Migration auf die Kanaren: Immer mehr Kinder erreichen die Inseln


Die Kanarischen Inseln betreuen derzeit rund 2700 unbegleitete minderjährige Migranten. Die Regierung fordert Hilfe aus anderen Regionen. Doch die läuft nur schleppend an. Viele Kinder warten auf ihre Adoption.

Lesedauer: 2 Min.

Rund ein Fünftel mehr minderjährige Migranten als noch im Vorjahr haben den Weg auf die Kanarischen Inseln gefunden. Das berichtet die regionale Regierung. Andere Regionen des Landes sollen bei der Aufnahme helfen. Doch bisher sehen sich die Kanaren alleingelassen.

Mit derzeit 2725 Minderjährigen sind in diesem Jahr 18,4 Prozent mehr junge Migranten angekommen als noch im Vorjahr. Doch solidarische Hilfe aus anderen Teilen Spaniens ist rar. Keine vier Prozent der Minderjährigen kamen bisher in anderen Gebieten unter. Das berichtet die kanarische Regierung weiter.

Erst 101 Personen haben den Weg in ihre Übergangsheimat gefunden: 43 nach Katalonien, 25 nach Extremadura, 18 nach Castilla y León und 15 nach Navarra. Dies sei „unzureichend“, wie die kanarische Regierung nun betonte. Sprecher Julio Pérez forderte daher ein Gesetz, das aus der bisher lediglich solidarischen Aufteilung klare Vorgaben mache.

Auch Hilfsorganisationen zeigten sich zuletzt beunruhigt über die Bilder vieler jüngerer Personen, die in den nicht hochseetauglichen Booten die gefährliche Überfahrt vom afrikanischen Kontinent aus antreten. Aus Marokko wird berichtet, dass in immer mehr Booten vier bis sechs Kinder oder Jugendliche säßen.

Migration auf die Kanaren: Spaniens Geschichte wiederholt sich

Die spanische Kommission für Flüchtlingshilfe (CEAR) spricht davon, dass inzwischen bis zu 30 Prozent der ankommenden Migranten nicht volljährig seien. Und das Verhältnis könne weiter steigen, hieß es.

CEAR kritisiert zudem den aktuellen Kurs der spanischen Regierung. Es sei kein angemessener Plan, mit dem auf die aktuelle Situation auf hoher See und den Kanarischen Inseln reagiert werde. Laut der Organisation erinnere die Situation stark an die „Cayuco-Krise“ von 2006.

Damals waren binnen eines Jahres 31.678 Hilfesuchende auf den Kanarischen Inseln angekommen. Durch Abkommen und einen strategischen Kurs war es gelungen, den Flüchtlingsstrom seinerzeit zu reduzieren. In den dann folgenden zwölf Jahren waren zusammen nur noch 18.605 Migranten gezählt worden. Doch diesmal wirkt Madrid weniger entschlossen und auch von der EU gibt es bisher wenig Hilfsangebote.

2018 waren in Andalusien, Ceuta und Melilla rund 7000 Minderjährige angekommen. Damals glich die Situation vor Ort einem Zusammenbruch der Infrastruktur. Insbesondere mit diesem noch recht frischen Wissen aus der jüngeren Vergangenheit löst die Tatenlosigkeit der aktuellen spanischen Regierung Unverständnis aus.

Kanarische Inseln: Flüchtlings-Kinder warten auf ihre Adoption

Derzeit müssen sich Minderjährige, die Mitgereiste als Verwandte benennen, gemeinsam mit ihnen einem DNA-Test unterziehen. Der Prozess verzögert sich aufgrund der aktuellen pandemischen Situation allerdings immer häufiger.

Kinder, die ohne Bezugsperson auf den Inseln ankommen, werden unterdessen in Pflegefamilien untergebracht. Auf Gran Canaria ist das in diesem Jahr bereits in drei Fällen geschehen, während sechs weitere geprüft werden. Auf Teneriffa sind inzwischen sieben Kinder in Pflegefamilien untergebracht worden. Sieben weitere warten noch auf ihre Zuteilung.

Im Anschluss daran soll recherchiert werden, ob es in Europa Verwandte gibt, die die Kinder aufnehmen können. Gelingt dies nicht, werden sie zur Adoption freigegeben. Im Vorjahr fanden auf diese Weise 221 Kinder und Jugendliche neue Familien.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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