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Kanaren: Erdbeben-Schwärme geben Wissenschaft Rätsel auf


Die Kanarischen Inseln verzeichnen immer wieder ganze Erdbeben-Schwärme. Wissenschaftler stehen insbesondere an einer Stelle der Kanaren vor einem Rätsel. Dieses Projekt soll nun einen Durchbruch bringen.

Von Juan Martín Lesedauer: 5 Minuten

Die Kanaren werden von zunehmenden Erdbeben-Schwärmen heimgesucht. Dabei handelt es sich um Abfolgen mehrerer Erdstöße binnen kurzer Zeit. Die Wissenschaft rätselt insbesondere an einer Stelle auf den Kanarischen Inseln über die Hintergründe. Es gibt mehrere Erklärungsansätze zu dem Phänomen.

Zwischen dem 29. Oktober und dem 1. November haben sich südöstlich von La Gomera so viele Erdbeben ereignet, wie in den sechs Jahren davor zusammen. Das Nationale Geographische Institut Spaniens (IGN) legte sich schnell fest. Es müsse sich um tektonische Hintergründe handeln. Denn vulkanische Aktivität gibt es rund um La Gomera kaum. Doch für konkrete Informationen fehlten die Messpunkte.

Schnell machte der Begriff des nächsten “Erdbebenschwarms” die Runde. Doch eine wirkliche Definition, was genau das bedeutet, gibt es nicht. Das erklärt der Direktor des IGN auf den Kanarischen Inseln, Itahiza Domínguez. Und er hat weitere Informationen im Gepäck.

Kanaren: Bereits sechs Erdbeben-Schwärme in diesem Jahr

“Es gibt weder eine genaue Zahl der Erdbeben noch eine Dauer, aus der man sagen kann, dass wir es mit einem Schwarm zu tun haben”, erklärt Domínguez Inforcasa. “Sie können Minuten oder Jahre andauern”, weiß der Forscher. “Von seismischen Serien sprechen wir, wenn die Zahl der Erdbeben nicht groß ist. Die Schwärme, die wir vor den Ausbrüchen von La Palma und El Hierro sammeln konnten, sind lehrbuchartig. Es gab viele Erdbeben pro Tag, Hunderte.”

Auf La Palma gab es 2021 einen großen Vulkanausbruch. Auf El Hierro kam es 2011 zu einer Eruption. In diesem Jahr weist bisher nichts auf ein solches Phänomen hin. Und doch gab es auf den Kanarischen Inseln bereits mehrere Schwärme. Je nach Auslegung waren es mindestens sechs mit zusammen rund 300 Erdbeben.

Erdbeben-Serien auf und zwischen den Kanarischen Inseln

Die erste Erdbeben-Serie des Jahres wurde am 17. Januar in der Gemeinde Arico auf Teneriffa registriert. Dort stellte das IGN binnen zwei Stunden elf Erdbeben fest. Die Epizentren lagen in einer Tiefe zwischen drei und sechs Kilometern. Die Stärke war mit bis zu 1 jedoch gering. Was die Erdstöße dennoch besonders machte, war deren Entstehungsort. Denn an dieser Stelle treten nur äußerst selten Erdbewegungen auf.

Zehn Tage später gab es einen weiteren Schwarm. Registriert wurde dieser zwischen Gran Canaria und Teneriffa. Am 27. Januar registrierte das IGN gleich 74 Erdbeben. 37 von ihnen lagen in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern. Die Stärke erreichte diesmal Werte zwischen 1,7 und 2,6.

Es dauerte bis zum Sommer. Doch dann wurden zwischen dem 11. und 12. Juni westlich von Teneriffa 40 Erdbeben in einer Tiefe von 40 bis 50 Kilometern gemessen. Die Stärke erreichte diesmal bis zu 1,6. Das wiederholte sich am 24. Juli. Diesmal wurden 20 Erdbeben von geringer Stärke und erneut in großer Tiefe gemessen.

Nahe Santiago del Teide auf Teneriffa gab es Anfang Juli eine weitere Erdbebenserie. Dort wurden sogar 112 Beben registriert. Und der jüngste Schwarm ereignete sich schließlich vor La Gomera.

Erdbeben-Serien: Wie entstehen Seismische Schwärme auf den Kanaren?

Für Domínguez sind Erdbeben-Serien mit vulkanischem Hintergrund die spannendsten. “Die Magma drückt auf die Erdkruste, die Kruste verformt sich und bricht. Der Bruch verursacht ein oder mehrere aufeinanderfolgende Erdbeben.”

