„Der Samstag geht als schwärzester Tag in die Geschichte der Kanaren ein“, sagt der Vorsitzende der nach den kanarischen Küstenkilometern benannten Gesellschaft zur Rettung von Personen auf dem Wasser. Gemeint ist die Bilanz der Ertrunkenen. Für Sebastián Quintana von „Canarias 1500 km de Costa“ fehlt es vor allem an Bewusstsein und Prävention.
Bei hohem Wellengang waren binnen fünf Stunden an drei Stellen auf Teneriffa Menschen von Wellen ins Meer gerissen worden. 15 Personen wurden verletzt, drei starben. Von Spaniens staatlichem Wetteramt Aemet war eine Wellenwarnung ausgegeben worden. Dennoch blieben Schutzmaßnahmen aus oder wurden ignoriert.
Quintana fordert bessere Aufklärung, denn der Blick auf die Daten zeigt ein erschreckendes Bild: 70 Prozent der auf den Kanaren Ertrunkenen sind Touristen. Für Quintana ergibt sich daraus eine klare Forderung.
Auf den Kanaren ertrinken meistens Touristen
„Alle Betroffenen waren Spaziergänger, keine Badegäste“, sagt Quintana und ergänzt: „Sie waren an der Küste unterwegs.“ Das Meer vor den Kanaren erreichte Wellenhöhen von zwei bis drei Metern. Dann jedoch beruhigte sich die Lage für kurze Zeit.
„Es handelt sich um einen Zeitraum von etwa drei Minuten, in dem das Meer wieder ruhig ist und die Opfer sich in Sicherheit wähnen“, erklärt Quintana. Viele würden sich dann den Wellenbrechern nähern, „um die Küste, die Felsen und die Krebse zu beobachten. Dort werden sie von der ersten Welle der nächsten Serie überrascht.“
Der Experte berichtet von 2,1 Millionen Einwohnern und 18 Millionen Besuchern. Entsprechend klar sei, wie das Verhältnis der Menschen ausfalle, „die ins Wasser gehen, obwohl sie das Verhalten des Ozeans nicht einschätzen können“.
Aus diesem Grund müsse es mehr Prävention geben: Es müssten Schilder in verschiedenen Sprachen an Orten wie der Hotel-Rezeption hängen, fordert Quintana. Dort müssten klare Warnungen angebracht sein, beispielsweise: „Gehen Sie heute nicht an den Strand, an den Küsten der Kanarischen Inseln gilt eine Warnung wegen starkem Wellengang. Halten Sie sich von der Küste fern.“
„Immer mehr Touristen ertrinken auf den Kanaren“
Im laufenden Jahr seien sieben von zehn Ertrunkenen Touristen. Studien des Verbands würden nahelegen, dass diese Zahl steige, berichtet der Vorsitzende. Daher sei es nötig, dass die Gemeinden ein angemessenes Zeichen setzten.
Warum der Hafen von Puerto de la Cruz nicht abgesperrt war, ist derzeit Gegenstand laufender Ermittlungen. Am dortigen Fischereihafen gibt es ein Tor, das bei hohem Wellengang geschlossen wird. Am Samstag blieb es geöffnet. Zehn Personen wurden auf der Kaimauer von einer riesigen Welle erfasst. Eine 72 Jahre alte Niederländerin erlag in der Folge einem Herzinfarkt.
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