Experten sprechen von einer Lawine der Zahlungsunfähigkeit. Mit rund 60.000 Verfahren haben die Gerichte auf den Kanaren im Jahr 2022 so viele Fälle privater Säumnis bearbeitet wie nie zuvor. Das liegt auch an einem Geschäftsmodell.
Banken verkaufen die Forderungen an ihre Kunden immer öfter an so genannte „Geierfonds“. Diese kaufen geringe Schulden auf und treiben sie ein. Oft verändern sich dabei entweder die Gebühren oder der Zinssatz. Viele Betroffene versäumen die Fristen. Und landen schließlich vor Gericht.
Im vergangenen Jahr haben die Gerichte auf den Kanarischen Inseln so viele Fälle wie seit mindestens 17 Jahren nicht mehr bearbeitet. Der Grund: Vorher waren keine Daten über derlei Verfahren erhoben worden. Experten rechnen damit, dass es auch zuvor nicht mehr Betroffene gegeben hat.
Ratenzahlungen auf den Kanaren oft der erste Schritt in die Schuldenfalle
Die Probleme beginnen oft an der gleichen Stelle: Privatkunden werden von ihren Kreditinstituten mit besonderen Kreditkarten ausgestattet. Diese „Revolving-Karten“ haben integrierte Teilrückzahlungen. So müssen die Ausgaben nicht auf einmal, sondern können auf Raten zurückgezahlt werden. Das geht oft gut – bis unvorhergesehenes passiert.
Als im Jahr 2022 die Preise stiegen und viele Familien Probleme damit bekamen, Strom, Wasser und gleichzeitig die steigenden Preise in den Supermärkten zu bezahlen, gab es diverse Fälle von Zahlungsunfähigkeit bei der Rückzahlung zusätzlicher Investitionen.
Viele Banken und Kreditgeber haben ihre Mahnverfahren dann ausgelagert. „Geierfonds“ kaufen die Schuld für einen Teil der eigentlichen Summe ein. Die Banken haben damit Planungssicherheit und müssen sich nicht mit langen juristischen Folgen auseinandersetzen. Und die Fonds kassieren über ihre Gebühren.
Fälle privater Zahlungsunfähigkeit seit Corona doppelt so oft vor Gericht
Für Schuldner gibt es zwei Wege: Sie bezahlen oder sie finden sich in einem Prozess wieder. Denn laut Verbraucherschützern verstehen viele Menschen nicht, dass die Post plötzlich von einem Unternehmen kommt, mit dem sie nie keinen Vertrag abgeschlossen haben. Und so lassen sie die gesetzte Frist von 20 Tagen häufig verstreichen. Am Ende dieser Zeit landet der Fall dann vor Gericht.
Die Fälle, mit denen sich die kanarische Justiz auseinandersetzen musste, haben sehr häufig ein ähnliches Muster: Oft liegen die dort verhandelten Schulden zwischen 1000 und 3000 Euro. In den Jahren vor Corona wurden bis zu 30.000 solcher Fälle verhandelt. Laut den Daten des Obersten Gerichtshofs der Kanarischen Inseln hat sich diese Zahl innerhalb kürzester Zeit verdoppelt.
Kredit-Klagen: Anwälte auf den Kanaren spezialisieren sich
Inzwischen gibt es Anwaltskanzleien auf den Kanarischen Inseln, die sich auf das Verteidigen privater Schulden spezialisiert haben. Sie sehen ihre Mandanten als Opfer eines Systems. Und sie haben immer häufiger Erfolg.
Im Süden Teneriffas agiert eine Anwaltskanzlei, der es bereits vielfach gelang, die Forderungen der Fonds vor Gericht als ungerechtfertigt zu belegen. Hinzu kommt, dass auch den Kreditinstituten nachgewiesen wurde, dass ihre Gebühren oder Zinsen unzulässig waren.
In der Folge wurden die betroffenen Familien nicht nur von den zu hohen Forderungen der eintreibenden Unternehmen befreit, auch die Kreditinstitute mussten bereits zu hohe Gebühren zurückzahlen. In einem dieser Fälle waren anstatt der üblichen 7,8 Prozent Zinsen satte 25,64 Prozent gefordert worden. Der Verteidigung gelang es in diesem Fall sogar, dass die gesamten Schulden erlassen wurden.
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Leserkommentare zu:
Kanaren-Familien in der Schuldenfalle: Das perfide Geschäft mit dem Bankrott
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