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Donnerstag, 1. Oktober 2026
Puerto de la Cruz

Playa Jardín: Stadt tauscht ein Rohr, doch das Abwasserproblem bleibt

Puerto de la Cruz lässt in Punta Brava ein marodes Abwasserrohr austauschen. Der Bürgermeister steht demonstrativ für Fotos bereit. Am selben Tag wird die Playa Jardín erneut wegen Fäkalkeimen gesperrt. Die Arbeiten sind mehr Schaupolitik als Lösung.
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  • Puerto de la Cruz tauscht in Punta Brava ein marodes städtisches Abwasserrohr aus.
  • Die Stadt sperrte die Playa Grande an der Playa Jardín erneut zähneknirschend wegen erhöhter Fäkalkeime im Badewasser.
  • Für die Wasserqualität am Strand kann der Austausch nichts verändern, auch wenn die Stadt anderes suggeriert. Ein Termin für den dringend nötigen Ersatz des Emissärs fehlt weiter.
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Wer in diesen Tagen durch Punta Brava läuft, sieht Gerüste, Tankwagen und Arbeiter gleich oberhalb der Wellen. Das Rathaus beauftragte die Arbeiten als Notmaßnahme, Bürgermeister Leopoldo Afonso zeigte sich höchstpersönlich vor Ort. In einer Mitteilung der Stadt sagt er: «Wir warten nicht, bis die Leitung versagt, um zu handeln. Wir greifen vorsorglich in eine wesentliche Infrastruktur ein, beseitigen das Risiko von Lecks oder Einleitungen und stärken direkt den Schutz unserer Küste.» Doch die ganze Wahrheit ist das nicht.

Anwohnern und Urlaubern wird suggeriert, dass endlich das seit Jahren bekannte Abwasserproblem an der Playa Jardín gelöst werde. Doch darum geht es bei der öffentlichkeitswirksam fotografierten Baustelle nur teilweise. Rund um Punta Brava und die Playa Jardín gibt es zwei verschiedene Rohre mit zwei verschiedenen Zuständigen. Ersetzt wird nun das städtische Rohr, das Abwasser sicher in die Kläranlage leiten soll. Der gebrochene Emissär des Cabildo bleibt, wie er ist. Und eine Lösung dafür ist vorerst auch nicht in Sicht.

Rohr Nummer eins: Das «Aquädukt» von Punta Brava

Ausgetauscht wird ein Abschnitt des städtischen Abwassersammlers, des sogenannten Kollektors, der im Viertel als «Aquädukt» bekannt ist. Dabei handelt es sich bisher um ein Rohr aus Eisenguss. Es hat einen Durchmesser von 300 Millimetern und verläuft hinter der Calle Añaterve frei zwischen zwei Pfeilern zum Meer hin. Durch dieses Rohr fließt das ungeklärte Abwasser des Viertels zu den Pumpstationen El Caletón und Playa Chica. Diese befördern es direkt bergauf zur Bezirkskläranlage.

Die salzhaltige Meeresluft, hohe Wellen bei Unwettern und starker Wind haben das Rohr über die Jahre enorm in Mitleidenschaft gezogen. Moisés García vom Versorger Aqualia sagte El Día, die Leitung habe ihre Lebensdauer überschritten und könne kollabieren. Zuständig für eine rechtzeitige Reparatur ist die Stadt: Aqualia betreibt das städtische Kanalnetz im Auftrag von Puerto de la Cruz und wurde entsprechend aus dem Rathaus beauftragt. Die Bauleitung liegt beim Ingenieurbüro Trazas Ingeniería.



Die Arbeiten gelten als aufwendig, Aqualia spricht von einer mehrwöchigen Vorbereitung. Für den Austausch wurde dem Unternehmen ein Zeitfenster von sieben Stunden eingeräumt. In dieser Zeit leitete ein provisorischer Bypass das Abwasser des Viertels in Tankwagen um. Das einhergehende Zeichen der Stadt: Abwasser wird nicht mehr ungeklärt ins Meer geleitet – zumindest nicht öffentlich sichtbar.

