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Migrations-Debatte: Kanaren fühlen sich von Marokko “gedemütigt”


Die Kanarischen Inseln sehen Marokko in der Flüchtlings-Debatte als desinteressiert. An einem Treffen mit Spaniens Präsidenten nimmt König Mohamed VI. demonstrativ nicht teil. Dies sei eine "Demütigung für alle Spanier", heißt es.

Lesedauer: 3 Minuten

Die politischen Lager auf den Kanarischen Inseln sind wütend. Marokkos König Mohamed VI. hat Spaniens Präsident Pedro Sánchez eine Absage für ein Treffen erteilt. Von einer “Demütigung für alle Spanier” ist die Rede. Sánchez ist derweil um Schadenbegrenzung bemüht.

Der Gipfel beider Länder soll sich mit der Flüchtlings-Debatte beschäftigen. Spanien möchte eine Lösung rund um das Thema Migration aus den Maghreb-Staaten erreichen. Marokko gilt dabei als wichtiger Ansprechpartner. Doch die Zugeständnisse bleiben entweder aus oder werden nicht eingehalten. Die Kritik an der Linie des spanischen Präsidenten wächst.

Der Generalsekretär der Koalition der Kanarischen Inseln (CC) und Kandidat für den Regierungsvorsitz, Fernando Clavijo, sieht in König Mohameds Entscheidung, Spaniens Präsidenten Pedro Sánchez auf dessen Besuch in Marokko nicht zu empfangen, eine “Demütigung für alle Spanier”. Doch Clavijo kritisiert nicht nur Marokkos Staatsoberhaupt. Dass Sánchez so mit sich umspringen lasse, “macht uns lächerlich”.

In Spanien hatte man ein Treffen beider Staatsoberhäupter als obligatorisch angesehen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass dies nie offiziell angekündigt worden war.

Migration: Spanien fühlt sich “gedemütigt”

Dennoch kochen in Spanien die Emotionen ob dieser Entscheidung Marokkos über. Clavijo zitierte dazu den Abgeordneten der Sozialistischen Partei, Juan Fernando López Aguilar. Dieser hatte kürzlich zur Thematik gesagt: “Wenn man Kröten schlucken muss, müssen sie geschluckt werden”, um eine gute Nachbarschaft mit Marokko aufrechtzuerhalten.

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Clavijo entgegnete dem nun: “Wenn sie Kröten schlucken möchten, sollten sie das tun”, doch “wenn Präsident Sánchez auf diese Weise gedemütigt wird, werden alle Spanier gedemütigt”.

Flüchtlings-Debatte: PP fordert, dass Spanien gegenüber Marokko “den Ton anhebt”

Der Präsident der kanarischen PP, Manuel Domínguez, sagte, dass Sánchez die Kanarischen Inseln “ignoriert” habe: “Er hat sich nicht um uns gekümmert, und Mohamed VI. hat dasselbe mit ihm getan”.

Domínguez sagte, dass es für die kanarische PP “besorgniserregend” sei, “ohne Antwort in Bezug auf die Abgrenzung unserer Gewässer, die Situation des Maghreb und der Sahara und die irreguläre Einwanderung fortzufahren”. Die Kanarischen Inseln seien “eine der größten betroffenen Regionen”. Daher sei es an der Zeit für Sánchez, “den Ton anzuheben” und sich “angesichts der Bedeutung dieser Themen für den Archipel”, durchzusetzen.

Kanaren: Nueva Canarias zeigt sich “unglücklich” im Flüchtlings-Streit

Auch die Partei Nueva Canarias zeigt sich “unglücklich” über die aktuelle Situation, wie der Vorsitzende Román Rodríguez sagte. Das spanische Außenministerium wurde zudem als von Marokko “kontaminiert” bezeichnet. Rodríguez sieht die Kanarischen Inseln sogar von Marokko “erpresst”.

Der parlamentarische Sprecher der Partei, Luis Campos, sieht im Vorgehen des marokkanischen Königs “eine klare Respektlosigkeit” gegenüber dem spanischen Präsidenten. Dies zeige “einmal mehr, dass die Beziehungen nicht auf Augenhöhe stattfinden”.

Nueva Canarias sieht “Druck und Erpressung” aus Marokko

Sánchez habe sich in eine schlechte Situation manövriert, als er sich in der Vergangenheit mit den Beziehungen zu Marokko “gebrüstet” habe. Nueva Canarias stehe hingegen auf dem Standpunkt, dass gute Nachbarschaft auf Gegenseitigkeit beruhen sollte, nicht “auf der Grundlage von Druck und Erpressung, wie es in der Vergangenheit geschehen ist”.

Spaniens Präsident habe zu oft auf die “historischen Vereinbarungen und Verzichtserklärungen Spaniens” hingewiesen. Dies habe das Land in eine “schlechte Lage” manövriert. Die Haltung Mohammeds VI. sei eine “bedeutsame” Geste und bringe die spanische Regierung in eine schwache Position.

“Schwäche bei der Verteidigung der Kanarischen Inseln”

Aus den Reihen von Unidos por Gran Canaria heißt es, dass allein das Treffen bereits ein Risiko für die Kanarischen Inseln darstelle. Der Vorsitzende Lucas Bravo de Laguna sieht ein “schwaches und nicht sehr energisches Zeichen” der spanischen Regierung “bei der Verteidigung der Kanarischen Inseln”.

“Themen wie die Kontrolle internationaler Gewässer, die illegale Einwanderung und die Zukunft der Westsahara” seien für die Inseln “von zentraler Bedeutung, und wir verdienen es, informiert zu werden und unsere legitimen Interessen mit Nachdruck und Deutlichkeit zu verteidigen”.

Der Abgeordnete lässt Sánchez damit immerhin ein Schlupfloch: “Wir hoffen, dass die Ergebnisse des Gipfels öffentlich gemacht werden und die getroffenen Vereinbarungen die Kanarischen Inseln nicht untergraben werden”, sagte Bravo de Laguna.

Bei allen Emotionen und verschiedenen Standpunkten ist diese Hoffnung der gemeinsame Nenner fast aller Parteien auf den Kanarischen Inseln.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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Kommentare zu:

Migrations-Debatte: Kanaren fühlen sich von Marokko “gedemütigt”

  1. RFK schrieb am

    Erstaunlich! Gerade Marokko sollte nach seiner Verwicklung mit Katar in den EU Korruptionsskandal seine Verhaltensweisen besser kontrollieren. Aber wir müssen wohl davon ausgehen, dass es ganz bewusst herbeigeführte Provokationen sind.

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