Corona auf den Kanaren: Braucht es weitere Maßnahmen oder nur Zeit?


Das Gesundheitssystem der Kanarischen Inseln steht unter Druck. Dennoch erwarten die regionalen Experten, dass die Infektionskurve in etwa zehn Tagen abflacht. Andernfalls drohen erneute Ausgangssperren - insbesondere für Gran Canaria und Lanzarote.

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Die Kanarischen Inseln eilen in diesen Tagen von Rekord zu Rekord. Erneut wurden binnen 24 Stunden die meisten Neu-Infektionen seit Ende des Lockdowns registriert. Und wieder stehen Gran Canaria und Lanzarote im Fokus des Geschehens.

Die Test-Kapazitäten haben inzwischen das Niveau der erste Welle erreicht (grau). Dennoch gibt es einen Unterschied: Die positiv ausfallenden PCR-Tests (rot) haben deutlich zugenommen:

Grafik: Gobierno de Canarias

Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der Ermittler, die eigens dafür abgestellt wurden, Infektionsherden nachzuforschen und gezielt Personen herauszusuchen, die getestet werden müssen. Der Streuverlust verringerte sich in der Folge deutlich.

Entsprechend fällt auch die Kurve der Corona-Fälle aus. Die gelben Punkte zeigen die täglich entdeckten Corona-Fälle. Der Anstieg ist ähnlich steil wie zur ersten Welle, doch diesmal kommen deutlich mehr tägliche Fälle hinzu:

Grafik: Gobierno de Canarias

Wörtlich übersetzt ist das ausgegebene Ziel der regionalen Regierung nun „das Biegen der Kurve“, also das Abflachen der gelben Linie. Im März und April wurde das unter anderem durch den Lockdown erreicht. Im August und September sollen strengere Maßnahmen genügen.

Allein in den vergangenen Mess-Perioden kamen täglich jeweils mehr als 300 neue Fälle hinzu, zuletzt 367. Experten sehen darin den Beweis, dass die Inzidenz des Coronavirus in der zweiten Welle höher ist. Kritiker entgegnen, dass dies an den punktgenaueren Tests liege.

Metropolen der Kanarischen Inseln im Corona-Fokus

Doch ungeachtet der Betrachtungsweise konzentriert sich die Regierung der Kanarischen Inseln auf die absolute Zahl. Und dabei besonders auf die beiden stärksten Ausbruchsherde. Auf Gran Canaria und Lanzarote sind die Fälle pro 100.000 Einwohner derzeit mit Abstand am höchsten. Gran Canaria verzeichnet eine kumulative Inzidenz von mehr als 143, Lanzarote liegt bei knapp 104. Damit wurde der Schwellwert von 100 übertroffen, der zu härteren Maßnahmen führt. Auf betroffenen Inseln dürfen beispielsweise nur noch maximal zehn Personen zusammenkommen.

Doch auch El Hierro folgt inzwischen mit einer Inzidenz von 83. Das Wachstum ist also längst kein Problem der größeren Inseln mehr. Wie schnell es auch auf Mikroebene geht, zeigt ein Blick auf die Metropolen: Arrecife, die Hauptstadt von Lanzarote, kommt inzwischen auf 444,31 Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen, während Las Palmas de Gran Canaria bei 422,72 liegt.

Spanienweit liegen ansonsten die Region Madrid mit 416,39 positiven Ergebnissen pro 100.000 Einwohner, Aragon mit 378,76 und Euskadi mit 309,63 an der Spitze. Doch dadurch, dass die Kanarischen Inseln als Ganzes betrachtet werden, relativiert dies die zunächst enorm wirkenden Zahlen. Zusammengenommen steht der Archipel bei 130,49 und liegt damit ein ganzes Stück unter dem nationalen Durchschnitt von aktuell knapp 190.

Schulstart auf den Kanarischen Inseln trotz Corona wahrscheinlich

Sorgen bereitet den Verantwortlichen allerdings der näherrückende Uni- und Schulstart. Die Schließung der Schulen werde „nur in Ausnahmesituationen“ angeordnet, hatte Bildungsministerin Isabel Celaá noch vor wenigen Tagen in Madrid erklärt. Zunächst solle mit Maßnahmen wie einer Maskenpflicht und der Vorgabe zu mindestens fünfmaligem Händewachen pro Tag gearbeitet werden. Ob das auch für die Kanarischen Inseln gilt, werde die regionale Amtskollegin Manuela Armas in Kürze mitteilen, hieß es. Die genauen Maßnahmen würden dem parlamentarischen Ausschuss vorgestellt und im Anschluss bekanntgegeben.

Doch nicht nur das Bildungswesen steht in dieser Woche im Fokus. Der Blick auf die berühmte Kurve bestimmt in den kommenden Tagen die Entscheidungen der regionalen Politik. Denn die muss nun abflachen – oder eben „gebogen“ werden. Die Verwaltung der autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln vertraut derzeit darauf, dass sich die Situation innerhalb von rund zehn Tagen verbessern wird. Grund für den Optimismus seien die zuletzt im Amtsblatt der Kanarischen Inseln (BOE) veröffentlichten neuen Maßnahmen (diese finden Sie hier).

Zeichnet sich ein solcher Trend auf den Kanarischen Inseln tatsächlich ab und bleibt gleichzeitig die Zahl der Todesfälle mit vorherigem Corona-Befund stabil, fällt der Druck auf das regionale Gesundheitswesen und ein zweiter Lockdown wird umgangen. Vielleicht kommt der Trend dann sogar noch gerade noch rechtzeitig, bevor die deutsche Regierung ihre Reisewarnung für Spanien auch auf die Kanarischen Inseln erweitert.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.