Vulkan wird aktiver: La Palma ruft nach Erdbebenserie Alarmstufe Gelb aus


700 Erdbeben haben Seismologen seit Samstag auf La Palma registriert. Zudem verformt sich die Oberfläche der Kanaren-Insel. Es gilt Alarmstufe Gelb. Ein Vulkanausbruch ist denkbar.

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Zuletzt war es ein Erdbeben der Stärke 3,5 auf der Richterskala, das auch die Bewohner der Kanaren-Insel La Palma registrierten. Beben dieser Stärke gelten laut Matrix als „sehr leicht“, dabei aber „oft spürbar“. Seit Samstag gab es rund 700 Erschütterungen. Das Instituto Geográfico Nacional (IGN) rief nun sogar Alarmstufe Gelb aus.

Die jüngsten Beben bilden den größten Schwarm seit Jahren, wie das IGN mitteilte. In der Folge verformte sich die Oberfläche der Insel um etwa anderthalb Zentimeter. Eine Gefahr für die Bevölkerung gebe es zum aktuellen Zeitpunkt ausdrücklich nicht, heißt es. Einen Ausbruch in der Zukunft möchte jedoch niemand ausschließen.


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Zuletzt war auf La Palma im Jahr 1971 der Teneguía-Vulkan ausgebrochen. Es sei grundsätzlich vorstellbar, dass sich ein solches Szenario wiederholt, sagte Luca D’Auria, Direktor des Überwachungsbereichs des Vulkanologischen Instituts der Kanarischen Inseln (Involcan) in einem Zeitungsinterview. Dank der sehr genauen Überwachung gebe es allerdings „genug Reaktionszeit“, wenn ein solches Szenario näher rücken sollte.

Dazu gehören beispielsweise stärker werden Erdbeben. Ausgelöst werden diese unter anderem durch Bewegungen von Magma unter der Erdoberfläche. „Das Magma sucht nach einem Ausweg“, erklärt D’Auria.

Die Erschütterungen, die zuletzt in Los Llanos de Aridane, El Paso, Fuencaliente und Mazo zu spüren waren, müssen noch keine dieser Vorboten sein. Dennoch nahm die Häufigkeit jüngst zu, wie auch der Vulkanologe bestätigt. Zuletzt in rund zehn Kilometern Tiefe.

Setzt sich Magma in größeren Mengen in Bewegung, sind im Regelfall zwei Szenarien denkbar: Entweder das flüssige Gestein erreicht eine Kammer und begibt sich dort in einen Ruhezustand oder – insbesondere bei größeren Mengen – es wird bis an die Oberfläche transportiert, es entsteht also ein Vulkanausbruch.

Beim jüngsten Zwischenfall dieser Art vor 50 Jahren waren die Messungen mit den heutigen nicht vergleichbar. Entsprechend fehlen Vergleichswerte bei den Vorboten. Inzwischen werden Erschütterungen auf die Millisekunde genau registriert, so dass daraus Erfahrungswerte für künftige Häufungen und mögliche Ausbrüche gesammelt werden können.

Vulkan auf La Palma seit 2017 immer aktiver

Zuletzt waren insbesondere im Westen der Insel solche Erschütterungen zu spüren gewesen. Genau zur Frühstückszeit, gegen 7 Uhr, hatte ein Beben die Region um Los Llanos am Dienstag in Bewegung versetzt.

Während Erschütterungen insbesondere auf Inseln vulkanischen Ursprungs normal sind, gelten Aktivitäten wie die aktuellen als seltener. „Nach dem Ausbruch von Teneguía blieb es auf der Insel La Palma bis 2017 still“, sagt Luca D’Auria. Danach wurden drei größere Schwärme registriert.

Im vergangenen September meldete die geochemische Überwachung von Involcan dann am Cumbre Vieja die höchste Helium-3-Konzentration seit drei Jahrzehnten. Der Austritt des Gases markierte ein Art Wendepunkt in der Entwicklung des Vulkans.

Ein Jahr ist dies nun her. Und seitdem hat die Zahl der Schwärme zugenommen. Den Aktuellen mitgezählt, waren es sieben. Auch die Intensität gilt als zunehmend. Die Epizentren rückten dabei immer etwas näher an die Oberfläche.

La Palma: Kanaren rufen Alarmstufe Gelb für Vulkan-Risiken aus

Die Regierung der Kanarischen Inseln reagierte nun und aktivierte den Sonderplan für Katastrophenschutz und Notfallvorsorge bei Vulkan-Risiken (Pevolca). Dabei wurden vier Gemeinden in die Gelbe Alarmstufe versetzt. In der Folge wird die vulkanische Aktivität noch genauer überwacht und die Kommunikation verstärkt.

Einen Vergleich zu den Aktivitäten vor zehn Jahren von El Hierro vermeidet D’Auria hingegen konsequent. Damals war vor der Nachbarinsel ein Vulkan unter der Meeresoberfläche ausgebrochen. Die Art und Weise sei unterschiedlich und auch handle es sich um verschiedene Vulkane, die unterschiedlich betrachtet werden müssten.

„In den letzten Phasen sind Prognosen viel einfacher“, sagt D’Auria und rief die Bevölkerung dazu auf, Ruhe zu bewahren. Ein Ausbruch könne Wochen, Jahre oder Jahrzehnte dauern. Die Verformung der Oberfläche würde zuvor deutlich zunehmen – um zehn bis 15 Zentimeter. „Wir analysieren die Daten, um zu sehen, ob es eine signifikante Verformung gibt, aber es sind bisher nur sehr wenige Zentimeter“, sagte er.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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