Früher stand Kiko Ratón mit Größen wie Robert Enke auf dem Platz, trainiert von Trainer-Legenden wie Ewald Lienen und zahlreichen spanischen Star-Coaches. Heute stürmt Francisco José González Expósito, wie der frühere Profi-Stürmer von CD Tenerife mit bürgerlichem Namen heißt, im Norden der Insel bei CD Puerto Cruz, mit seinem Sohn Pablo.
«Kikooo» schallt es 20 Minuten vor Ende der Partie gegen AU Güímar am Sonntag über den Platz. Der Trainer gibt das Signal, das auch der Gegner hören soll. Wenn ein früherer Profi aufs Feld geschickt wird, macht das etwas mit der eigenen Mannschaft, aber eben auch mit der gegnerischen.
Ratón, übersetzt «die Maus», joggt entspannt zur Bank. Dort angekommen, streift er sich das weiße Trikot mit goldener Aufschrift und seiner Nummer 9 über. Dann gibt es letzte Anweisungen vom Trainer, bevor Ratón eine Viertelstunde vor Schluss zu seinem Ritual ansetzt:
Kiko Ratón stürmt noch – nur eben etwas langsamer
Er nimmt seine Kette ab, küsst sie und steckt sie sich in den Stutzen. In den spanischen Ligen ist es verboten, mit Kette zu spielen. Unter die langen Socken blickt hingegen niemand. Und so bleibt sein Talisman wie immer am Körper. Dann wird der Stürmer eingewechselt – selbstverständlich standesgemäß mit Kapitänsbinde.
Spielte er früher mit internationalen Fußballgrößen zusammen, stand er in Puerto de la Cruz im Jahr 2024, mit 48 Jahren, plötzlich mit seinem eigenen Sohn auf dem Feld. Ein Kreis sollte sich schließen. Doch ans Aufhören dachte Ratón nicht. Während sein Sohn inzwischen die Jugendauswahl des Klubs unterstützt, verlängerte der Vater nochmal um ein Jahr.
Mit heute 50 Jahren ist Kiko Ratón nicht mehr so explosiv wie einst. Wer nach Bildern der «Maus» sucht, findet viele Schnappschüsse im Vollsprint. In der «Interinsular Preferente», wie die Liga heißt, geht es heute deutlich athletischer zu Werke als früher. Das Spiel ist enorm physisch, fast alle Spieler auf dem Feld sind extrem schnell. Kiko Ratón hat diese Spritzigkeit heute nicht mehr, doch er macht das mit Erfahrung wett:

Der frühere Star von CD Teneriffa ist heute zwar langsamer, steht jedoch oft richtig. Setzt der Gegner zu einem Konter an, unterbindet er den Spielzug mit einem geschickten Schubser – immer hart an der Gelben Karte und doch ohne verwarnt zu werden. Wer nicht mehr so schnell ist, benötigt eben ein gutes Stellungsspiel. Viele Profis, die ihre Karriere ausklingen lassen, kennen das. Der deutsche Ex-Nationalspieler Mats Hummels zum Beispiel macht gern selbst Witze über seine mindestens rund ums Karriereende fehlende Geschwindigkeit. Doch wer richtig steht, muss weniger oder kann zumindest langsamer laufen.
Kiko Ratón: Der Legende zwickt der Rücken
Auf das Spiel gegen Güímar kann Ratón dennoch keinen signifikanten Einfluss mehr nehmen. Als er eine Viertelstunde vor Ende eingewechselt wird, ist die Hoffnung zwar groß, doch es dauert bis zu seinem ersten Ballkontakt. Und das gesamte Spiel über kommt Puerto Cruz nur selten vors gegnerische Tor. Die einzige Chance nach der Einwechslung der Legende vergibt sein Mitspieler.
Kiko Ratón geht nach einem Zweikampf kurz vor Schluss zu Boden. Er hält sich den Rücken und sackt wenig später mit den Händen auf die Knie, dann biegt er sich durch, wirkt jedoch sichtlich mitgenommen:

Der Körper des 50-Jährigen ist nach so vielen Jahren im Fußball mitgenommen. Und doch ist es beachtlich, dass es noch immer für eine Viertelstunde gegen die Jungen Wilden der Insel reicht. Dann jedoch hat der Schiedsrichter ein Einsehen. Er beendet die Partie nach sehr kurzer Nachspielzeit. Ratón hält noch einen Plausch mit den Kollegen am Mittelkreis, dann geht es unter sichtlichen Schmerzen in Richtung Kabine.
Ob Kiko Ratón noch ein Jahr dranhängt, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist jedoch die verdiente Fußballer-Rente. Vielleicht gibt es zuvor noch ein Spiel mit seinem Sohn. Verdiente Spieler dürfen sich zum Abschied oft etwas wünschen. Im Fall von Ratón dürfte der lauten, ein letztes Mal den Talisman in den Stutzen zu stopfen und dann an der Seite von Sohn Pablo ins Stadion El Peñon einzulaufen.















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