Im Rathaus von Puerto de la Cruz ist die Geduld aufgebraucht. Bürgermeister Leopoldo Afonso und die zuständigen Räte fordern Informationen. Zu lange ist die Lage ungeklärt, zu lange gilt das auch für Kubikmeter von Abwasser, die nahe der beliebten Playa Jardín weiterhin täglich in den Atlantik fließen.
Der Strand galt einst als Vorzeigeprojekt und beliebteste Playa einer ganzen Region. Inzwischen stinkt es immer mehr Anwohnern. Denn auch 26 Monate nach der fast einjährigen Sperrung der Playa sind viele der Probleme, die zu der drastischen Maßnahme führten, noch immer nicht gelöst.
Die Anwohnenden der Kläranlage, die für die Probleme mitverantwortlich ist, haben gleich mehrere Probleme: Zum einen sind mehr Haushalte an die Anlage angeschlossen worden. Mit der steigenden Kapazität nimmt auch die Geruchsbelästigung zu. Zum anderen fordern sie zwar eine schnelle Lösung, doch die dafür nötigen Arbeiten würden unüberhörbar bereits eine Stunde früher beginnen als zulässig. Und bei diesem Zwiespalt bleibt es nicht.
Puerto de la Cruz fordert Lösung für Abwasser am Strand
Unabhängig all dieser Debatten ist das größte Problem die aktuelle Undichtigkeit des Abwasserrohres. Das teilgeklärte Wasser fließt nur rund 95 Meter vom Strand entfernt ins Meer. Eigentlich ist die Leitung einen knappen Kilometer lang und soll erst dort das Wasser an den Atlantik übergeben. Für die Umwelt macht das keinen Unterschied, für Badegäste hingegen schon.
Genau diese Lösung fordern Afonso und seine Räte. Zugleich gehe es auch um die Anwohnerinnen und Anwohner. Die berichten, dass morgens ab 7 Uhr mit Baulärm begonnen werde, obwohl die Stadt laute Arbeiten erst ab 8 Uhr erlaube. In einem offiziellen Schreiben erkundigte sich das zuständige Ressort beim Bauträger und beim Wasserrat von Teneriffa, der den Auftrag erteilte. Nebenbei wolle man mehr zum Baufortschritt herausfinden, heißt es.
Ein Gutachten zu Auswirkungen auf die Umwelt hätte vor Beginn der Arbeiten erstellt werden müssen. Das sei bis heute nicht bei der Stadt eingegangen. Die pocht auf der einen Seite auf Geschwindigkeit, fordert auf der anderen allerdings auch die Einhaltung der städtischen und regionalen Statuten. Zu denen gehört beispielsweise auch das Versetzen von Bäumen, sofern diese im Rahmen der Umbauten im Weg stehen.
Teneriffa bekommt sein Abwasser nicht in den Griff
Unterdessen fordern Anwohner im nahegelegenen «Precise»-Hochhaus, dem ehemaligen Maritim-Hotel, dass die Arbeiten schneller vorangehen und es eine Lösung für die «unerträglichen Geruchsbelästigungen» gibt. Man könne kaum noch lüften, berichtet ein Anwohner unserer Redaktion. Beim Wasserrat erkundigte sich die Nachbarschaft daher nach Lösungen, bisher jedoch ohne Erfolg.
Seit Jahrzehnten bekommt Teneriffa seine Herausforderungen durch mehr und mehr Abwasser nicht in den Griff. Erst die enormen Tourismus-Zuwächse haben sicht- und riechbar gemacht, was schon seit Jahrzehnten unter der Oberfläche in Boden und Meer versinkt. Genau diesen Tourismus gefährden die lange Zeit ignorierten Probleme nun durch Abwasser-Schlagzeilen und üblen Geruch beim Baden. Nicht nur 15 Monate nach Wiedereröffnung an der Playa Jardín, sondern auf dem gesamten Archipel, insbesondere jedoch auf Teneriffa.














«Abwasser: Puerto de la Cruz verliert die Geduld»
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