Nach deutscher Reisewarnung: Kanaren bereiten sich auf Schließungen vor


Die Reisewarnung in Deutschland hat die Kanarischen Inseln schwer getroffen. Der Archipel muss nun reagieren. Die Zahl der Infektionen muss halbiert werden, bevor die Bundesregierung die Kanaren von der "Schwarzen Liste" streicht. Die Branche bereitet sich auf Hotel-Schließungen vor.

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Es war ein schwerer Schlag. Doch die Maßnahme war vielerorts bereits erwartet worden: Die deutsche Regierung hat für die Kanarischen Inseln eine Reisewarnung ausgesprochen. Für den Archipel brechen nun noch härtere Zeiten an.

Die Reisewarnung bedeutet kein grundsätzliches Reiseverbot für deutsche Urlauber. Doch die Maßnahme hat eine abschreckende Wirkung auf Touristen. Und die ist von den Behörden ausdrücklich gewollt. Rückkehrer müssen sich testen lassen oder in Quarantäne. Aus diesem Grund – und wegen der allgemeinen Infektionsgefahr – können Reisen in ein offizielles Risikogebiet kostenlos storniert werden. Und oftmals machen Betroffene von diesem Recht Gebrauch. In der Folge reduzieren Reiseveranstalter das Angebot für betroffene Gebiete deutlich oder nehmen sie sogar komplett aus dem Programm.

Für die Kanaren brechen damit die beiden wichtigsten Reisemärkte auf unbestimmte Zeit mehr oder weniger weg. Nachdem Großbritannien eine Quarantäne für Rückkehrer ausgesprochen hatte, war bereits der Touristenbringer Nummer eins ausgefallen. Die Maßnahme hatte dafür gesorgt, dass kaum noch Flüge aus dem Königreich in Richtung der Kanaren abhoben.

Corona-Krise auf den Kanaren: Jeder zweite Arbeitsplatz hängt am Tourismus

Deutschland gilt mit etwa 2,7 Millionen Touristen als zweitwichtigster Markt. Tourismusministerin Yaiza Castilla sprach in einer ersten Reaktion davon, „dass fast jeder zweite Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Tourismus abhängt“ und somit nun erneut gefährdet sei.

Hintergrund ist, dass zuvor neben dem Vereinigten Königreich auch Frankreich, Norwegen, Österreich, Irland, Schottland, die Niederlande und Belgien entsprechende Maßnahmen ergriffen hatten. Damit gehörte Deutschland zu den letzten größeren Ländern, die Touristen bedingungslos auf den Archipel gelassen hatten. Ohne sie verwaist der Sektor weiter, da lediglich Einheimische übrig bleiben, von denen zu Ende September verstärkt Abreisen erwartet werden, sowie einige Langzeiturlauber.

Erste Belegungsprognosen gehen von Auslastungen unter 15 Prozent aus, was für einen rentablen Betrieb insbesondere größerer Hotel-Komplexe nicht ausreicht. Da auch keine Zusagen gemacht werden können, wann genau sich die Werte erholen, rechnen Experten mit erneuten Schließungen touristischer Einrichtungen.

Kanaren wollen zur Wintersaison konkurrenzfähig sein

Die Kanaren arbeiten daher nun verstärkt darauf hin, sich zumindest zur Wintersaison wieder als attraktives Reiseziel positionieren zu können. Bei einem Treffen mit dem Geschäftsführer der Tui, Sebastian Ebel, sprachen Castilla und der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, über Möglichkeiten, in der anstehenden Saison wieder konkurrenzfähig zu sein.

Ziel müsse es nun sein, die Infektionen mindestens zu halbieren, hieß es. Die kumulative Inzidenz, also die Positiv-Befunde pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage gerechnet, muss unter den Wert von 50 fallen, damit das Robert-Koch-Institut eine Empfehlung ausspricht, eine Region wieder von der Liste der Risiko-Gebiete zu streichen. Und dieser Wert kratzte zuletzt an der Marke von 100.

„Es kann einen Monat, zwei Monate oder ein Jahr dauern. Das hängt davon ab, ob die Ansteckungen sinken“, sagte der Präsident der Föderation der Unternehmer aus dem Gastgewerbe und des Tourismus in Las Palmas (Feht), José María Mañaricua. „Ohne Touristen müssen viele Hotels, die im Sommer in der Hoffnung eröffnet wurden, bis zum Winter durchzuhalten, wieder schließen.“

Gran Canaria verzeichnet die meisten Covid-19-Fälle

Mit zuletzt 28 neuen Ansteckungsherden waren die meisten Infektionen auf Gran Canaria gemeldet worden. Auf Teneriffa gab es zudem einen neuen Ausbruch in Granadilla de Abona. Insgesamt melden die Behörden der Kanarischen Inseln derzeit 4558 aktive Fälle. 3125 davon befinden sich auf Gran Canaria. Für Mañaricua ist der Auftrag daher klar. Mit Blick auf die lokale Wirtschaft appelliert der Experte an seine Mitbürger: „Jetzt hängt alles von uns ab, den Kanarios.“

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.