Gastro-Streit auf Teneriffa: Was ist eine Guachinche?


Gibt es überhaupt noch echte Guachinchen? Mit dieser Frage beschäftigen sich vor allem Gastronomen. Experten fordern, dass sich die Politik auf Teneriffa diesem Thema widmet.

Lesedauer: 3 Min.

So ganz genau ist nicht überliefert, wie der Begriff der Guachinche entstand. Klar ist hingegen, was sie sein sollte. Und das ist sie immer seltener. Genau das sorgt für Ärger bei echten Gastronomen. Und auch bei den wenigen verbliebenen Betreibern echter Guachinchen. Denn beides sind völlig unterschiedliche Branchen. Eigentlich.

Ursprünglich entstanden sind Guachinchen durch den Verkauf von Wein. Kam der Händler, um direkt beim Winzer den neuen Wein zu probieren, musste eine kleine Stärkung her. Schließlich sollte viel probiert werden. Und das erfordert eine gute Grundlage. Das Essen war also allenfalls Beiwerk, nicht aber die Haupteinnahmequelle. Klar im Fokus stand der Wein.

Guachinchen haben es tief in die Tradition Teneriffas geschafft. In ihrer ursprünglichen Form wurde Wein probiert und verkauft. Dazu servierte die Küche des Hauses eine kleine Stärkung. Drei Gerichte mit Zutaten aus regionaler Produktion durften auf die Speisekarte. Im Gegenzug wird keine Mehrwertsteuer fällig. Schließlich handelt es sich ja nicht um ein Restaurant.

Genau das beschert Guachinchen einen großen Vorteil im vergleich zur Gastronomie. Findige Geschäftsleute haben daher den Begriff der Guachinche immer weiter gedehnt. Bis schließlich nicht mehr ganz klar zu sein schien, was eine echte Guachinche ausmacht.

Guachinchen sind zum Synonym für günstige Restaurants geworden

Vom Soll-Zustand, dass beim Weinverkauf auch etwas günstiges zu Essen serviert wurde, haben sich die Guachinchen immer weiter zum günstigen Restaurant entwickelt. Entsprechend haben Bars und Restaurants die Guachinchen immer mehr als Bedrohung wahrgenommen.


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Da die Guachinche zum Synonym für günstiges Essen wurde, haben sich in der Folge immer mehr Restaurants damit geschmückt. Und je inflationärer der Begriff in der Gastronomie vorkam, desto weiter rückte das ursprüngliche Konzept in den Hintergrund.

Eine Studie aus dem Jahr 2005 bestätigte das Problem. 2013 wurde dann die Politik eingeschaltet und gebeten, den Begriff und das Konzept der Guachinche durch Kontrollen zu seinem Ursprung zurückzuführen.

Kanaren: Was bedeuten die Schilder an Restaurants und Bars?

Trotz des von der kanarischen Regierung erlassenen Dekrets zur Regulierung der „authentischen Guachinchen“ wird das Wort weiterhin auch von Betrieben anderer Art zu Marketing-Zwecken verwendet.

Kunden sollten daher auf die offizielle Bezeichnung achten, die seit vielen Jahren Vorschrift ist. Die Tafel am Eingang weist auf die offiziell registrierte Art des Gastronomie-Betriebs hin. So schmückt den Eingang eines Restaurants ein großes „R“. An Bars ist ein „Bc“ zu finden. Eine echte Guachinche ist durch ein „V“ ausgezeichnet.

Wie erkenne ich eine echte Guachinche auf Teneriffa?

Dieses Zeichen, zusammen mit einer kleinen Speisekarte, die Zutaten aus regionaler Produktion verwendet, sowie bei den Getränken eine Auswahl lediglich zwischen Wein aus eigenem Anbau und Wasser, sind Indizien, dass es sich um eine echte Guachinche handelt.

Die traditionelle Guachinche ist auf Teneriffa eher eine Seltenheit geworden. Insbesondere im Norden Teneriffas gab es jedoch eine echte Guachinchen-Kultur. Eine Bestandsaufnahme durch die Politik würde der Debatte guttun. Immerhin hat das Dekret weiterhin Gültigkeit. Doch die Durchsetzung bleibt Aufgabe der Gemeinden. Und die müssten schon heute genauer hinsehen.

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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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