Zum Inhalt springen
Montag, 6. Juli 2026
Kanaren

Kanaren-Regierung zahlt 321.000 Euro für Konzert in Madrid

Für ein einziges Konzert in Madrid flossen 321.000 Euro Steuergeld. Den Auftrag erhielt eine Firma aus Telde ohne öffentliche Ausschreibung. Unterzeichnet wurde der Vertrag am Vorabend des Festivals.
Das Wichtigste in Kürze:
Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung ausblenden
  • Die Kanaren-Regierung zahlte 321.000 Euro öffentliche Mittel für das Konzert Canarias Tiene el Flow am 14. Mai in Madrid.
  • Den Auftrag erhielt die Firma Dreamers Canary Islands SL aus Telde ohne öffentliche Ausschreibung im Verhandlungsverfahren.
  • Die Regierung unterzeichnete den Vertrag am 13. Mai, dem Vorabend des bereits ausverkauften Festivals.
Unsere Mitglieder sehen hier eine praktische Zusammenfassung

Die Kanaren-Regierung steht in der Kritik. Die Politik der Inseln gab 321.000 Euro aus öffentlichen Mitteln für ein einziges Musikfestival in Madrid aus. Das Konzert „Canarias Tiene el Flow“ fand am 14. Mai in der Sala La Riviera statt und versammelte rund 2000 Besucher. Die Karten waren bereits Tage zuvor ausverkauft.

Den Auftrag erhielt das Unternehmen „Dreamers Canary Islands SL“ mit Sitz im Polígono Industrial El Goro in Telde auf Gran Canaria. Einziger Geschäftsführer ist Santi Gutiérrez. Die Vergabe lief im Verhandlungsverfahren ohne öffentliche Ausschreibung. Die Behörden verzichteten auf ein Wettbewerbsverfahren und beauftragten das Unternehmen direkt.

Als Begründung heißt es, „Dreamers Canary Islands SL“ sei „die einzige, die die Exklusivität des Events“ und der auftretenden Künstler besitze. Aus technischen Gründen sei kein Wettbewerb möglich gewesen. Diesen Sonderweg lässt das Gesetz über öffentliche Aufträge (Ley de Contratos del Sector Público) zu, sofern sich eine Leistung ausschließlich an ein einziges Unternehmen vergeben lässt. Die Chronologie des Verfahrens wirft ein besonderes Licht auf den Zeitplan.

Kanaren-Regierung unterzeichnete Vertrag am Vorabend des Festivals

Vizekonsejero Alfonso Cabello leitete das Vergabeverfahren am 30. April per Beschluss ein. Das Leistungsverzeichnis genehmigte die Behörde am 12. Mai. Die Auftragsvergabe an Dreamers Canary Islands SL wurde am 13. Mai unterzeichnet, einen Tag vor dem Konzert.



In der Sala La Riviera standen La Pantera, Don Patricio, Sara Socas, Juseph, Ale Acosta, Daniela Garsal, Ventura, Julia Rodríguez und Los Blody auf der Bühne. Die Gruppe Los Blody gewann den Wettbewerb Sonora 2026. Der Vertrag wurde als Werbesponsoring festgesetzt.

Kanaren-Regierung will Marke über Festival vergrößern

Laut Aktenlage sollte das Sponsoring die Dachmarke der Regierung der Kanaren national und international verbreiten, kanarisches Talent fördern und die institutionelle Botschaft „Islas Iguales“ transportieren. Das Dokument beschreibt das Event als Auftakt eines Projekts, das von 2026 bis 2028 laufen soll, mit Madrid als Ausgangspunkt. Bezeichnet wird das Festival als „kanarische Kulturbewegung“ und als Plattform für kulturelle Diplomatie des Archipels.

Eine eigens beauftragte „PRE-ROI“-Studie schätzte die Reichweite auf 58,4 Millionen Werbekontakte und einen äquivalenten Werbewert von 500.000 Euro. In Madrid liefen ein 15-Sekunden-Spot in den 2200 Bussen der städtischen Verkehrsbetriebe über vier Wochen, Anzeigen auf den Digitalbildschirmen am Callao-Platz und an der Einkaufsstraße Gran Vía sowie 180 Spots auf einem Radiosender. Zusätzlich wurden 3800 Plakate in Studentenwohnheimen, nahe Universitäten und in Ausgehzonen angebracht.

Werbekampagne für Kanaren-Festival lief auch auf dem Archipel

Auf den Kanaren umfasste die Kampagne 163 Radiospots, eine ganzseitige Printanzeige und 310.000 Ausspielungen in deren digitalen Ausgaben. Hinzu kamen Werbung im Bordmagazin von Binter sowie 130 Spots auf Televisión Canaria. Das Festival war zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung bereits ausverkauft.

Das große Paket an Werbeformaten erklärt das große Interesse der Kanaren an der Veranstaltung. Ob die Vergabe zu kurzfristig oder einseitig war und ob es rechtzeitig Alternativen gegeben hätte, muss nun aufgearbeitet werden.

Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Kommentieren ist Teneriffa-News-Mitgliedern vorbehalten. Jetzt anmelden oder Mitglied werden.