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Kanaren: Jeder zweite Tag war 2023 deutlich zu heiß – was die Daten zeigen


An 345 Tagen des vergangenen Jahres lagen die Temperaturen auf den Kanaren über der Norm. An fast jedem zweiten sogar vergleichsweise extrem. Das führt zu Veränderungen für die Inseln.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

Die Kanarischen Inseln verabschieden ein Jahr außergewöhnlicher Temperaturen. Allein die Tage, an denen die Thermometer auf den Kanaren Werte deutlich über dem Normalwert anzeigten, erreichten summiert etwa fünfeinhalb Monate.

Konkret waren die Kanarischen Inseln an 165 Tagen extremen Temperaturen ausgesetzt. Das ist fast jeder zweite Tag des Jahres (45 Prozent). Und damit geht 2023 als ungewöhnlich heiß in die Geschichte der Kanarischen Inseln ein.

Forscher gehen davon aus, dass solche Werte in Zukunft zur Normalität gehören werden und eine Rückkehr zu früheren Temperaturen unwahrscheinlich ist. Das bedeutet für den Archipel deutliche Veränderungen. Was genau die Daten zeigen.

Kanaren verzeichnen 345 heiße Tage innerhalb eines Jahres

Dominic Royé arbeitet als Wissenschaftler bei der Stiftung für Klimaforschung (FIClima). Der Geograph sammelt für Spaniens staatliche Meteorologische Agentur Aemet an acht auf dem Archipel verteilten Wetterstationen Daten und wertet diese aus.

Die Wetterstationen stehen an den Flughäfen der Kanarischen Inseln sowie im Atmosphären-Forschungs-Zentrum von Izaña auf Teneriffa. Und im vergangenen Jahr 2023 sammelten sie Daten, die deutlich über dem Normwert lagen.

Laut Wetterdaten gab es an den 365 Tagen des Vorjahres auf den Kanaren 345 heiße Tage. Das sind rund elfeinhalb der zwölf Monate 2023. Die extremsten dieser Tage erreichten Temperaturen von 6,6 Grad über dem Durchschnitt.

Royé nimmt sogleich jede Hoffnung auf leichte Kursabweichungen: “Es ist bemerkenswert, dass die Abweichungen nicht bei Zehnteln lagen, sondern bei mehreren Grad.” Für den Klimaforscher sei das “ein Zeichen für die Beschleunigung der globalen Erwärmung”.

Die durchschnittlichen Temperaturen auf den Kanaren 2023

Die Temperatur-Übersicht auf den Kanaren im Jahr 2023. Die untere gestrichelte Linie zeigt den Temperatur-Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Daten: Aemet, Aufbereitung: Dominic Royé

Kanaren: 2023 gab es vier Hitzewellen und mehrere Hochtemperaturphasen

Der Blick auf 2022 setzt das vergangene Jahr nochmals ins Verhältnis. Denn im vorletzten Jahr gab es bereits 83 Tage mit extrem nach oben abweichenden Temperaturen. Hinzu kamen zwei Tage mit verhältnismäßig sehr großen Abweichungen nach unten.

2023 lag die Zahl der extrem heißen Tage somit bei genau der zweifachen Menge. Extrem kalte Tage gab es laut wissenschaftlicher Deutung hingegen keinen einzigen, lediglich 19 kühlere Tage als üblich – alle im Februar.

Dafür gab es im Jahr 2023 drei Hitzewellen sowie diverse Hochtemperatur-Phasen. Aus den größten Anomalien stechen vier hervor: Die erste Hitzewelle Ende März mündete in einer Hochtemperaturphase Ende des Monats.

Die durchschnittlichen Temperaturen lagen 7,2 Grad über dem Monatsdurchschnitt. In La Aldea de San Nicolás auf Gran Canaria wurden am 30. März 38,2 Grad Celsius gemessen. Das war der höchste, jemals im März auf den Kanarischen Inseln gemessene Wert.

Verlauf des Waldbrands auf Teneriffa wird auch auf Hitzewellen zurückgeführt

Die zweitstärkste Klima-Anomalie erreichte ebenfalls eine Abweichung um 7,2 Grad. Sie wurde im Oktober registriert – und lag damit ebenfalls nicht im Hochsommer. Die Anomalie lag mitten in der längsten, je auf den Kanaren gemessenen Hitzewelle zwischen dem 2. und 17. des Monats. Damals wurden auch mehrere Reaktivierungen des historischen Waldbrands auf Teneriffa mit diesem Extremwetter in Verbindung gebracht.

Ausgebrochen war das Feuer im August. Die Kanaren erlebten damals zwei aufeinanderfolgende Hochtemperaturphasen: Die erste zwischen dem 10. und 14. sowie die zweite vom 20. bis 24. August. Die Abweichungen lagen damals bei 6,4 und 6,3 Grad.

Weniger Azoren-Ausläufer und mehr Calimas auf den Kanaren

Auch die Universität La Laguna (ULL) verzeichnet diese enormen Abweichungen. Abel López arbeitet dort am Lehrstuhl für Katastrophenvorsorge. Der Forscher sagt: “Wir haben wir in diesem Jahr, in dem die Hitze die Inseln nicht verlassen wollte, zwei der schlimmsten Hitzewellen erlitten, die es auf den Kanarischen Inseln seit Beginn der Aufzeichnungen je gegeben hat: im August und im Oktober.”

Der Direktor des Zentrums für Atmosphärenforschung des Aemet auf Teneriffa, Carlos Torres, ergänzt, dass sich die “synoptischen Muster” verändern würden. Ihm zufolge hätten die Passatwinde nicht so stark geweht wie in anderen Jahren. Zudem habe sich das Azorenhoch, dessen Ausläufer auf den benachbarten Kanaren bisher regelmäßig für kühlere und feuchte Winde sorgte, verlagert und an Stärke verloren.

Das führe zu häufigeren nordöstlichen Winden vom afrikanischen Kontinent her. Und das würde Calima-Wetterlagen verstärken. Dabei handelt es sich um Sandstürme mit trockener, heißer Luft aus Richtung der nur wenige Hundert Kilometer östlich gelegenen Sahara. “Tatsächlich hat sich in diesem Jahr die Zahl der Tage, an denen Schwebestaub in der Luft lag, erhöht”, sagt Torres.

Klima-Forscher: “Kanaren stehen vor einer neuen Realität”

Für López deutet alles auf eine dauerhafte Veränderung des Kanaren-Klimas hin. Mit Blick auf die Zukunft hält es der Forscher für “so gut wie sicher, dass die Zahl der Hitzewellen in den kommenden Jahren zunehmen wird”. Auch “ihre Intensität und Dauer”, ergänzt López.

Für ihn sei das Jahr 2023 dafür gut gewesen, auf den Kanarischen Inseln “über Anpassungen nachzudenken und zu handeln”. Es sei wichtig, über Klimaschutzgebiete und eine Anpassung der verschiedenen Wirtschaftssektoren der Kanarischen Inseln zu sprechen. Schließlich deute alles auf eine neue Realität hin, sagt der Forscher.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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