Vorboten eines Vulkanausbruchs, wie auf La Palma, sind diese Serien dennoch nur selten. Wenn, dann verdichten sich zunächst die Vorkommen und dann deren Intensität. Auf La Palma gab es rund 7000 Erdbeben binnen einer Woche bevor der Vulkan am Cumbre Vieja ausbrach. “Der Schwarm auf El Hierro verlief langsamer. Er dauerte drei Monate und es wurden 40.000 Erdbeben registriert”, sagt der Seismologe.

Auf Teneriffa gibt es immer wieder klassische Erdbeben-Serien

Ein Musterbeispiel für harmlose Erdbeben-Schwärme gibt es regelmäßig auf Teneriffa. Bei Santiago del Teide beginnen sie langsam. Dann nehmen die einzelnen Erdbeben an Stärke zu. Sobald die maximale Stärke des jeweiligen Schwarms erreicht ist, nimmt auch die Häufigkeit wieder ab. Schließlich endet die Serie.

Seit dem Jahr 2016 gab es vier solcher seismischen Schwärme mit Erdbeben geringerer Stärke und hoher Konzentration in dem Gebiet auf der größten Kanaren-Insel. Gemessen wurden zwischen 600 und 800 Beben innerhalb weniger Stunden.

Tektonische Erdbeben sind auf den Kanarischen Inseln selten

Diese Erdbeben-Schwärme werden bisher meist auf vulkanische Aktivität zurückgeführt. Ihre Stärke bleibt im Regelfall im Bereich von bis zu drei. Diese Bewegungen gelten auf dem Archipel als ganz normal. Anders ist das bei tektonischen Beben. Diese gelten als deutlich seltener.

“An den Rändern der tektonischen Platten sammelt sich Energie an. Dieser Druck wird übertragen und erzeugt Spannungen in der Erdkruste, die sich in Form von Erdbeben entladen”, sagt Domínguez.

Wissenschaftler wollen Erdbeben rund um die Kanaren weiter erforschen

Die häufigsten Erdbeben werden zwischen Gran Canaria und Teneriffa registriert. Dort kommt es jedes Jahr zu 400 bis 500 Erdbeben. Viele davon entstehen in Schwärmen. In dem betroffenen Gebiet befindet sich der Vulkan Enmedio. Die Herkunft dieser Bewegungen gilt daher bisher fast immer als vulkanisch.

Um den Hintergründen der Erdbewegungen in diesem Gebiet genauer auf die Spur gehen zu können, haben Forscher das Projekts Guanche ins Leben gerufen. Hinter dieser Forschung steckt das IGN, gemeinsam mit dem Institut für Meereswissenschaften (ICM-CSIC). Das Ziel liege darin, den Ursprung dieser Seismizität und ihr potenzielles Risiko zu ermitteln sowie Daten über die Struktur der Erdkruste zu sammeln, heißt es.

Kanaren: Erdbeben-Forscher wollen tektonische Bewegungen besser verstehen

Zwar lägen die Kanarischen Inseln weit entfernt von tektonischen Randgebieten, dennoch würden einige Erdbeben-Schwärme auf einen solchen Ursprung hinweisen. Dies solle genauer erforscht werden, sagen die Experten.

Zwischen Teneriffa und Gran Canaria gebe es neben der vulkanischen Aktivität auch tektonische. Zu diesen Bewegungen verfügen die Experten bisher kaum über Daten. Man wolle daher herausfinden, wie und warum sich in dieser Region eine solche tektonische Spannung aufbauen kann, die sich schließlich als Erdbeben entlädt.

Wie stark war das größte Erdbeben auf den Kanaren?

Passenderweise ereignen sich in diesem Gebiet auch die stärksten Beben. Am 6. Juli registrierte das IGN in La Aldea ein Beben der Stärke 3,7. Damit galt das Erdbeben für kanarische Verhältnisse als relativ stark.

Das stärkste, bisher gemessene Erdbeben auf den Kanaren ereignete sich im Jahr 1989. Das Epizentrum lag zwischen Gran Canaria und Teneriffa. Das Beben erreichte eine Stärke von 5,2. In der Folge kam es zu Hunderten Nachbeben.

Das Projekt Guanche soll endgültig Aufschluss darüber geben, worauf genau die kontinuierliche seismische Aktivität in diesem Gebiet zurückzuführen ist. Auch für künftige Forschungen und Vorhersagen gelten die Ergebnisse als wichtig.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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