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Kanaren: Darum starb der Migrant, obwohl er El Hierro erreichte


50 Menschen aus einem einzigen Boot haben den Weg auf die Kanarischen Inseln nicht überstanden. Nun steht fest, warum ein Migrant auch nach dem Erreichen von El Hierro noch verstarb.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 2 Minuten

Etwa 50 Menschen aus einem einzigen Flüchtlingsboot haben die Überfahrt auf die Kanarischen Inseln mit ihrem Leben bezahlt. Das geht aus den Aussagen der Überlebenden und Ermittlungen der Guardia Civil hervor. Demnach stachen 110 bis 120 Menschen gemeinsam in See. Die Inseln erreichten jedoch nur 67 von ihnen.

Das Boot der Migranten trieb rund zehn Tage auf dem Meer. Dann wurden die Migranten von der kanarischen Küstenwache gerettet. Bei ihrer Ankunft in La Restinga auf El Hierro machten die meisten der Insassen einen schwer verstörten Eindruck. Das teilten die Helfer an Land mit.

Die 67 Überlebenden sagten aus, dass die Verstorbenen nach ihrem Tod den Fluten übergeben worden seien. Und die Fälle mehrten sich, je länger das Boot auf dem Meer trieb. Wie gefährlich diese Dauer ist, zeigt der Fall des Mannes, der die Kanaren in dieser Woche zwar erreichte, dann jedoch auf El Hierro den Strapazen der Reise erlag.

Kanaren-Flüchtlinge berichten von dramatischer Überfahrt

Um drei der Überlebenden stand es bei ihrer Ankunft so schlecht, dass sie mit einem Hubschrauber nach Teneriffa ausgeflogen werden mussten. Die Migranten erreichten die Kanarischen Inseln dehydriert und traumatisiert. Sie wurden umgehend von medizinischem Personal versorgt, das die Berichte aufnahm.

Die Guardia Civil nahm die genannten Zahlen auf See Verstorbener zunächst vorsichtig entgegen. Schnell hieß es, dass die tatsächliche Zahl mutmaßlich deutlich höher sein könnte. Und diese Vermutung bestätigte sich wenig später.

Im provisorischen Aufnahmezentrum in San Andrés dürfen die Migranten maximal 72 Stunden verbleiben. In dieser Zeit wird ihre Identität festgestellt. Dabei berichteten viele von ihnen, dass die Gruppe anfangs aus 110 bis 120 Menschen bestanden habe. Sie seien gemeinsam in Mauretanien aufgebrochen. Damit werden derzeit 40 bis 50 Menschen vermisst – darunter auch Frauen und Kinder.

Kanaren-Route: Viele Migranten verhungern und verdursten

Die bisherige Rekonstruktion der Reise legt nah, dass das Boot 13 Tage unterwegs war. Aufgebrochen in Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, begaben sich die Menschen auf den etwa 1100 Kilometer langen Weg zu den Kanarischen Inseln. Nach drei Tagen versagte dann der Motor, weshalb die Menschen in den folgenden zehn Tagen Strömung und Wind ausgesetzt waren.

Unterdessen gab eine Untersuchung des Verstorbenen, der El Hierro zwar erreichte, dann jedoch den Strapazen der Überfahrt erlag, Aufschluss über dessen Todesursache. Der Obduktion zufolge war der Mann verhungert und zugleich an einer zu hohen Dosis Natrium verstorben.

Dieser Salzschock tritt ein, wenn über einen längeren Zeitraum größere Mengen Meerwasser getrunken werden. Immer wieder geht an Bord der Flüchtlingsboote das Wasser aus, weshalb einige Menschen damit beginnen, Wasser aus dem Meer zu trinken.


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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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