Das alte Gussrohr wurde nun durch eines aus Faserwerkstoff ersetzt, der eine längere Lebensdauer und deutlich weniger Reaktionen mit dem Salz des Atlantiks an der Playa Jardín verspricht. Afonso spricht von einer «komplexen, aber minutiös geplanten Maßnahme», bei der jeder einzelne Schritt darauf ausgelegt sei, «jede mögliche Beeinträchtigung der Anwohner und der Küstenumwelt auszuschließen». Das neue Rohr liegt inzwischen. Jetzt folgen Betonarbeiten und neue Schachtdeckel.

Die Stadt bemüht rund um diese Arbeiten immer wieder das Wort «präventiv». Der Betreiber sieht das jedoch weitaus nüchterner: Für Aqualia hat die Leitung längst das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Schon vor Jahren mussten zwei andere Abschnitte des Abwasserrohres von Punta Brava bei Playa Chica und in der Calle Víctor Machado repariert werden. Auch damals hieß es, die Lebensdauer sei abgelaufen.

Rohr Nummer zwei: Der gebrochene Emissär vor der Playa Jardín

Das Rohr, das vielen Bewohnern von Puerto de la Cruz beim Stichwort Playa Jardín in den Sinn kommt, ist hingegen ein anderes. Der Emissär von Punta Brava, eine Ablaufleitung auf dem Meeresgrund, trägt das teilgeklärte Wasser aus der Bezirkskläranlage ins Meer. Er ist gut 1,1 Kilometer lang, rund 950 Meter davon verlaufen unter Wasser bis in etwa 30 Meter Tiefe. Etwa 95 Meter vor der Küste ist das Rohr gebrochen, rund 240 Meter gelten als marode.

Für dieses Rohr ist nicht die Stadt zuständig, sondern die Inselverwaltung von Teneriffa mit ihrem Inselwasserrat (Consejo Insular de Aguas). In dessen Auftrag betreibt ebenfalls Aqualia die Bezirkskläranlage. Ein im Juli 2025 geschlossener Vertrag, der die Ersetzung der 240 maroden Meter des Rohrs einleiten sollte, wurde bisher nicht umgesetzt. Zuletzt wurde das Projekt aus technischen Gründen auf Eis gelegt.

Im August kam der Consejo Insular de Aguas zu dem Ergebnis, dass keine der geplanten Varianten machbar sei. Teneriffas Präsidentin Rosa Dávila sagt inzwischen selbst, die beste Lösung sei der Bau eines komplett neuen Emissärs. Das jedoch bedeutet neue Planung, neue Ausschreibung und viel Zeit.

Wie stark der Bruch die Wasserqualität am Strand beeinflusst, ist politisch umstritten. Dávila betont, kein technischer Bericht verknüpfe die Verschmutzung der Playa Jardín direkt mit dem Emissär. Als weitere Ursache gilt, dass Häuser in Punta Brava lange nicht an die Kanalisation angeschlossen waren. Unstrittig ist: Der Bruch ist seit Jahren bekannt, Dávila datiert ihn selbst auf das Jahr 2022. Das teilgeklärte Wasser tritt weiterhin vor der Küste aus und Fotos davon lassen zumindest nicht auf Klarwasser schließen:

Playa Jardin Teneriffa Abwasser-Einleitung ins MeerFoto: WET
An der Playa Jardín auf Teneriffa ist ein Rohr aus der benachbarten Kläranlage gebrochen. Das austretende Wasser ist bräunlich verfärbt.

Die Stadt fordert derweil von der Inselverwaltung die sofortige Reparatur und Erneuerung des Emissärs, zuletzt öffentlich in einer Mitteilung vom 27. September. Damit ordnet Puerto de la Cruz den Emissär selbst klar dem Cabildo zu.

