Der Juli geht als trauriger Höhepunkt eines dunklen Kapitels in die Geschichte der Kanaren ein: Nie verzeichneten die Behörden des Archipels mehr Anrufe wegen geschlechterspezifischer und häuslicher Gewalt. Die eigens bei Gewalt gegen Frauen eingerichtete Notruf-Hotline verzeichnete innerhalb von 31 Tagen 1932 Anrufe.
Damit beenden die Kanarischen Inseln den Monat mit durchschnittlich 62 Hilferufen von Frauen wegen verschiedener Arten geschlechterspezifischer Gewalt. Das ist der höchste Wert, den das Sorgentelefon und der Dienst dahinter seit seiner Gründung registrierte.
Jeder achte Anruf bei der Notrufhotline der Kanarischen Inseln wurde damit von Frauen ausgelöst, die sich unsicher oder konkret bedroht fühlten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutete das ein Plus von 9,5 Prozent. Die Leiterin warnt davor, das Problem rein statistisch zu sehen.
Kanaren: Mehr Notrufe wegen Gewalt gegen Frauen
Gut sechs von zehn Anrufen bei der Hotline wurden durch konkrete Notsituationen ausgelöst, also von Frauen, die sich in unmittelbarer Gefahr wähnten, woraufhin die Hotline die Polizei oder andere Rettungsdienste einschalten musste. 224 Mal wurde der Notfalldienst bei Misshandlungen von Frauen alarmiert. 42 Frauen und 28 zugehörige Minderjährige wurden in Unterkünfte wie Frauenhäuser gebracht. 1127 Polizeikräfte mussten allein im Juli auf den Kanaren wegen geschlechterspezifischer Gewalt ausrücken, dazu wurden 84 weitere Rettungskräfte aktiviert.
Die Behörden auf den Kanaren berichten von einer Zunahme der häuslichen Gewalt und ähnlicher Delikte in den Ferien. „In dieser Zeit steigt das Risiko für Frauen und Minderjährige, die mit einem Gewalttäter zusammenleben“, sagt die Direktorin des Kanarischen Instituts für Gleichstellung, Ana Padrón. Die Expertin fügt an: „Und die Zahlen sind alarmierend.“
Trotz der bekannten Urlaubszeit-Ausreißer sagt Padrón, dass sie keinen konkreten Grund sehe, der den jüngsten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr erkläre. Stets sei der Hauptgrund „ein gewalttätiger Mann“ – und das sei jahreszeitübergreifend ein gleichbleibendes Problem.
Um Verhalten wie dieses nicht zu normalisieren, sei es wichtig, dass Gewalt gegen Frauen nicht in Raster gepresst werde. Zwar sei es deutlich abzulesen, dass bestimmte Zeiträume zu mehr Fällen von Gewalt gegen Frauen führen, dennoch dürfe es keine Erklärungsversuche geben, wenn über Misshandlung und körperliche wie seelische Gewalt gesprochen werde.
Kanaren verzeichnen mehr Gewalt gegen minderjährige Frauen
Auffällig sei zudem, dass mehr Minderjährige die Hotline für Frauen nutzen. Delikte gegen Unter-18-Jährige hätten im Juli deutlich zugenommen. 32 Anrufe Betroffener seien ein Plus von 28 Prozent, berichten die Verantwortlichen der Notrufhotline. Die nächste Altersgruppe der bis 55-Jährigen löste 782 Anrufe aus. Frauen der Altersgruppe über 56 Jahren lösten knapp acht Prozent mehr Anrufe aus als zuvor.
In 1392 Fällen war ein ehemaliger Partner der Aggressor, 183 weitere Fälle wurden von Kindern, anderen Familienangehörigen oder Unbekannten ausgelöst. Vier von zehn Übergriffen waren allgemeine Gewalttaten und damit in etwa gleich viele wie bei seelischer Gewalt. Sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen machen jeden 20. Fall aus.
Padrón sieht bei aller Besorgnis auch eine positive Entwicklung: „Was uns zuversichtlich stimmt, ist, dass nicht mehr nur die betroffene Frau anruft, sondern auch Menschen aus ihrem Umfeld.“ Etwa jeder vierte Hilferuf stammte von einem Hinweisgeber.















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