Kanaren: Jeder dritte Anwohner ist von Armut bedroht


Die Anwohner der Kanarischen Inseln leben öfter unterhalb der Armutsgrenze als der Rest Spaniens. Das geht aus einem aktuellen Bericht hervor. Demnach ist etwa ein Drittel aller Anwohner des Archipels betroffen. Experten sehen schwierige Zeiten auf die Bewohner der Inseln zukommen.

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Mehr als jeder dritte Kanario ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht oder leidet bereits konkret unter den Auswirkungen. Das geht aus einem Bericht des Europäischen Netzwerks zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (EAPN) hervor. Mit 35 Prozent der Bevölkerung liegt der Wert auf den Kanarischen Inseln um zehn Prozentpunkte höher als im Rest des Landes.

Zwar hat die Corona-Krise Einfluss auf diesen Wert, ihn jedoch nur darauf zurückzuführen, wäre falsch. Das zeigt ein Blick auf die Vorjahreszahlen. Damals waren sogar 36 Prozent der Kanarios in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Spanienweit liegt das Risiko, von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen zu sein, bei 25,3 Prozent. Damit ist in etwa jeder vierte Bürger des Landes betroffen. Dies entspricht rund 11,8 Millionen Menschen.

Kanaren: Mehr als jeder zweite Anwohner hat finanzielle Schwierigkeiten

Dem Bericht zufolge hatte bereits im Jahr 2019 mehr als jeder zweite Anwohner (53,7 Prozent) der Kanarischen Inseln Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Die Grenze, um von Armut gefährdet zu sein, liegt bei 641 Euro pro Monat und Person. Im Vorjahr gehörten 28,5 Prozent der Kanarios dieser Bevölkerungsgruppe an. Das entspricht knapp 630.000 Menschen. Als explizit arm galten knapp 250.000 Menschen (11,2 Prozent).

Die stellvertretende Ministerin für soziale Rechte auf den Kanarischen Inseln, Gemma Martínez, erklärte die Agenda 2020 für „gescheitert“. Die im Jahr 2014 proklamierte makroökonomische Erholung sei ausgeblieben.

Das ärmste Viertel der Bevölkerung habe im vergangenen Jahr bereits mehr als zehn Prozent des Realeinkommens verloren. Dies bedeute, dass „es einen großen Prozentsatz in der Bevölkerung gibt, der wirtschaftlich nicht in der Lage ist, eine Krise vom Ausmaß der Covid-19-Situation zu bewältigen“.

EAPN-Canarias-Präsident rechnet mit Verschlimmerung der Lage

Auch der Präsident der EAPN Canarias betont, dass das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre „weder Entwicklung gebracht noch eine Umkehr der Armutsraten auf den Kanarischen Inseln bedeutet hat“. Juan Carlos Lorenzo prognostizierte sogar, dass sich die Situation weiter verschärfen werde.

Für die Zwischenzeit hat das Ministerium für soziale Rechte, Gleichstellung, Vielfalt und Jugend am Mittwoch eine zweite Zahlung des kanarischen Noteinkommens angekündigt. „Dieses Einkommen ist eine Erleichterung für die Menschen, die am schlimmsten betroffen sind. Wir sind die einzige Gemeinschaft im gesamten Staat, die über ein solches Noteinkommen verfügt“, sagte die Ministerin für soziale Rechte, Noemí Santana.

Experten sehen darin allenfalls einen kosmetischen Effekt. Nach Meinung von EAPN-Canarias-Präsident Lorenzo wäre auch ein reiner Wiederaufbau nach der Corona-Krise „unzureichend“. Es gehe „nicht darum, etwas zu reaktivieren, was nicht mehr funktioniert hat“, sondern darum, „auf eine andere, praktischere, rationellere, operationellere, solidere und energischere Weise aufzubauen“, um „effektivere Prozesse der sozialen Eingliederung“ zu schaffen.

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.