Abwasser vor Puerto de la Cruz: Wo beide Themen verschwimmen

Am Mittwoch musste die Stadt mittags erneut einen Teil der Playa Jardín für Badegäste sperren: An der Playa Grande, der größten der drei Buchten, wurde das Schwimmen untersagt. Angeordnet hatte das die Gesundheitsdirektion für Teneriffa des kanarischen Gesundheitsdienstes. Zuvor zeigten Proben von Montag erhöhte Werte von Enterokokken im Badewasser des beliebtesten Strandes, also Fäkalkeime.

Der Strand war zwischen 2024 und 2025 knapp ein Jahr durchgehend gesperrt. Nach der Freigabe blieb die Playa Jardín über Monate geöffnet, doch innerhalb weniger Wochen ist es bereits die dritte offizielle Sperrung wegen erhöhter Abwasserwerte.

Die Stadt folgt der Anordnung nach eigenen Worten «aus Respekt und Gehorsam gegenüber der Gesundheitsbehörde». Zugleich stellt das Rathaus von Puerto de la Cruz wiederholt die Werte infrage: Das von dort beauftragte Labor Biocontrol Labtec habe in Proben, die nur eine Stunde versetzt genommen wurden, keine Überschreitungen gefunden. Die Stadt verlangt dafür eine technische Erklärung. Schon Anfang September war eine Sperrung nach einem Tag wieder aufgehoben worden, als neue Proben unauffällig waren. Auch damals zeigte man sich in der Stadtspitze ob des Badeverbots verschnupft.

Zudem zählt die Stadt öffentlich einsehbar auf, was sie bis zur Klärung unternehme. Dazu gehört ausdrücklich der mehr oder weniger vorsorgliche Austausch des Kollektors von Punta Brava, womit man die Sicherheit des Kanalnetzes verbessern, die Küste schützen und einen guten Zustand des Wassers sichern wolle. Genau dort verschwimmen die beiden Themen. Bezogen auf den Kollektor sagte Afonso am Mittwoch zu Diario de Avisos, es habe «zu keinem Zeitpunkt Probleme mit Abwassereinleitungen ins Meer» gegeben, das Rohr sei jedoch Jahrzehnte alt und vom Meer zerfressen.

Aus dem Rohr gelangte nach Angaben der Stadt ausdrücklich kein Abwasser ins Meer. Entsprechend kann es auch die aktuellen Messwerte am Strand nicht erklären. Der Austausch, oft genug als «präventiv deklariert», soll künftige Lecks verhindern. Die heutige Wasserqualität verändert die Baustelle hingegen nicht. Auch wenn die Stadt einen solchen Zusammenhang nicht direkt behauptet, erwecken Bilder und Beschreibungen der Arbeiten genau diesen Eindruck. Kalkül ist mindestens denkbar.

Die Meldung zu den Arbeiten erwähnt weder die jüngste Sperrung noch den Emissär. Stattdessen wird eine Infrastruktur beworben, die «sicherer, widerstandsfähiger und besser gerüstet» sei, um «künftigen Umwelt- und Gesundheitsvorfällen vorzubeugen». Für das Kanalnetz der Zukunft in Punta Brava ist das plausibel, für die aktuelle Wasserqualität am Strand hingegen nicht.

Chemieunfall in der Kläranlage nahe Puerto de la Cruz

Auch die Bezirkskläranlage kommt derweil nicht zur Ruhe. Nachdem sich Anwohner über anhaltenden Baulärm beschwerten, müssen sich die Behörden nun einem weiteren Thema widmen: Am Samstag liefen dort rund 1000 Liter einer Lösung mit 25 Prozent Eisenchlorid aus. Der Grund soll eine gebrochene Leitung gewesen sein. Das Mittel bindet feine Schwebstoffe, damit das geklärte Wasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung genutzt werden kann.

