Unter Tränen und in Demut hat Marc Anthony seine zuletzt vielfach kritisierte Konzerttournee in Spanien mit einem ausverkauften Konzert auf La Palma beendet. Es war der wohl emotionalste Tourneeabschluss in Europa bisher.
Zum Abschied kniete der 56-Jährige mit Tränen in den Augen vor dem Publikum, das ihn nicht gehen lassen wollte. Die endlosen Zugabe-Rufe der Fans („otra, otra“) schallten wie eine Versöhnung in Form von Applaus aus den begeisterten Fanreihen.
Die Zeiten von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll scheinen vorbei zu sein; die Fans sind kritischer geworden, zumindest was den Konsum von Alkohol und Drogen auf öffentlichen Bühnen betrifft. Das dürfte dem Weltstar in den letzten Wochen schmerzhaft bewusst geworden sein. Und dennoch trat er auf seinem letzten Konzert in Spanien alkoholisiert auf und entschuldigte sich mit den Worten „Perdon, es que estoy borracho“ („Entschuldigung, ich bin betrunken!“), wie das folgende Video zeigt:
Marc Anthony auf den Kanaren: „Entschuldigung, ich bin betrunken!“
Video: Kathrin Meyer/Violetta Haag
Trotz aller Kritik im Vorfeld wollten 9000 Menschen den „King of Salsa“ am vergangenen Samstag im Recinto Ferial von Santa Cruz de La Palma im Rahmen des Lustral Festes sehen. Das Konzert galt als Höhepunkt der Festivitäten zur Bajada de la Virgen, der Schutzpatronin der Insel La Palma, die alle fünf Jahre stattfinden. Bereits am Freitag konnte mit Latin-Sänger Nicky Jam ein weiterer Star von Weltrang auf der kleinen Kanaren-Insel begrüßt werden.
Durch den ein oder anderen Scherz ging Anthony während des Konzerts auf die Vorwürfe ein, die sich im Vorfeld aufgrund einiger Konzerte in Spanien vor allem über die sozialen Medien verbreitet hatten. Diese hatten ihn laut eigenen Worten emotional sehr mitgenommen.
Kritik schon vor Kanaren-Konzert
Harsche Kritik gab es zuletzt vor allem für das Konzert in La Coruña, bei dem der amerikanische Superstar nicht nur über eine Stunde verspätet, sondern auch sichtlich alkoholisiert auftrat. Grund genug für das zahlende Publikum, ihn in Nordspanien zunächst auszubuhen.
Auch danach beschwerten sich zahlreiche Fans in den sozialen Medien darüber, dass Anthony zwischen den Songs immer wieder lange Pausen einlegte und das Konzert nach dem verspäteten Beginn auch noch vorzeitig abgebrochen werden musste. Ein Konzertbesucher etwa schrieb auf Youtube nach dem misslungenen Coruña-Konzert: „Reine Abzocke, das war es nicht wert. Es ist traurig zu sehen, was aus diesem Künstler geworden ist.“
Fans feiern Marc Anthony nach Kanaren-Konzert auf La Palma
Umso mehr Mühe schien sich der Weltstar schließlich zu geben, um das letzte Konzert seiner Spanien-Tournee zur Zufriedenheit seiner Fans abzuschließen. Fast zwei Stunden lang konnte der US-amerikanische Sänger mit puertoricanischen Wurzeln das Publikum auf der kleinen Kanaren-Insel überzeugen. „Ich wollte ihn einfach mal live erleben. Er war zwar etwas angetrunken, aber sehr emotional und menschlich“, sagte Violetta Haag, die auf der kleinen Vulkaninsel lebt, nach dem Konzert.
Auch in den sozialen Medien äußern sich Fans und Besucher überraschend positiv und versöhnlich: „Marc hat es so genossen, dass es ihm egal war, ob er unter Weinen seine Stimme verliert oder dasteht wie eine Heulsuse“, schreibt die palmerische Bloggerin Raquel Barreto etwa auf Instagram. Und weiter: „Egal, was passiert ist, er verdient Respekt. Wir verdanken ihm so viele Welthits, die unser Leben bisher begleitet haben.“
Und so begeisterte er im Rahmen des Konzerts auf La Palma mit Salsa-Klassikern wie „Valió la pena“, „Y hubo alguien“, „Aguanile“, „Ahora quién“, „Todo a su tiempo“ und zum krönenden Abschluss natürlich „Vivir mi vida“. Immer wieder hielt Anthony dabei mit einem breiten Lächeln das Mikrofon in die Menge, um sicherzugehen, dass seine Fans die von ihm selbst geschriebenen und komponierten Songs textsicher mitsingen konnten.
Mit mehr als 12 Millionen verkauften Alben weltweit gilt der mehrfache Grammy- und Latin-Grammy-Award-Gewinner als einer der erfolgreichsten Musiker der Salsa- und Latin-Pop-Szene.
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Marc Anthony auf eigenem Kanaren-Konzert: „Ich bin betrunken!“
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