Die spanische Kommission für Flüchtlingshilfe, CEAR, warnt vor einem Rückschritt des spanischen Asylrechts. In Las Palmas de Gran Canaria legte die Flüchtlingshilfe-Organisation ihren Jahresbericht zur Lage von Geflüchteten in Spanien und Europa vor. Zeitgleich stellte die CEAR das auf den Kanaren neu gegründete Komitee der Geflüchteten, „Comité de Personas Refugiadas“ vor.
Im Zentrum der Kritik steht der Europäische Migrations- und Asylpakt, der am 12. Juni in Kraft trat. Juan Carlos Lorenzo, Gebietskoordinator von CEAR auf den Kanaren, fasste die Bewertung der Organisation so zusammen: „Der europäische Pakt ist gleichbedeutend mit mehr Kontrolle, mehr Abschiebungen und weniger Schutz.“ Spanien habe nach Einschätzung von CEAR jedoch noch Handlungsspielraum, damit die Umsetzung des Pakts Rechte garantiere.
Auf den Kanarischen Inseln wurden 2025 insgesamt 7825 Anträge auf internationalen Schutz gestellt, nach 7667 im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg von zwei Prozent, obwohl die Ankünfte über die Kanaren-Route im selben Zeitraum um 62 Prozent zurückgingen. Die häufigsten Herkunftsländer der Antragsteller waren Venezuela, Mali, Kolumbien, Senegal, Guinea, Gambia und Peru. Gleichzeitig stieg die Zahl der Rassismus-Vorfälle:
Asylanträge in Spanien sinken, Anerkennungsquote bei elf Prozent
Spanien erhielt im Vorjahr 144.396 Asylanträge und blieb damit der drittgrößte Empfänger in der EU nach Deutschland und Frankreich. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Anträge um 13,7 Prozent und brachen damit den bisherigen Aufwärtstrend. Zugleich wurden 16.991 Anträge archiviert, ein Anstieg um 179,8 Prozent.
Die Anerkennungsquote für internationalen Schutz lag in Spanien bei elf Prozent, mehr als sieben Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert und weit unter dem EU-Durchschnitt von 34 Prozent. Damit belegt das Land bei positiven Asylentscheidungen den drittletzten Platz in der EU, nur vor Kroatien und Zypern mit jeweils sieben Prozent. Weltweit gab es 2025 rund 117,5 Millionen zwangsvertriebene Menschen, fünf Prozent weniger als im Vorjahr und der erste Rückgang seit einer Dekade.
CEAR kritisiert Melderegister-Hürden auf den Kanaren
Als größtes praktisches Hindernis beim Zugang zu Grundrechten bezeichnete CEAR die Eintragung ins Melderegister. Das im Mai 2025 in Kraft getretene Ausländerrecht (Reglamento de Extranjería) schließt die Wartezeit eines Asylverfahrens von der Berechnung für den Aufenthaltsnachweis (arraigo) aus. CEAR und weitere Organisationen fechten die Regelung vor dem Tribunal Supremo an.
Die Organisation warnte zudem vor einer geplanten Rückführungsverordnung (Reglamento de Retorno), die verlängerte Inhaftierungen und Abschiebungen in Drittländer ohne vorherigen Bezug der betroffenen Person ermöglichen könnte. CEAR verwies auf das Modell Italien-Albanien, das von der italienischen Justiz und dem Gerichtshof der EU gestoppt wurde. Unter den im Asylpakt als sicher eingestuften Staaten könnten nach Einschätzung von CEAR Länder mit gravierenden Menschenrechtsdefiziten sein, darunter die Türkei, Kolumbien, Ägypten und Tunesien.
Mehr rassistische Vorfälle auf den Kanaren registriert
Hass- und Vorfälle mit Bezug zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stiegen 2025 um 23,6 Prozent. „Wir rufen zur politischen Verantwortung auf und fordern ein weiteres Mal, dass ein Staatspakt gegen diese Eskalation des Hasses verabschiedet wird“, sagte Lorenzo. Von den an den Kanaren-Küsten angekommenen Personen waren 15 Prozent Minderjährige ohne Familienangehörige. Rund 800 unbegleitete Minderjährige wurden von den Kanaren in andere autonome Gemeinschaften verlegt.
CEAR fordert eine Erneuerung des spanischen Asylgesetzes (Ley de Asilo), damit der Europäische Pakt nicht zu mehr Hürden für Schutzsuchende führe. Als Vertreter des neuen Geflüchteten-Komitees präsentierten sich Nicole Sirikari Pachka und Edwin Abadi während der Vorstellung in Las Palmas de Gran Canaria.















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