Laut Cabildo blieb die Flüssigkeit in der Anlage. Geprüft wird jedoch, ob Chemie über die Regenwasserkanäle ins Meer gelangt sein kann. Aqualia erstattete vorsorglich Anzeige, da man eine vorsätzliche Tat nicht ausschließen könne. Der Inselwasserrat hat bereits interne Vorermittlungen eröffnet, auf deren Ergebnisse die Stadt nun wartet. Weder mit der aktuellen Strandsperrung noch mit dem Aquädukt in Punta Brava habe der Vorfall zu tun, heißt es.

Puerto de la Cruz und das Abwasser: Was all das für Badegäste bedeutet

Die Stadt sieht sich auf dem richtigen Weg. In Punta Brava wird ein korrodiertes Rohr an der Küste ersetzt, bevor es bricht. Das Kanalnetz wird unterdessen ganz normal weiter betrieben. Seit Afonso im August 2024 das Amt übernahm, verweist er auf mehr als einhundert Maßnahmen für die Wasserqualität und auf die Wiedereröffnung der Playa Jardín im Juni 2025. Den Ersatz des Emissärs fordert er zudem beim Cabildo ein.

Abwasser-Arbeiten Playa Jardin Teneriffa Puerto de la Cruz Punta Brava Bürgermeister Leopoldo AfonsoFoto: Aytun
Bürgermeister Leopoldo Afonso zeigt demonstrative Anwesenheit bei den Arbeiten am neuen Abwasserrohr von Punta Brava.

Die Opposition sieht das kritischer. Die PSOE in Puerto de la Cruz, deren Sprecher Marco González bis 2024 selbst Bürgermeister war, verlangt, dass die Rathausspitze sich im Verfahren zum Chemieunfall als Partei beteiligt und die kanarische Umweltaufsicht einschaltet. Die PSOE auf Inselebene wirft Dávila vor, die Arbeiten am Emissär seit Jahren anzukündigen, ohne sie wirklich umzusetzen.

Unabhängig davon bleibt ein Kritikpunkt an der Kommunikation der Stadt: Wer den Austausch des Aquädukts in einem Atemzug mit Strandsperrungen und dem guten Zustand des Wassers nennt, weckt Erwartungen, die diese Baustelle gar nicht erfüllen kann.

Fakt ist: Für Badegäste und die Wasserqualität ändert sich durch die jüngsten, öffentlichkeitswirksam dargestellten Arbeiten vorerst nichts. Der gebrochene Emissär liegt weiter vor der Küste und ein Termin für einen Ersatz existiert nicht. Wer am beliebtesten Strand von Puerto de la Cruz baden möchte, sollte sich deshalb weiter mit der Wasserqualität der Playa Jardín hier bei uns beschäftigen.

Quellen
  1. Ayuntamiento: Puerto de la Cruz kommt in Punta Brava zügig voran (abgerufen am 1.10.2026)
  2. Teneriffa News: Abwasser-Projekt an der Playa Jardín in Puerto de la Cruz vorerst auf Eis (abgerufen am 1.10.2026)
mehr »
  1. El Día: Punta Brava ersetzt den defekten Sammler (abgerufen am 1.10.2026)
  2. Diario de Avisos: Fäkalverschmutzung erzwingt dritte Sperrung der Playa Jardín in diesem Jahr (abgerufen am 1.10.2026)
  3. Atlántico Hoy: Playa Jardín: Gesundheitsbehörde stellt ungünstige Wasserwerte fest, Puerto de la Cruz widerspricht (abgerufen am 1.10.2026)
  4. elDiario.es: Playa Jardín erneut wegen Fäkalabwasser gesperrt (abgerufen am 1.10.2026)
  5. Canal 4 Tenerife: Aqualia hat die Vorfälle in der Kläranlage von Punta Brava in Puerto de la Cruz angezeigt (abgerufen am 1.10.2026)
  6. Libertad Digital Canarias: Puerto de la Cruz ersetzt den Kollektor von Punta Brava wegen starken Verschleißes im Eilverfahren (abgerufen am 1.10.2026)
  7. eigene Recherche
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