschaft, Tourismus und Umwelt.
10.03.2025, 13:514 Min. Lesezeit
Foto: Kathrin Lucia MeyerWährend auf dem Roque de Los Muchachos, dem höchsten Berg der kleinen Kanareninsel, Temperaturen um die 0 Grad herrschten, freuten sich die Karnevalisten in der Hautpstadt Santa Cruz de La Palma über viel Sonne und rund 22 Grad. Und das, obwohl Regen vorhergesagt war
Während auf dem Roque de Los Muchachos, dem höchsten Berg der kleinen Kanareninsel, Temperaturen um die 0 Grad herrschten, freuten sich die Karnevalisten in der Hautpstadt Santa Cruz de La Palma über viel Sonne und rund 22 Grad. Und das, obwohl Regen vorhergesagt war.
Attraktion für Alt und Jung sind dabei auch die selbst gebauten Puderkanonen, die durch die Straßen ziehen und immer wieder große Mengen von Puder in die Massen schießen. “Cinco, cuatro, tres, dos, uno…” wird der Countdown von den Feierlustigen runtergezählt, in der Hoffnung, dass die Kanone doch in die andere Richtung schießen möge…
Die Feiernden feuern die Pulverkanonen an. Wer wird am meisten abbekommen?
Und ab geht’s!
Worin genau der Ursprung des Puderns liegt, darin sind sich Historiker noch nicht einig: nahe liegt es, dass der Puder verwendet wurde, um die Haut blasser erscheinen zu lassen. Andere Quellen berichten, dass die Waren der im Hafen eintreffenden Schiffe mit Puder bestäubt wurden, um die Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten zu verhindern.
Wie dem auch sei – heute tragen die Karnevalisten zu Indianos obligatorisch Puderdosen mit sich, um sich gegenseitig damit zu bestreuen.
Alljährlich wird mit dem Indianos-Karneval der Rückkehr jener palmerischer Auswanderer gedacht, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Kuba gingen und in eleganten weißen Kleidern und Anzügen auf die Insel zurückkehrten. Im Gepäck: jede Menge Zigarren, Rum und Zuckerrohr.
Als „Indianos“ bezeichnete man auf La Palma Auswanderer nach Amerika (historisch: Las Indias, insbesondere Venezuela und Kuba), die nach erlangtem Reichtum und Wohlstand in ihre Heimat zurückkamen.
Authentischer kann man kaum feiern als in der charmanten Hafenstadt mit über 500 Jahre alten Stadtgeschichte und der berühmten schmucken Balkone, von denen aus die glücklichen Besitzer das Geschehen von oben beobachten konnten.
Zu klassischen Klängen des Son Cubano wird an verschiedenen Orten wie der Alameda, der Recova, der Plaza de Santo Domingo sowie an der Plaza José Mata getanzt, wo über den ganzen Tag Orchester spielen. Zwischendurch legten auch DJs auf und wurde zu aktueller Musik gefeiert.
Aus Sicherheitsgründen wird der Meerzugang alljährlich zum Karneval an der angrenzenden Innenstadt eingeschränkt. Es lässt sich aber dennoch wunderbar dort entlang flanieren.
Die Geschichte der kanarischen Auswanderer, insbesondere jener von La Palma nach Amerika im 19. und 20. Jahrhundert, wird so alljährlich als Parodie wieder zum Leben erweckt, um auch daran zu erinnern, dass in der Geschichte jedes Volkes und jeder Nation Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft und besseren Lebensbedingungen waren.
Indianos ist eines der wichtigsten und größten Feste auf den Kanarischen Inseln und zieht jedes Jahr Tausende von Menschen aus dem Ausland, vom Festland Spanien und den anderen Kanareninseln an, die einen Tag lang einen ganz besonderen Karneval erleben möchten.
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