Beerdigung der Sardine – skurrile Tradition zu Karneval

Das Ende des Karnevals auf Teneriffa ist zugleich sein Beginn. Was seltsam klingt, stimmt tatsächlich. Am Aschermittwoch wird der Karneval auf den Kanaren wie auch in Deutschland offiziell beendet. Während in Düsseldorf beispielsweise der Hoppeditz verbrannt wird, ist es auf Teneriffa eine überdimensionale Sardine. Zur Erklärung dieser Tradition gibt es verschiedene Ansätze.

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Die „Entierro de la sardina“ ist zweifelsfrei eine Besonderheit des kanarischen Karnevals. Der riesige, aus Pappmaché gefertigte Fisch wird unter lautem Geheule und Stoßgebeten tausender Trauernden durch die Straßen getragen, um anschließend an einem zentralen Ort verbrannt zu werden.

Während die Verbrennung des Hoppeditz im rheinischen Karneval das Ende des bunten Treibens bedeutet, fängt er auf den Kanarischen Inseln nach diesem Akt erst wirklich an. Das Sprichwort „am Aschermittwoch ist alles vorbei“, gilt also nicht für die Kanaren. Dort nämlich löst sich das allgemeine Wehklagen über den „Verlust“ plötzlich in Tanz und Feierlaune auf.


Hier finden Sie die Fotos der traditionellen Beerdigung der Sardine


Findet in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz der große Corso, also der weltweit berühmte Karnevalsumzug, stets schon am Vortag statt, so geht Puerto de la Cruz im Norden der Insel deutlich weiter: Hier beginnt der ebenfalls weit bekannte Straßen-Karneval tatsächlich erst an diesem Abend.

Woher stamt die Beerdigung der Sardine?

Doch woher kommt dieser seltsame Brauch denn nun? Die Erklärungsversuche gehen in verschiedene Richtungen:

„Stille Post“-Prinzip?

So besagt ein Ansatz, dass der Brauch Mitte des 19. Jahrhunderts in Madrid entstand. Da am Aschermittwoch schon damals die Fastenzeit begann, sei das Stadtvolk aufs Land gefahren, um dort etwas symbolisch zu Grabe zu tragen. Da in der Fastenzeit kein Fleisch konsumiert wurde, beerdigten die Menschen symbolisch die Rippen eines Schweins, genannt „cerdina“. Dieser Akt wurde zur Tradition und verbreitete sich durchs Land. Bei den Überlieferungen soll sich mit der Zeit jedoch ein folgenschwerer Fehler eingeschlichen haben, womit aus dem Wort „cerdina“ versehentlich „sardina“, also Sardine wurde.

Studenten-Schabernack?

Eine andere Überlieferung besagt, dass zur selben Zeit und am selben Ort eine Gruppe Studenten beschlossen haben soll, eine von einer Sardine angeführte Trauer-Prozession zu organisieren. Dieser Umzug sollte den Karneval ein letztes Mal aufleben lassen und zugleich das anstehende Fasten und die Enthaltsamkeit symbolisieren.

Kräftig missglücktes Fisch-Fest?

Eine weitere Überlieferung besagt, dass König Karl III von Spanien (1716 – 1788), den Fleischgenuss am Aschermittwoch untersagt habe. Um den Hunger zu stillen, habe er eine riesige Feier organisiert, bei der es Unmengen von Sardinen geben sollte. Am Aschermittwoch sei es jedoch für die Jahreszeit untypisch warm geworden, so dass die Sonne die Sardinen ungenießbar machte. Viel schlimmer noch, habe sich ein so bestialischer Gestank verbreitet, dass Anwohnern und Besuchern der Appetit auf Fisch nachhaltig verging. Um dem Gestank Herr zu werden, dabei aber dennoch feiern zu können, organisierten die Menschen kurzerhand ein Begräbnis im Umland. Die spontane Prozession habe den Menschen so gut gefallen, dass sich daraus eine Tradition entwickelte.

Große Opfergabe?

Wieder andere Überlieferungen berichten, dass die Menschen durch eine symbolische Opfergabe um reichhaltigen Fischfang baten. Außerdem sollte somit um Fruchtbarkeit der Nutztiere gebeten werden. Diese Version gilt mit Blick auf die Zeit, in der sich der Brauch entwickelte, jedoch als am unwahrscheinlichsten.

Woher der Brauch tatsächlich stammt, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Fest steht jedoch, dass der Mythos um die Sardine die Karnevalisten auf den Kanaren noch immer fest im Griff hat. Und im Norden Teneriffas läutet er bis heute das bunte Karnevals-Treiben auf den Straßen ein.

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Veröffentlicht in: Karneval auf Teneriffa, Puerto de la Cruz, Santa Cruz, Teneriffa Nord, Teneriffa Süd

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