Wikie und Keijo werden selbst nichts davon haben. Trotzdem sind die beiden Orcas der Auslöser für einen Vorstoß aus Deutschland. Die beiden Meeressäuger sollen per Luftfracht aus dem Marineland an der Côte d’Azur in den Loro Parque auf Teneriffa umziehen. Der Grund: Frankreichs Tierschutz erlaubt keine Wale in Gefangenschaft mehr. Auf Teneriffa gibt es solche Begrenzungen nicht.
Eine private Initiative nimmt das jetzt zum Anlass, eine Alternative zum Verlegen gefangener Tiere zwischen verschiedenen Zoos zu entwickeln. Die Organisation möchte ein europäisches Meeresrefugium bauen, in dem neben Orcas auch Delfine und Belugas betreut werden können. Die Tiere sollen dafür kein Geld durch Shows oder Nachzucht verdienen müssen.
Ein fertiges Konzept liegt bislang nicht vor, wohl aber ein detailliertes Grundgerüst. Verantwortlich zeichnet die Initiative «Friends for Hope and Animals». Die Tierschutz- und Aufklärungsinitiative wird von Janett Manitzki geleitet. Gemeinsam mit «Ocean Voices Germany» soll das Projekt vorangetrieben werden. Gegenüber Teneriffa News berichtet die Initiative von ihrem Vorhaben, das maßgeblich durch die Meldung rund um die Orca-Verlegung aus Frankreich in den Loro Parque motiviert wurde.
Deutsche Tierschützer wollen Walschutz-Refugium bauen
Das Engagement für Meeressäuger führt die Initiative selbst auf den Fall des Buckelwals «Timmy», auch «Hope» genannt, zurück. Das Wal-Weibchen war am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Wiederholte Strandungen und Rettungsversuche führten zu einem außergewöhnlichen Medienhype.
Nach mehreren gescheiterten Befreiungsversuchen, einer aufwendigen Verlegung in eine Transportbarge und dem Schleppversuch Richtung Nordsee verendete das Tier im Mai vor der dänischen Insel Anholt. Die Rettungsaktion selbst blieb umstritten, eine Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern ergab im Juni eine mehrheitlich kritische Bewertung des Vorgehens.
Tierschützer wollen Orca-Versorgung statt Vergnügungspark
Der Fall des Buckelwals sorgte für die Gründung der Initiative. Diese plant jetzt das «European Seaside Sanctuary for Marine Mammals». Es werde ausdrücklich nicht als Schau- oder Zooeinrichtung gegründet. In ihrem Konzept folgt die Initiative dem Leitsatz: «Wir präsentieren keinen Protest. Wir entwickeln eine belastbare Lösung.»
Als Grundprinzip gilt dort außerdem, dass das «Tierwohl über öffentlicher Darstellung und wirtschaftlicher Nutzung» stehe. Außerdem werde auf Shows als Betriebsmodell und auf Zucht als Projektziel verzichtet. Aufgenommen werden laut Konzept nur Tiere, die sich nicht auswildern lassen. Andere Argumente könnten sein, dass eine Rückkehr in freie Wildbahn fachlich nicht vertretbar sei. Jede Aufnahme werde individuell von Medizinern und Juristen geklärt.
Erste Entwürfe zeigen, wie sich die Initiative die Anlage vorstellt. Geplant sind demnach mehrere getrennte und naturnahe Lagunen, statt eines gemeinsamen Beckens. Außerdem soll es eine große Orca-Lagune geben, mindestens zwei Delfin-Lagunen, eine eigenständige Beluga-Lagune und separate Bereiche für Quarantäne, Eingewöhnung und medizinische Versorgung.
Ankommende Tiere sollen über einen separaten «Servicehafen» und ein Schleusensystem eingeliefert werden. Auf diese Weise könne verhindert werden, dass Boote direkt in die Tierbereiche einfahren. All das sei aktuell jedoch ausdrücklich ein Konzept: Maße, Standort, Statik und Netzdimensionierung seien noch offen und müssten von Meeresbiologen, Veterinärmedizinern und Behörden geprüft werden, berichtet Manitzki.
Deutsche Delfin- und Wal-Rettung steht noch am Anfang
Das gesamte Projekt befindet sich in einer frühen Machbarkeits- und Entwicklungsphase. Momentan fehlen sowohl eine genehmigte Anlage als auch eine Standortzusage. Auch die Idee für einen Neubau-Ort existiert derzeit nicht. Die Finanzierung sei ebenfalls nicht gesichert, berichtet die Initiative.
Man wolle «keine falschen Versprechen machen». Der im Konzept skizzierte Fahrplan sieht als nächsten Schritt einen Funktionsplan vor, gefolgt von einem Standort-Screening, einer Vor-Machbarkeitsstudie und erst danach die eigentliche Genehmigungs- und Bauphase.
Keine Konkurrenz für Orca-Lieferung an Loro Parque auf Teneriffa
«Friends for Hope and Animals» sieht das Lagunen-Projekt nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Refugien. Für die beiden Orcas Wikie und Keijo war ursprünglich das «Whale Sanctuary Project» in Kanada im Gespräch. Es wurde als Ziel aufgrund der zu kalten Gewässer vor Nova Scotia jedoch wieder verworfen. Man wolle statt eines Konkurrenzdenkens lieber eine zusätzliche europäische Perspektive entwickeln, heißt es.
Für Wikie und Keijo dürfte das Projekt in seinem jetzigen Stadium keine praktische Bedeutung mehr haben. Ihr Transfer nach Teneriffa gilt als weitgehend beschlossen. Immerhin sind die beiden Meeressäuger noch vor ihrer Ankunft im Loro Parque auf Teneriffa die Ideengeber für das Projekt.
Ob das «European Seaside Sanctuary» jemals gebaut wird, hängt laut Initiative von Standortsuche, Genehmigungen und Finanzierung ab. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es laut «Friends for Hope and Animals» bislang nicht.
















«Wegen Orca-Umzug in Loro Parque: EU-Alternative für Wal-Zoos geplant»
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