Tourismus nahe Null: Deutsche Anbieter stornieren Kanaren-Reisen


Nach der Reisewarnung für die Kanarischen Inseln haben die deutschen Reiseveranstalter reagiert. Der Pauschaltourismus ist nahezu auf Null heruntergefahren worden. Die Inseln stehen vor einer wirtschaftlichen Herausforderung. Alle Hoffnung richtet sich jetzt auf die Winter-Saison.

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Die Reaktion der großen Reiseanbieter ließ nicht lang auf sich warten. Einen Tag nach der Corona-bedingten Reisewarnung der deutschen Bundesregierung haben die großen Fünf ihr Kanaren-Angebot nahezu auf Null gefahren. Die Strände der Kanarischen Inseln werden damit vorerst noch leerer, als sie zuletzt ohnehin schon waren.

Nach Informationen unserer Redaktion stornierte „DER Touristik“ Reisen bis mindestens zum 15. September. „Schauinsland“ stornierte zunächst bis zum 9. und setzte Reservierungen bis zum 18. aus, während „TUI Deutschland“ alle Pakete bis zum 12. stornierte. „Altours“ setzte sein Programm bis zum 15. aus und „FTI“ sperrte das Angebot bis zum 17. September.

Einige Flüge würden in den kommenden Tagen dennoch durchgeführt, um Urlauber von den Kanaren heim zu holen, hieß es aus Touristik-Kreisen. Personen, die trotz Reisewarnung auf die Kanaren fliegen möchten, können die Rückholflüge auch für ihren Hinflug nutzen. Unterkünfte müssen dann allerdings in Eigenregie gebucht werden, hieß es. Zudem muss – so lang die Reisewarnung aktiv ist – nach Rückkehr ein Corona-Test durchgeführt oder eine Quarantäne eingehalten werden.

Corona-Krise: Kanaren hoffen auf die Winter-Saison

Die regionale Reisebranche hofft unterdessen weiter, bis zum Beginn der Wintersaison die Kriterien für das Ende der Reisewarnung zu erfüllen. Das Auswärtige Amt hat gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut einen schwellwert von 50 Erkrankten pro 100.000 Einwohner in einem Zeitrum von sieben Tagen festgelegt. Die Kanaren überschreiten diesen Wert bereits seit Tagen. Derzeit liegen sie bei 97.

Wenn dieser Wert wieder in den Normbereich fällt, erhoffen sich die Vertreter des kanarischen Gastgewerbes auch die Rückkehr weiterer Touristen. Deutschland hatte zuletzt als einziges großes EU-Land Urlauber bedingungslos auf die Kanarischen Inseln reisen lassen. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Irland, Schottland und die Niederlande sowie teilweise Belgien und Österreich Reisewarnungen für den Archipel ausgesprochen.

Kurzarbeit gegen Corona-Arbeitslosigkeit auf den Kanaren

Viele Hoteliers schrieben das Herbst-Geschäft unterdessen ab. Einige Einrichtungen kündigten bereits an, bis mindestens Ende Oktober zu schließen. Die Regierung in Madrid teilte mit, das Kurzarbeitergeld (ERTE) zu verlängern, so dass Angestellte ihren Job formell behalten können. Ab November hofft die Branche dann wieder auf die Wintersaison, die unter normalen Umständen traditionell sehr touristenstark ist.

Einige Ketten wollen ihre Häuser hingegen trotz der zu erwartenden leeren Zimmer in Notbesetzungen geöffnet halten: „Wir befinden uns in einem Szenario nah am Null-Tourismus. Wir passen unser Personal der Nachfrage an, aber für den Moment haben wir nicht vor, zu schließen. Wir werden versuchen durchzuhalten, um zu sehen, ob sich die Situation in drei oder vier Wochen verbessert“, sagte der Generaldirektor der „Becordial Hotels & Resorts“,  Nicolas Villalobos.

Der Präsident der Tourismuskommission der Handelskammer Gran Canarias, Santiago de Armas, sieht unterdessen die Bevölkerung in der Pflicht: „Es ist notwendig, intern so zu arbeiten, dass die Ansteckungskurve nach unten geht. Wenn wir die Pandemie unter Kontrolle bringen, werden wir wieder Besucher empfangen können.“

Kanaren: Keine weiteren Reise-Rabatte zu erwarten

Die Hoteliers und Gastronomen schlossen unterdessen aus, den Tourismus durch weitere Dumping-Aktionen anzukurbeln. Die Kosten seien durch die Corona-Krise bereits derartig in die Höhe geschnellt, dass jede größere Rabatt-Aktion nur weitere Verluste bedeuten würde, hieß es.

In den vergangenen Monaten seien die Preise bereits um bis zu 30 Prozent gesunken, teilten Vertreter des Tourismus-Sektors mit. Jede weitere Senkung würde – insbesondere in Verbindung mit der vergleichsweise niedrigeren Auslastung – zu unrentablem Betrieb führen.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.